50.000 Jahre alter DNA-MixNeandertaler-Männer nahmen sich Menschen-Frauen

Vor etwa 50.000 Jahren paarten sich Neandertaler mit dem modernen Menschen. Dabei dominierten offenbar Neandertaler-Männer die Partnerwahl. Die Gründe für diese einseitige Vermischung sind bisher unklar.
Neandertaler und moderner Mensch mischten sich regelmäßig - einer Studie zufolge allerdings vermutlich überwiegend nur Neandertaler-Männer mit Menschen-Frauen. Woran das lag, sei unklar, erläutert das Forschungsteam im Fachmagazin "Science". Es biete aber eine Begründung dafür, dass genetische Beiträge von Neandertalern in bestimmten Regionen des Genoms moderner Menschen auffallend selten sind. Insgesamt gehen bei heutigen Menschen nicht-afrikanischer Abstammung etwa zwei Prozent des Genoms auf Neandertaler zurück.
Von den sogenannten Neandertaler-Wüsten sei vor allem das X-Chromosom betroffen - und das werde geschlechtsspezifisch vererbt, da Frauen zwei X-Chromosomen (XX) und Männer ein X- und ein Y-Chromosom (XY) haben. Frauen geben ein X-Chromosom an jedes Kind weiter: Söhne erhalten das mütterliche X (und väterliches Y), Töchter erhalten ein mütterliches X plus das väterliche X. Männer geben ihr einziges X-Chromosom nur an Töchter weiter, Söhne bekommen ausschließlich das väterliche Y.
Weil es vor allem Kreuzungen zwischen männlichen Neandertalern und weiblichen modernen Menschen gab, sei vergleichsweise wenig Neandertaler-DNA auf dem X-Chromosom in den menschlichen Genpool gelangt, nimmt das Team um Alexander Platt von der University of Pennsylvania in Philadelphia an. Auf dem X-Chromosom von Neandertalern wiederum finde sich ein unerwartet hoher Anteil an menschlicher DNA.
Uralte und heutige Erbgut-Proben untersucht
Das Team untersuchte DNA-Merkmale, die während einer früheren Phase der Vermischung von modernem Menschen und Neandertaler in die Populationen gelangten. Durch den Abgleich mit genetischen Daten bestimmter Homo-sapiens-Populationen ohne Neandertaler-Vorfahren aus Subsahara-Afrika vollzogen die Forscher Muster des Genflusses nach.
Partnerwahl stellt demnach nach Meinung der Forschenden die plausibelste Ursache für die gefundenen Muster dar. Im späteren Verlauf habe die Selektion Einfluss gehabt: Merkmale, die schädlich für ihren Träger wirken, werden von der Evolution aussortiert. Das passiert, weil sich die benachteiligten Träger weniger stark vermehren und das entsprechende Merkmal dadurch auf längere Sicht aus dem Genpool der Art verschwindet.
Umgekehrt bleiben Genvarianten eher erhalten, wenn sie einen Überlebensvorteil für ihren Träger bedeuten. Bestimmte Neandertaler-Gene verbessern zum Beispiel die angeborene Immunabwehr oder beeinflussen Fettstoffwechsel und Körperzusammensetzung - einst wichtig in kalten Klimazonen.
Andere Neandertaler-Varianten fördern eine stärkere Blutgerinnung, was früher wahrscheinlich half, Blutungen schneller zu stoppen. Heute allerdings kommt stärker zum Tragen, dass auch das Risiko für Thrombosen, Infarkte und Embolien erhöht wird.
Vermischung vor grob etwa 50.000 Jahren
Untersuchungen zufolge begann der moderne Mensch grob vor etwa 50.000 Jahren damit, sich von Afrika aus um die Erde zu verbreiten. Vor etwa 47.000 Jahren erwarb er - womöglich während einer einzelnen längeren Phase der Vermischung mit Neandertalern - jene Merkmale, die bis heute im Genom aller Nicht-Afrikaner nachweisbar sind.
Neandertaler besiedelten Eurasien bereits seit mindestens 300.000 Jahren bis zu ihrem Aussterben vor etwa 40.000 Jahren. Sie waren wesentlich stärker als moderne Menschen, wie Knochenanalysen ergaben. Neandertaler-Frauen hätten unerwünschte Ansinnen männlicher moderner Menschen daher vielleicht recht gut abwehren können - Menschen-Frauen hingegen wären aufdringlichen Neandertaler-Männern körperlich wohl unterlegen gewesen.
Ob das die Ursache für die vermutete einseitige Vermischung ist, ist aber absolut unklar. Andere soziale, demografische oder biologische Erklärungen zu den Umständen sind ebenso denkbar.