Wissen

Hoffnung für Hautgeplagte Neue Antikörpertherapie bei Neurodermitis

imago0090317083h.jpg

Bei schwer an Neurodermitis Erkrankten reichen äußere Behandlungen oft nicht aus.

(Foto: imago images / imagebroker)

Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Neurodermitis, es ist die häufigste chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Eine neue Antikörpertherapie kann nun vielen Patienten helfen und soll sogar Asthma und Heuschnupfen lindern.

Allergologen sprechen schon von einer neuen Ära in der Behandlung von Neurodermitis. Beim Deutschen Allergiekongress, auf dem ab dem heutigen Donnerstag in Wiesbaden die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Allergien diskutiert werden, wird die Antikörpertherapie eines der großen Themen sein. Der Wirkstoff Dupilumab, auf den die Ärzte setzen, greift gezielt in die Entzündungsmechanismen in der Haut ein. Er kann vor allem Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis helfen, für die es bislang kaum Therapieoptionen gab.

"Wir haben es tatsächlich mit einem Quantensprung in der Versorgung der Erkrankung zu tun", sagt Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie am UKE in Hamburg. Neurodermitis erzeuge bei den meisten einen extrem hohen Leidensdruck. Bislang habe es im Bereich der innerlichen Behandlung für die schwer betroffenen Patienten kein Medikament für die Langzeittherapie gegeben. Das ändere sich jetzt, so Augustin gegenüber ntv.

Dupilumab ist ein künstlich hergestellter, aber körperähnlicher Antikörper, der gezielt auf das Immunsystem wirkt. Er gehört zur Gruppe der Biologika und blockiert spezielle Botenstoffe wie Interleukin 4 und 13. Sie werden bei Neurodermitis-Patienten im Übermaß gebildet und verursachen die Entzündungen in der Haut. Dupilumab stört die Kommunikation der Signalwege dieser Botenstoffe und verhindert so, dass sich die Haut entzündet. Der Wirkstoff eignet sich für die langfristige Therapie und wird alle zwei Wochen unter die Haut gespritzt.

Neurodermitis-Patienten sind beschwerdefrei

Die Antikörpertherapie mit Dupilumab hilft etwa zwei Drittel der Patienten, so auch Studentin Joyce Schroda, die seit ihrer Geburt an Neurodermitis leidet. Sie ist Patientin bei Stephan Weidinger von der Universitäts-Hautklinik in Kiel und bekommt den Wirkstoff seit sechs Wochen verabreicht.

Zunächst habe sich der Juckreiz stark gebessert, berichtet die 22-jährige Studentin, nun bildeten sich auch die Entzündungen an der Haut zurück. "Das Ziel der Behandlung ist, die Erkrankung zu kontrollieren", sagt Weidinger, und so die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Neurodermitis gilt als chronische Erkrankung, die in Schüben verläuft und nicht heilbar ist.

Vor allem der quälende Juckreiz ist ein typisches Symptom. Bei schwer Betroffenen reicht die äußerliche Behandlung etwa mit Pflegeprodukten oder Wirkstoffen wie Kortison oft nicht aus. Der jetzige Behandlungsansatz bei Neurodermitis bedeute für diese Patientengruppe erstmals die Chance, sagt Weidinger, weitgehend dauerhaft beschwerdefrei zu sein.

Asthma und Heuschnupfen bessern sich

Dupilumab ist bereits für Erwachsene und Jugendliche zugelassen, für Kinder ab sechs Jahren steht die Zulassung noch aus. Es hat wenig Nebenwirkungen und gilt als sicher, allerdings fehlen noch Langzeitstudien. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft hat das Mittel vor Kurzem in ihre Neurodermitis-Leitlinien aufgenommen, da die Wirksamkeit und Verträglichkeit belegt sei.

Mehr zum Thema

Bei der Therapie mit dem Medikament stellten die Ärzte noch einen positiven Nebeneffekt fest. Bei einigen Patienten, die die Antikörpertherapie erhielten, verbesserten sich neben der Neurodermitis auch die Symptome von allergischem Asthma und Heuschnupfen.

Dupilumab ist das erste Biologikum, das für die Behandlung von Neurodermitis zugelassen ist, weitere Antikörper sind noch in der Entwicklung. Für Patienten mit Neurodermitis gibt es damit neue Hoffnung, die Erkrankung endlich in den Griff zu bekommen.

Quelle: ntv.de