Mehr körpereigenes HormonNeue Injektion soll Heilung nach Herzinfarkt ankurbeln

Ein Herzinfarkt ist lebensgefährlich. Aber auch Überlebende können bleibende Schäden an dem Organ davontragen. Nur eine Injektion könnte in Zukunft helfen, um das zu verhindern.
Nur eine Injektion nach dem Herzinfarkt könnte dazu beitragen, dass sich das Herz nach dem lebensbedrohlichen Ereignis wieder vollständig erholt. Das hat ein Team mit Forschenden der Texas A&M University bei Versuchen mit Mäusen und Schweinen entdeckt. Dabei handelt es sich um eine Technik, die den Körper über Wochen dazu anregen soll, ein herzschützendes, natürliches Hormon freizusetzen.
Bei einem Herzinfarkt wird das Organ in bestimmten Bereichen nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Wenn der Blutfluss nicht baldmöglichst wiederhergestellt wird, wird das betroffene Gewebe geschädigt oder stirbt sogar ab. Das kann zu lebensgefährlichen Schädigungen des Herzens führen. Der Körper reagiert auf diese Situation und schüttet unter anderem ein heilendes Hormon mit dem Namen Atriales natriuretisches Peptid, kurz ANP aus. "Dieser Stoff soll helfen, die Belastung des Herzens zu reduzieren und Langzeitschäden zu begrenzen. Der Körper kann jedoch nur eine geringe Menge dieses Hormons zur Verfügung stellen, die für eine entscheidende Verbesserung der Genesung nicht ausreicht.
Genau hier setzen die Forschenden an. "Es geht darum, dem Herzen zu helfen, seine eigenen Heilungsmechanismen zu aktivieren", sagte Ke Huang, die an der Studie beteiligt war, laut Mitteilung der Uni. "Wir versuchen, den Patienten eine Behandlung anzubieten, die mit dem Körper zusammenarbeitet, anstatt gegen ihn. Und die Vorstellung, dass eine einzige Injektion über Wochen hinweg Unterstützung bieten könnte, ist sehr vielversprechend."
Neue RNA-Technologie
Für ihre Untersuchung im Labor nutzten die Forschenden eine relativ neue Technik, die als selbstamplifizierende RNA, kurz saRNA, bezeichnet wird. Der intramuskulär verabreichte Stoff übermittelt den Zellen die Anweisungen, das schützende Hormon herzustellen. Gleichzeitig werden über einen kurzen Zeitraum weitere Anweisungen hergestellt. Auf diese Weise profitiert der Körper länger von der Wirkung des Hormons. "Diese Technologie ermöglicht es uns, den Körper effizienter dabei zu unterstützen, das zu produzieren, was er braucht, wann er es braucht", führte Huang weiter aus. "Eine einzige Dosis kann eine anhaltende Wirkung erzielen, und das war mit älteren Methoden schlichtweg nicht möglich."
Durch die wochenlange zusätzliche Unterstützung des Herzens während der Erholungsphase soll die Injektion schädliche Narbenbildung reduzieren, gesundes Herzmuskelgewebe erhalten, die Pumpfunktion des Herzens verbessern und das Risiko von Langzeitkomplikationen verringern. "Unser Ziel ist es, das Herz genau dann zu schützen, wenn es am verletzlichsten ist", sagte Huang. "Wenn wir diese frühe Belastung lindern und die Regeneration unterstützen können, können wir möglicherweise den Genesungsverlauf der Patienten positiv beeinflussen."
Doch bevor es so weit ist, muss die Therapieform auf Sicherheit, Dosierung und den günstigsten Zeitpunkt für das Verabreichen geprüft werden, erst dann können klinische Studien folgen. Wegen ihrer Einfachheit sind die Forschenden guter Dinge, dass eine einmalige Dosis per Spritze zu einem neuen wichtigen Instrument in der Herzinfarktbehandlung werden kann. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im aktuellen Fachmagazin "Science" veröffentlicht.