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Bio-Rhythmus und Jetlag Medizin-Nobelpreis geht an drei US-Forscher

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Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die drei US-Amerikaner Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young für Arbeiten zur Funktion und Kontrolle der Inneren Uhr.

REUTERS

Welche Prozesse laufen bei Organismen zu unterschiedlichen Tageszeiten ab? Mit dieser Frage haben sich die die drei US-Forscher Hall, Rosbash und Young befasst. Ihre Erkenntnisse werden nun mit dem Nobelpreis gewürdigt.

Für ihre Arbeiten zur Inneren Uhr sind die drei US-Forscher Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young mit dem diesjährigen Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet worden. "Ihre Entdeckungen erklären, wie Pflanzen, Tiere und Menschen ihren Bio-Rhythmus anpassen, damit er an die Umwälzungen der Erde angepasst ist", teilte das Karolinska-Institut in Stockholm mit. Sie hätten "einen Blick ins Innere unserer biologischen Uhr" geworfen und deren Funktionsweise beleuchtet. Der 72-jährige Hall, der 68-jährigen Young und der 73-jährige Rosbash teilen sich ein Preisgeld von neun Millionen schwedische Kronen (etwa 940.000 Euro). Der Preis wird am 10. Dezember in Stockholm verliehen.

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  In ihren Arbeit haben sich die drei Wissenschaftler mit dem biologischen Rhythmus von Lebenwesen und Pflanzen befasst. Im Kern sei es dabei um die molekularen Mechanismen zur Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus gegangen, wie das Institut weiter mitteilte. Dabei konnten sie nachweisen, dass die biologische Uhr bei allen Tieren nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet. Dieses steuere etwa zu verschiedenen Tageszeiten wichtige Funktionen wie den Hormonspiegel, die Körpertemperatur sowie den Stoffwechsel. Die Nobeljury spricht von einem "Paradigmenwechsel" durch die Entdeckungen der Forscher. "Die Erkenntnisse können ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig gute Schlafmuster sind", sagte Jurymitglied Juleen Zierath.

Nachweis an der Fruchtfliege

Nobelpreisträger Roshbash

"Das klingelt normalerweise überhaupt nicht mehr, außer jemand stirbt, oder etwas von dieser Bedeutung passiert. Sonst läuft ja alles über Handys. Ich habe fest geschlafen, es war 5.10 Uhr morgens hier. Was für eine Art, aufzuwachen!"

Roshbash war von der schwedischen Akademie per Telefon über seinen preis informiert worden.

Die Bedeutung des Zusammenspiels der äußeren Einflüsse und der Steuerung im Organismus zeigt sich etwa beim Menschen beim Jetlag, wie es hieß. Zugleich kann das dauerhafte "Ignorieren" der Inneren Uhr das Wohlbefinden stören und sogar zu Krankheiten führen. Hall und sein Kollege Rosbash an der Brandeis University in Boston und ihr Kollege Young von der Rockefeller University in New York hatten exemplarisch für Lebewesen auf der Erde Fruchtfliegen untersucht und bei diesen 1984 ein Gen isoliert, das den täglichen Bio-Rhythmus bestimmt.

Hall und Rosbash bewiesen, dass dieses Gen den Bauplan für ein Protein enthält, das sich nachts in der Zelle anhäuft und im Laufe des Tages wieder abgebaut wird. Young identifizierte 1994 ein zweites Gen, das maßgeblich die innere Uhr von Lebewesen beeinflusst.

Rosbash sagte in einem Telefonat mit der schwedischen Nachrichtenagentur TT, er sei "schockiert" über die Neuigkeit aus Stockholm. "Ich sitze hier im Schlafanzug mit meiner Frau, ich habe nicht an so etwas gedacht", schilderte der 73-Jährige seine Überraschung. Er wünsche sich, dass seine Mutter diese Ehrung noch miterlebt hätte.

Seit 1901 haben 211 Menschen den Medizinnobelpreis erhalten, darunter zwölf Frauen. Der erste ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie.

Die Verkündung des Medizinnobelpreises leitet wie jedes Jahr die Nobelsaison ein. Es folgen am morgigen Dienstag der Nobelpreis für Physik und am Mittwoch für Chemie. Der Literaturnobelpreis wird am Donnerstag verkündet. Am Freitag wird in Oslo der mit besonderer Spannung erwartete Träger des Friedensnobelpreises bekannt gegeben. Zum Abschluss der diesjährigen Nobel-Ehrungen wird am kommenden Montag der Träger des Wirtschaftsnobelpreises verkündet.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/AFP

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