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Training im Verstehen der Gefühle einerseits und der Gedanken anderer Menschen andererseits führt zu strukturellen Veränderungen in zwei verschiedenen Gehirnnetzwerken.
Training im Verstehen der Gefühle einerseits und der Gedanken anderer Menschen andererseits führt zu strukturellen Veränderungen in zwei verschiedenen Gehirnnetzwerken.(Foto: MPI CBS)
Donnerstag, 05. Oktober 2017

Veränderungen der Hirnstruktur: Mentales Training senkt Stresslevel

Stress scheint allgegenwärtig. Wie man ihm entkommt, untersuchen Forscher mit verschiedenen Verfahren. Sie stellen fest, dass alle Übungen die Strukturen im Gehirn verändern. Die besten Ergebnisse allerdings lassen sich mit einem Partner erzielen.

Zwei Studien zeigen, wie stark mentales Training die Hirnstruktur verändert - und dass manche Verfahren Menschen deutlich stressresistenter machen. Grundsätzlich könnten solche Übungen die geistige und körperliche Gesundheit von Menschen verbessern, schreiben die Forscher vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften im Fachblatt "Science Advances". Sie hatten mehr als 300 Teilnehmern verschiedene Übungen angeboten und sie nach drei Monaten ausgiebig untersucht.

Im sogenannten ReSource-Projekt lernte eine Gruppe ein sogenanntes Achtsamkeitstraining, bei dem insbesondere die Konzentration geschult wurde. Die Teilnehmer sollten sich bei dieser Meditation auf bestimmte Bereiche des Körpers fokussieren, etwa die Atmung. Die beiden anderen Gruppen trainierten, teils zu zweit, verschiedene soziale Fähigkeiten: Der eine Kurs lernte Fähigkeiten wie Mitgefühl, Güte und den Umgang mit schwierigen Gefühlen. Die Teilnehmer versuchten, etwa durch Gefühlsaustausch mit dem Übungspartner, ihre positiven Gefühle zu sich selbst und anderen zu stärken.

Die dritte Gruppe trainierte sozio-kognitive Fertigkeiten wie die Fähigkeit zum Perspektivwechsel. Um die eigenen Gedanken mit Abstand zu erleben, erzählten sie ihren Trainingspartnern etwa Tageserlebnisse, allerdings aus Sicht eines bestimmten inneren Charakterteils, etwa der "besorgten Mutter" oder des "strengen Richters".

Einmal jede Woche 30 Minuten

Die Teilnehmer trainierten einmal wöchentlich in der Gruppe, an fünf weiteren Wochentagen waren sie mit Trainer oder Übungspartnern per Computer oder Smartphone verbunden. Die Einheiten dauerten jeweils eine halbe Stunde. Nach drei Monaten machten alle Probanden für die erste Studie einen Verhaltenstest, ihre Hirnstrukturen wurden per Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. Für die zweite Studie maß das Team die Menge des Stresshormons Cortisol im Speichel.

Die erste Studie ergab, dass sich die Gehirnregionen aller Teilnehmer veränderten. Bei jener Gruppe, die Achtsamkeit trainierte, wuchs die Großhirnrinde in den Bereichen, die für Aufmerksamkeit zuständig sind. Verhaltenstests zeigten, dass sich ihre Konzentration und Aufmerksamkeit tatsächlich verbessert hatten.

"Das Gleiche beobachteten wir in den beiden Modulen, die gezielt die beiden sozialen Verhaltensbereiche übten", sagt Erstautorin Sofie Valk. "Hier erhöhte sich auch jeweils die Dicke des Cortex in den Regionen, die Mitgefühl oder Perspektivwechsel verarbeiten. Entsprechend verbesserten sich hier auch die Kompetenzen der Teilnehmer."

Wirkungen nur bei sozialen Übungen messbar

Die zweite Studie ergab, dass sich nach dem Training alle Teilnehmer selbst als weniger gestresst einstuften. Aber ein Stresstest, bei dem sie einen Vortrag hielten und Rechenaufgaben lösten, ergab, dass nur die beiden sozialen Übungen zu Veränderungen des Stresshormons Cortisol führten. In den beiden Gruppen sanken die Cortisol-Werte bis um die Hälfte (51 Prozent).

"Wir vermuten, dass das Stresslevel durch die sozialen Interaktionen in den Paar-Meditationen gesenkt wurde", so die Erstautorin der zweiten Studie, Veronika Engert. "Sich regelmäßig einer fremden Person gegenüber zu öffnen und zu lernen, vorurteilsfrei einem anderen zuzuhören, hat wahrscheinlich zu einer Art Stress-Immunisierung geführt."

Gezielte Trainingsmethoden gebe es in Deutschland bislang nur vereinzelt, so Engert. Ziel sei deshalb, das Programm öffentlich anzubieten. Die Leiterin des Gesamtprojekts, Tania Singer, betont, wenn man die Effekte verschiedener Verfahren besser kenne, könne man die geistige und körperliche Gesundheit von Menschen gezielt fördern.

Quelle: n-tv.de

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