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Art aus Argentinien Neuer Plattwurm breitet sich in Europa aus

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Der Wurm Obama nungara wurde erstmals 2008 auf der britischen Insel Guernsey entdeckt.

(Foto: Pierre Gros/dpa)

Ein Plattwurm aus Argentinien breitet sich in Europa aus. Besonders oft wird der Wurm an der französisch-deutschen Grenze gesichtet. Nun sorgen sich Forscher, denn die Art Obama nungara könnte bald auch deutsche Ökosysteme bedrohen.

Ein aus Argentinien stammender Plattwurm breitet sich in mehreren Ländern Europas aus und bedroht möglicherweise die örtliche Bodenfauna. In Deutschland sei die oft in Gärten angetroffene Art Obama nungara, die sich überwiegend von Schnecken und Regenwürmern ernährt, bisher noch nicht gesichtet worden, berichten Wissenschaftler um Jean-Lou Justine vom Museum National d'Histoire Naturelle (MNHN) in der Fachzeitschrift "PeerJ". Da der Plattwurm aber schon an mehreren Orten nahe der französisch-deutschen Grenze gesehen wurde, werde er wahrscheinlich bald auch hierzulande auftauchen.

Für die Studie legten die Forscher den Fokus auf die Regionen in Frankreich. Datenmaterial lieferten interessierte Laien, die zwischen 2013 und 2018 insgesamt 530 Sichtungen des fünf bis acht Zentimeter großen Plattwurms meldeten. Bei mehreren Sichtungen seien in einzelnen Gärten Hunderte Tiere aufgetreten.

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Obama nungara ernährt sich vorwiegend von Schnecken und Regenwürmern.

(Foto: Pierre Gros/dpa)

Bei der Auswertung fiel auf, dass mehr als die Hälfte der Sichtungen in einer Höhe bis 50 Meter über dem Meeresspiegel stattfanden, keine einzige hingegen oberhalb von 500 Metern. Die Forscher vermuten daher, dass der Plattwurm aus der Klasse der Strudelwürmer bei niedrigen Temperaturen nicht überlebensfähig ist.

Welche ökologischen Auswirkungen die Ausbreitung von O. nungara haben werde, sei noch zu untersuchen, heißt es. Da der Plattwurm sich aber von Bodentieren wie Schnecken und Regenwürmern ernähre, seien negative Folgen wahrscheinlich. Potenziell sei er der bedrohlichste unter allen invasiven, also in ein fremdes Ökosystem eindringenden, Land-Strudelwürmern in Europa, schreiben die Experten.

Negative Auswirkungen sehr wahrscheinlich

Seit dem 19. Jahrhundert sind - einschließlich O. nungara - insgesamt elf Plattwurm-Arten nach Europa eingedrungen. Keine der anderen Arten habe jedoch ein größeres Gebiet eingenommen als diese, heißt es. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Tier über den internationalen Pflanzenhandel - wahrscheinlich mit Topfpflanzen - nach Europa gelangt ist.

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Vor allem die Atlantik- und Mittelmeerküsten sind von der Ausbreitung betroffen.

(Foto: Map by Jessica Thévenot/dpa)

Seit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahr 2008 auf der britischen Insel Guernsey wurde der Plattwurm unter anderem in Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, der Schweiz, Irland, Belgien und den Niederlanden gesichtet, schreibt das Team um den Plattwurm-Experten Justine. In welchem Ausmaß er sich in den jeweiligen Ländern bisher verbreitet habe, sei nicht erfasst.

In Frankreich wurde die Art laut der Studie bereits in 72 der insgesamt 96 französischen Departements in Europa gesichtet. Besonders verbreitet sei sie in Gärten entlang der Atlantikküste, aber auch an der Mittelmeerküste und auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika.

Quelle: ntv.de, Taylan Gökalp, dpa