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Das Skelett wurde im Mai zufällig im Bergbaugebiet in der Nähe von Belgrad entdeckt.
Das Skelett wurde im Mai zufällig im Bergbaugebiet in der Nähe von Belgrad entdeckt.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Donnerstag, 17. September 2009

Sensations-Fund: Mammut "Vika" starb im Sumpf

Die betagte Mammut-Dame "Vika" blieb vor mehreren 100.000 Jahren im Morast stecken und kam praktisch "in der Hocke" ums Leben. Im vergangenen Mai wurde das vollkommen erhaltene Mammut-Skelett in der Kohlegrube im serbischen Kostolac 60 Kilometer östlich von Belgrad entdeckt. Auch wenn in der Fachwelt inzwischen ein Streit über das Alter des mächtigen Tieres entbrannt ist, so bezeichnen alle Experten den Zufallsfund unisono als "Sensation" und "Glück" für die Wissenschaft. Jetzt ist das Skelett konserviert und auch Touristen zugänglich.

"Unsere Geologen haben das Alter von Vika aufgrund der Sedimente auf 4,8 Millionen Jahre bestimmt", sagt Zoran Markovic. Der Direktor des Belgrader Naturkundemuseums ist sichtlich stolz, unter der provisorischen Halle das "älteste jemals in Europa gefundene Mammut" präsentieren zu können. Es handele sich um einen "Südelefanten" (Mammuthus meridionalis). Das in 27 Metern Tiefe gefundene Prachtexemplar sei sieben Tonnen schwer und vier Meter hoch gewesen; habe mächtige Stoßzähne von 2,50 Meter Länge besessen.

Doch ein männliches Exemplar?

Einer der bedeutendsten internationalen Mammutexperten ist der Niederländer Dick Mol. Er hat "Vika" im August untersucht und ist zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Es handele sich um ein männliches Exemplar des "Steppenmammuts" (Mammuthus trogontherii), das in der Zeitspanne von einer Million bis zu 300.000 Jahren gelebt habe, sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa am Mittwoch. Das sei klar anhand der riesigen Backenzähne und des Skelettaufbaus festzustellen.

Doch auch für diesen Mammut-Experten, der an vielen Ausgrabungen in Sibirien, Westeuropa und in Kanada teilgenommen hat, ist das Mammut von Kostolac "eine klare Sensation, ein wissenschaftlicher Glücksfund". Denn noch nie sei bisher das komplette Skelett eines Steppenmammuts gefunden worden. Das lange als Steppenmammut angesehene Tier in Sangerhausen (Harz), das Anfang der 30er-Jahre ausgebuddelt wurde, sei nach neuesten Erkenntnissen ein "weibliches Exemplar des Südelefanten".

Es gibt viele exzellent erhaltene Mammutskelette auch in Westeuropa, doch gehören sie meist der jüngsten Mammut-Gattung an: Das "Wollhaarmammut" (Mammuthus primigenius) tauchte vor 300.000 Jahren auf und lebte bis vor 8000 Jahren. Vor allem in Sibirien und Nordamerika sind zahlreiche Exemplare dieser Gattung aus den Dauerfrostböden geborgen worden.

Explodierter Magen und abgesprengte Rippen

"Vika hat bereits kurz nach ihrem Tod im Morast von Kostolac ein weiterer schrecklicher Schlag getroffen", berichten die serbischen Experten. Das Mageninnere des Tiers sei regelrecht explodiert, so dass der Rücken gebrochen wurde: "Einige Rippen wurden abgesprengt, wir haben sie in ziemlicher Entfernung vom Körper gefunden." Jenseits des weiteren Streits der Wissenschaftler soll die Mammut-Dame jetzt zur Touristenattraktion werden.

Das Tier wird genau dort ausgestellt, wo es gefunden wurde. Auch wird es nicht aufgerichtet, sondern bleibt so in der "Niedrighocke", wie es damals verendet ist. In der Tat kann sich der Besucher beim Rundgang um das Skelett mit Fantasie die Todesszene ausmalen. "Jedenfalls sind selbst die Kniescheiben so gut erhalten, als ob das Tier erst in jüngster Zeit gelebt hätte", freut sich Miomir Korac, der neben der "Mammut-Schau" auch für den benachbarten archäologischen Park der Römersiedlung Viminacium zuständig ist.

Quelle: n-tv.de