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Klänge statt Beruhigungsmittel Musik lindert Angst vor einer Operation

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Musik kann Angst lindern, auch kurz vor einem operativen Eingriff.

(Foto: imago)

Mit Musik kann man einiges erreichen: Manche nutzen sie, um wach zu werden oder ihre Laune aufzubessern. Wie sich bestimmte Klänge auf die Angst von Patienten vor einer Operation auswirken, untersuchen Forscher und raten zu individueller Musikauswahl.

Kurz vor einer Operation Angst zu haben, ist ganz normal. Schließlich ist eine Aufgabe der Angst, den Körper vor Gefahren zu schützen. Doch die Begleiterscheinungen im Körper wie Herzrasen oder die Ausschüttung von Stresshormonen sind als Vorbereitung auf eine Operation ungünstig. In vielen Kliniken werden deshalb beruhigende Mittel verabreicht. Diese wiederum können Nebenwirkungen beim Patienten hervorrufen, die zu Komplikationen während der OP führen oder die Genesung danach behindern können. Zudem brauchen Patienten, die vor einer OP ein Beruhigungsmittel bekommen haben, eine kontinuierliche Überwachung. Grund genug für Forscher der University of Pennsylvania, Alternativen zu testen.

Das Team um Veena Graff untersuchte an insgesamt 157 Erwachsenen, wie sich Musik im Vergleich zu dem bekannten Beruhigungsmittel Midazolam auf die Angst vor einer OP auswirkt. Sie teilten die Probanden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen ein. Eine Gruppe bekam drei Minuten vor einer Lokalanästhesie ein Milligramm des Mittels, die zweite Gruppe erhielt die doppelte Dosis und die dritte hörte ebenfalls drei Minuten vorher ein besonders entspannendes Musikstück über geräuschunterdrückende Kopfhörer.

Angstniveau und Zufriedenheit abgefragt

Die Patienten hatten die Aufgabe, mit einem Test das Ausmaß der Angst vor und nach der Methode zur Beruhigung einzuschätzen. Zudem wurde die Zufriedenheit von Ärzten und Patienten im Hinblick auf die Methode mittels einer Skala von 0 bis 10 abgefragt, wobei 10 für den höchsten Grad der Zufriedenheit stand.

Die Forscher sahen, dass die Angst vor der OP sowohl durch das Medikament als auch durch Musik nahezu gleichermaßen beeinflusst werden kann. Bei der Zufriedenheit allerdings waren die Angaben derer, die vor dem Eingriff das Medikament bekamen, größer als bei denen, die Musik hörten. Die Forscher nehmen an, dass der Unterschiede zustandekam, weil sich die Patienten die Musik, die sie hörten, nicht selbst aussuchen durften.

Die Befunde, die im Fachjournal "Regional Anaesthesia & Pain Medicine" veröffentlicht wurden, lassen darauf schließen, dass Musik eine echte Alternative zum Beruhigungsmittel Midazolam sein kann. Bevor sie Ärzten ihren Patienten aktiv anbieten, müssen jedoch noch mehr Untersuchungen durchgeführt werden.

Quelle: n-tv.de, jaz