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"Viel ist nicht mehr übrig" Letzte Wildnis verteilt sich auf fünf Staaten

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Auch Brasiliens Regenwälder sind bedroht.

(Foto: imago/Aurora Photos)

Gegenden ohne Infrastruktur, ohne Siedlungen und Landwirtschaft findet man in Europa kaum noch. Auch weltweit gibt es immer weniger unberührte Fläche - und die konzentriert sich vor allem auf Staaten, deren Regierungen nicht viel auf Naturschutz geben.

Der Großteil der unberührten Natur auf der Erde liegt auf dem Staatsgebiet von nur fünf Ländern: Laut einer im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichten Studie beherbergen Australien, Brasilien, Kanada, Russland und die USA mehr als 70 Prozent der letzten Wildnis des Planeten. Land- und Seegebiete, in denen die Menschheit so gut wie nicht eingegriffen hat, bedecken demnach nur noch ein Viertel der Erde.

"Zum ersten Mal haben wir sowohl Wildnis an Land und im Wasser kartiert und festgestellt, dass nicht mehr viel übrig ist", sagte der Hauptautor der Studie, James Watson, der Nachrichtenagentur AFP. "Einigen wenigen Ländern gehört ein großer Teil dieser unberührten Fläche und sie haben eine große Verantwortung, den Rest der Wildnis zu erhalten", fügte der Wissenschaftler von der Universität von Queensland in Australien hinzu.

In den meisten dieser Länder sind allerdings Regierungen an der Macht, die sich kaum für Natur- und Klimaschutz einsetzen. So hat US-Präsident Donald Trump das Pariser Klimaschutzabkommen gekündigt und in Brasilien wurde am Sonntag der Rechtspopulist Jair Bolsonaro zum Präsidenten gewählt, der die Interessen der Agrarlobby über den Schutz des Amazonas-Regenwaldes stellt. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte im vergangenen Jahr angezweifelt, dass der Klimawandel von Menschen verursacht wird.

Zeit zum Umdenken

Die Forscher nutzten Open-Source-Daten zu acht Indikatoren menschlicher Einflüsse auf die Wildnis, darunter städtische Umgebungen, landwirtschaftliche Nutzflächen und Infrastrukturprojekte. Aufgrund der massiven Nutzung von Wäldern, Ölreserven und Fleisch durch die Menschen sowie wegen des Bevölkerungswachstums sind der Studie zufolge nur noch 23 Prozent der Natur an Land unberührt - vor hundert Jahren waren es 85 Prozent. Allein zwischen 1993 und 2009 wurde den Angaben zufolge eine Fläche von der Größe Indiens für Siedlungen, Landwirtschaft und die Ausbeutung von Bodenschätzen nutzbar gemacht.

Für die Meere werteten die Forscher Daten über Fischerei, industrielle Schifffahrt und den Abfluss von Düngemitteln aus. Nur 13 Prozent der Meeresgebiete sind demnach fast oder gänzlich unberührt. Eine Interpretation der Studie sei, "dass die Alarmglocke schrillt", sagte Watson. "Eine andere ist, dass es Zeit ist, umzudenken und Führungsstärke zu zeigen. Denn um Wildnis zu erhalten, müssen Industrie und Menschen ferngehalten werden."

Die Umweltorganisation WWF hatte erst am Dienstag erklärt, dass die Menschheit weiterhin mehr natürliche Ressourcen verbrauche als die Erde reproduzieren könne. Die Organisation warnte vor einem drastischen Rückgang der Zahl der Wildtiere. Der Wildnis drohe dasselbe Schicksal wie den Tieren, schreiben Watson und seine Kollegen. "Ähnlich dem Aussterben von Arten ist die Erosion der Wildnis unumkehrbar", heißt es in der Studie. Die Staaten müssten Gesetze zum Schutz der Natur verabschieden und die Ansiedlung von Industrie untersagen. "Die Natur braucht eine Pause", sagte Watson.

Unberührte Natur ist ein wichtiger Rückzugsort für zahlreiche Tierarten, die riesigen Wälder etwa in Kanada, Russland oder Brasilien sind wichtige CO2-Speicher und leisten damit einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz.

Quelle: n-tv.de, ino/AFP

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