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Nur noch wenig Zeit für Impfung Neue Grippewelle erfasst gut 4000 Menschen

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Leider gibt es noch keinen universalen Grippeimpfstoff - deshalb hält der Schutz oft nicht lange.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Zahl der Menschen in Deutschland, die sich mit Grippeviren anstecken, nimmt sprunghaft zu. Ein Drittel aller bisherigen Grippekranken dieses Winters sind Opfer der vergangenen Woche. Damit hat die Welle nun offiziell begonnen, noch aber kann man sich impfen lassen.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Wer diesen Winter mit solchen Symptomen das Bett hütete, fühlte sich vielleicht vergrippt, litt aber wahrscheinlich an einer harmlosen Erkältung. Denn bisher waren vor allem Erkältungserreger unterwegs. Seit dem Jahreswechsel finden Experten in Proben von Patienten aber zunehmend echte Grippeviren, die Zahl bestätigter Fälle steigt.

Nun hat in Deutschland offiziell die Grippewelle begonnen, wie aus einem aktuellen Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin hervorgeht. "Die Welle wird sich noch etliche Wochen hinziehen", sagte RKI-Expertin Silke Buda. Es sei möglich, sich noch impfen zu lassen. Empfohlen wird die Impfung unter anderem Menschen ab 60, chronisch Kranken, Schwangeren sowie Ärzten oder Pflegekräften. "Man sollte sich jetzt aber sputen: Bis der Schutz aufgebaut ist, dauert es bis zu 14 Tage", sagte Buda. Laut Paul-Ehrlich-Institut wurden mehr als 21 Millionen Impfdosen freigegeben.

Seit Saisonbeginn im Oktober 2019 sind bundesweit 13.350 durch Laboranalysen bestätigte Fälle gemeldet worden, davon rund ein Drittel allein in der vergangenen Woche. Bisher starben daran nachweislich 32 Menschen. Mehr als 3500 Patienten wurden wegen Grippe im Krankenhaus behandelt. Gemeldet wurden zudem 15 Ausbrüche in Kindergärten. Dabei zeigen die Zahlen nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Geschehens: Nach RKI-Schätzungen werden im Verlauf von Grippewellen 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung angesteckt. Mehrere zehntausend Tote bei heftigen Wellen werden angenommen - meist sind Senioren betroffen, die das höchste Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben.

Die Schwere der Welle schwankt von Jahr zu Jahr. Im vergangenen Winter wertete das RKI den Verlauf als moderat. Das Wetter kann die Übertragung nach RKI-Einschätzung indirekt beeinflussen. Bei sehr kaltem Wetter hielten sich Menschen länger in geschlossenen Räumen auf und trockene Heizungsluft könne die Schleimhäute der Atemwege unter Umständen infektionsanfälliger machen. Auch könnten die Tröpfchen, die von Kranken ausgehustet werden, bei Kälte länger in trockener Raumluft schweben und damit über etwas größere Distanzen auf die Atemschleimhäute anderer Menschen gelangen. "Für die Schwere einer Grippewelle und die Zahl der Erkrankungen sind aber andere Faktoren sicher wichtiger, zum Beispiel die Immunität in der Bevölkerung durch vorausgegangene Grippewellen", betonte Buda.

Einmal impfen alle zehn Jahre reicht bei Grippe nicht

Die Oberflächenstrukturen von Influenzaviren ändern sich von Jahr zu Jahr, wie der Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover, Tobias Welte, erläutert. Für das Immunsystem bedeutet das wechselnde Herausforderungen. Auch der Impfstoff muss jährlich an die veränderten Strukturen angepasst werden - Monate vor Saisonbeginn gemäß Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ein Piks alle zehn Jahre wie bei manch anderer Impfung ist bei Influenza daher nicht möglich.

Wiederholt war jedoch der Schutz, den die Impfung bot, nicht optimal. "In den vergangenen zehn Jahren lagen die WHO-Empfehlungen in mindestens drei Jahren komplett falsch", sagte Welte. Während die Herstellung von Millionen Impfdosen läuft, wandeln sich die Erreger weiter. So kann es kommen, dass der Impfstoff nicht mehr passt. Bei älteren Menschen kommt hinzu, dass das Immunsystem oft nicht mehr so fit ist und die Impfung daher nur schwächeren Schutz bietet. Das RKI verwies allerdings immer wieder darauf, dass angesichts der Häufigkeit der Grippe immer noch zahlreiche Fälle mit der Impfung verhindert werden, sie gelte als wichtigste Schutzmaßnahme.

Wissenschaftler verfolgen international schon länger die Idee, andere, effizientere Ansätze zu finden: zum Beispiel einen Universalimpfstoff gegen alle Grippeerreger. Die Vorstellung sei "ein großer Traum", für dessen Erfüllung aber noch viel Arbeit nötig sei, sagte Welte. Solche Impfstoffe, die etwa gegen weniger variable Kernstrukturen des Virus gerichtet sind, befänden sich in frühen Entwicklungsphasen, etwa im Tiermodell. Bis zur Zulassung für den Einsatz am Menschen vergingen ab dann mindestens noch zehn, eher 15 Jahre, so der Experte. Gegebenenfalls könne die Politik das Verfahren beschleunigen, solle eine geeignete Substanz gefunden sein.

Eine echte Grippe beginnt oft plötzlich. Zu typischen Symptomen zählen Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Glieder- und Kopfschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. Neben milden Verläufen sind auch Komplikationen möglich, etwa durch eine Lungenentzündung.

Quelle: ntv.de, Gisela Gross, dpa