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Bisherige Annahme widerlegt Letztgeborene sind keine Draufgänger

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Die Geschwisterreihenfolge ist nicht für alles die Erklärung.

(Foto: imago/Westend61)

Jahrelang scheint die Forschung zu belegen, dass die letztgeborenen Kinder einer Familie risikobereiter sind als ihre Geschwister. In einer großen Datenanalyse suchen Forscher nach Beweisen für diese These und finden das Gegenteil.

Experten des Max-Planck-Instituts haben die vieldiskutierte These widerlegt, dass letztgeborene Geschwister risikobereiter und draufgängerischer als ihre älteren Geschwister sind. Nach umfangreichen Datenanalysen konnte ein Forscherteam keinen Zusammenhang zwischen der Geburtenreihenfolge und der individuellen Risikobereitschaft zeigen, wie das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin berichtete.

In drei großen Datenanalysen hatten sie nach möglichen Zusammenhängen gesucht. "Die These, dass die Dynamik in der Familie, die wiederum durch die Geburtsreihenfolge geprägt sein könnte, die Risikobereitschaft beeinflusst, scheint durchaus intuitiv und plausibel", erklärte Max-Planck-Forscher Ralph Hertwig, Mitautor der Studie. Weder in Umfragen noch in experimentellen Versuchen oder in Stichproben historischer Persönlichkeiten seien jedoch Hinweise für diese These gefunden worden.

Die Forscher werteten Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) in Deutschland und aus der sogenannten Basel-Berlin Risk Study aus, bei der sich Erwachsene experimentellen Verhaltenstests und einer Selbsteinschätzung unterzogen. Zudem recherchierten die Experten die Geburtsreihenfolge von fast 200 historischen Entdeckern und Revolutionären. Doch auch hier fanden sich "keine statistischen Auffälligkeiten", wie Erstautor Tomás Lejarraga berichtete.

Andere Gründe für Risikobereitschaft

Auch die Erstgeborenen Martin Luther, Christoph Kolumbus und die britische Abenteurerin Mary Kingsley zeigen, dass es wohl andere Faktoren als die Geburtsreihenfolge geben muss, die dazu führen, dass Menschen sich für ein risikoreiches Leben entscheiden - so das Fazit der Forscher.

Die These, dass die Geburtsreihenfolge die Persönlichkeit beeinflusst, wurde lange und kontrovers in der Psychologie und darüber hinaus diskutiert. In den 1990er-Jahren wurde sie besonders prominent in den Arbeiten des Wissenschaftshistorikers und Darwin-Experten Frank Sulloway vertreten. Bei seiner Suche nach den Gründen, warum Menschen politische oder wissenschaftliche Revolutionäre werden, entdeckte er, dass es unter diesen statistisch gesehen mehr Letztgeborene gibt.

Er entwickelte ein Modell der Familiendynamik, nach dem sich die Erstgeborenen der privilegierten Aufmerksamkeit der Eltern sicher sein konnten, wohingegen die jüngeren Geschwister sich erst eine familiäre Nische erkämpfen und dafür Risiken eingehen müssten, was ihre Persönlichkeit präge. Inzwischen wird Sulloways Familiendynamikmodell kritischer gesehen und jüngste Studien können keinen Zusammenhang zwischen Geburtsreihenfolge und Persönlichkeit im Allgemeinen nachweisen.

Quelle: n-tv.de, sba/AFP

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