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Aufhören noch nach Jahrzehnten? Lungengewebe von Ex-Rauchern erholt sich

ACHTUNG Frei nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie.jpg

Die Grafik zeigt, warum es nie zu spät ist, mit dem Rauchen aufzuhören.

(Foto: The Sanger Institute / UCL/dpa)

Lungenkrebs ist eine der häufigsten und tödlichsten Krebserkrankungen. Oft ist Rauchen die Ursache. Menschen, die lange geraucht haben, sagen gern: Jetzt ist es zu spät, damit aufzuhören, der Schaden ist eh schon da. Eine Studie kommt nun mit der guten Nachricht: Lungengewebe regeneriert sich.

Wer mit dem Rauchen aufhört, stoppt nicht nur die weitere Schädigung von Lungenzellen. Zusätzlich gibt er seinem Körper die Möglichkeit, Lungengewebe zu regenerieren. In einer Untersuchung von Lungenzellen stellten Wissenschaftler fest, dass ehemalige Raucher etwa viermal so viele gesunde Zellen besitzen wie Raucher. Die Studie einer Forschergruppe um Peter Campbell vom Wellcome Sanger Institute in Hinxton (Großbritannien) ist in der Fachzeitschrift "Nature" erschienen.

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Elektronenmikroskop-Aufnahme von Lungenkrebszellen.

(Foto: LRI EM Unit/dpa)

Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland und vielen anderen Industrieländern. Als wichtigster Risikofaktor gilt das Rauchen. Früheren Studien zufolge sind bis zu 90 Prozent der Lungenkrebsfälle auf Tabakrauch zurückzuführen. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums enthält Tabakrauch mehr als 90 Stoffe, die mit hoher Wahrscheinlichkeit krebserregend sind. "Menschen, die 30, 40 oder mehr Jahre stark geraucht haben, sagen mir oft, dass es zu spät ist, mit dem Rauchen aufzuhören - der Schaden ist bereits angerichtet", wird Campbell in einer Mitteilung von Cancer Research UK zitiert. "Das Aufregende an unserer Studie ist, dass sie zeigt, dass es nie zu spät ist, aufzuhören."

Ihre Untersuchung führten Campbell und Kollegen an Zellen aus den Luftwegen der Lungen von drei Kindern, vier Nichtrauchern, sechs ehemaligen Rauchern und drei Rauchern durch. Sie verwendeten Gewebeproben aus klinisch notwendigen Biopsien, um einzelne Zellen zu isolieren und dann zu vermehren. Die Forscher untersuchten das Erbgut von 632 Zellkolonien auf die Häufigkeit von Mutationen, also Erbgutveränderungen.

Belastung der Zellen mit Mutationen ermittelt

Einige Mutationen in den Zellen sind demnach allein auf das Alter des Patienten zurückzuführen: Die Wissenschaftler errechneten, dass durchschnittlich 22 Mutationen pro Zelle in jedem Lebensjahr hinzukommen. Der Wert stieg auf schätzungsweise 2330 Mutationen bei ehemaligen Rauchern und 5300 Mutationen bei Rauchern. Je höher eine Zelle mit Mutationen belastet ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch Veränderungen darunter sind, die zur Umwandlung in eine Krebszelle führen.

Trotz hoher Mutationsanzahl in den meisten Zellen fanden die Forscher auch bei Rauchern einzelne Zellen, die verhältnismäßig wenige Veränderungen aufwiesen. Bei ehemaligen Rauchern machten diese Zellen sogar 20 bis 40 Prozent aller Zellen aus. Diese Zellen besaßen lange Telomere (Endstücke) an den Chromosomen; Telomere verkürzen sich bei jeder Zellteilung. Deshalb vermuten die Forscher, dass sich diese Zellen noch nicht oft geteilt haben und vielleicht aus "schlafenden" Stammzellen hervorgegangen sind.

Möglicher therapeutischer Ansatz

In einem Kommentar, ebenfalls in "Nature", betont Gerd Pfeifer vom Van Andel Institute in Grand Rapids (Michigan, USA), dass die Studie das wissenschaftliche Verständnis der Auswirkungen von Tabakrauch auf normale Lungenzellen erweitert habe. Zugleich ergäben sich eine Reihe von Fragen für weitere Untersuchungen.

Pfeifer denkt auch an einen möglichen therapeutischen Ansatz: "Vielleicht wird es eines Tages möglich sein, Wege zu entwickeln, um die Population von Lungenzellen mit wenigen Mutationen bei ehemaligen Rauchern zu vergrößern."

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa

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