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Spurensuche im Fall "Maddie" Mark Benecke: "13 Jahre sind gar nichts"

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Lange Ermittlungszeiträume kommen in Beneckes Arbeit häufig vor.

(Foto: Foto: Rocksau Pictures/Mark Benecke/dpa)

Nicht nur Ermittler, sondern auch Kriminalbiologen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Fall um die verschwundene Madeleine McCann. In seinem Labor spricht Deutschlands wohl bekanntester Kriminalbiologe Mark Benecke über die Möglichkeiten der Spurensuche bei weit zurückliegenden Taten.

ntv: Im Fall "Maddie" gibt es nun einen Verdächtigen, der vor Jahren schon mal im Zentrum der Ermittlungen stand. Welche Hinweise haben dazu geführt, dass die Ermittler wieder auf ihn kamen?

Mark Benecke: Ich denke, das ist im Ausschlussverfahren sowie durch einen weiteren Zeugenhinweis passiert. Man hat sehr viele Leute ausgeschlossen, die zeitlich, räumlich und vielleicht auch durch biologische Spuren nicht in Betracht kamen. Eine der Personen, die jetzt übrig bleibt und zusätzlich von Zeugen nochmal benannt wurde, ist die aktuell interessante Person.

Damals wurden viele Spuren am Tatort verwischt, wie wichtig ist denn die Tatortarbeit direkt nach der Tat?

Die ist unglaublich wichtig. Am unveränderten oder wenig veränderten Tatort kann man Hautschuppen finden, Haare, vielleicht sogar Blut, Fingerabdrücke, also die Linien auf den Fingern, das ist ein Meer an Informationen. Andererseits muss man natürlich auch andere Dinge tun, beispielsweise vielleicht irgendwann aufräumen oder ganz am Anfang gucken, ob eine verletzte Person in der Wohnung ist. Aber im Grunde genommen ist der eingefrorene Zustand des Tatorts ein spurenkundlicher Traum. Aber leider ist die Welt kein Traum, und man möchte, wie gesagt, auch andere Dinge tun.

Kann man die Spuren von damals denn überhaupt noch verwenden? Haben die noch Aussagekraft?

Das ist eigentlich kein Problem. Hautschuppen, Haare und auch Blut halten sich eigentlich ewig, vor allem die Erbsubstanz darin. Von Haaren weiß das auch jeder selber, die kann man auch beim Putzen noch Jahrzehnte später finden, wenn man etwa einen Schrank abbaut oder so. Viele andere Spuren können auch erhalten bleiben, technische Spuren, zum Beispiel Handydaten. Wenn die aufgezeichnet wurden, sind die ja nie weg. Eigentlich ist die Zeit nicht so sehr das Problem, sondern wird erst zum Problem, wenn einem viel zu spät einfällt, die Spuren einzusammeln. Wenn man sie aber schnell einsammelt, halten sie sich in der Regel.

13 Jahre lang sind die Ermittler jetzt schon an dem Fall dran, ist es aus Ihrer Perspektive kurz, lang und überhaupt noch möglich, den Fall aufzuklären?

13 Jahre ist gar nichts für Kriminalfälle. Ich hab hier im Labor Fälle, die haben viel länger gedauert. Wir haben im Moment einen Fall laufen, der ist vor 30 Jahren passiert, da war ich noch gar nicht als Sachverständiger tätig. Der älteste Fall, den ich hatte, das ist kein Witz, ist 1600 Jahre alt gewesen. Den konnten wir auch problemlos bearbeiten, weil da auch noch Spuren waren, in dem Fall Käferflügel. Also, es ist für die Angehörigen ein Albtraum, es ist für Menschen, die in dem Fall mitfiebern, vielleicht spannend, ich hoffe, hauptsächlich traurig und unangenehm. Aber diese Zeiträume sind für uns leider oft normal.

Mit Mark Benecke sprach Jasmin Gebele.

Quelle: ntv.de, mdi