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Krankheitsrisiko steigt enorm Plastikmüll lässt Korallen schneller erkranken

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Great Barrier Reef, fotografiert von der ISS aus: Plastikmüll bedroht auch die Korallenriffe.

dpa

Klimawandel, Erwärmung und Versauerung der Meere: Den Korallenriffen macht viel zu schaffen. Auch die Vermüllung - die Belastung mit Plastikmüll steigert das Krankheitsrisiko der Riffe deutlich: von 4 auf bis zu 89 Prozent. Was genau schwächt die Korallen so?

Plastikmüll erhöht die Anfälligkeit von Korallenriffen für verschiedene Erkrankungen. Das Krankheitsrisiko steige von 4 Prozent bei unverschmutzten Korallen auf bis zu 89 Prozent an plastikbeladenen Riffen, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science". Derzeit verschmutzen den Forschern zufolge etwa 11 Milliarden Plastikteile allein die Korallenriffe in der Asien-Pazifik-Region. Eine Reduzierung des Plastikeintrags in die Meere sei unumgänglich, um die Gesundheit der Riffe zu erhalten.

Schätzungen zufolge schwimmen derzeit mehr als 100 Millionen Tonnen Müll in den Meeren - und jedes Jahr kommen um die 10 Millionen Tonnen hinzu. Der Großteil davon wird von Land aus eingetragen. Für die Meeresbewohner ist die Vermüllung oft tödlich, sie können sich in Plastikteilen verfangen, es verschlucken oder daran ersticken. Winzige Plastikteilchen, sogenanntes Mikroplastik, wird selbst von den kleinsten Meereslebewesen aufgenommen. Wie sich die Verschmutzung auf das Krankheitsrisiko von Korallenriffen auswirkt, sei bisher nicht untersucht, schreiben die Wissenschaftler um Joleah Lamb von der Cornell University (Ithaca, USA).

Sie nahmen zwischen 2011 und 2014 insgesamt mehr als 124.000 Riff-bildende Korallen aus 159 Riffen in der Asien-Pazifik-Region unter die Lupe. Die Forscher interessierte, ob dort Plastik zu finden war und ob die Korallen Anzeichen einer Erkrankung zeigten. Tatsächlich gab es zwischen beiden Faktoren einen Zusammenhang: Ohne Plastikmüll lag das Risiko einer Erkrankung bei etwa 4 Prozent. Verschmutzte Riffe hingegen hatten ein Krankheitsrisiko von bis zu 89 Prozent.

Je komplexer, desto verschmutzter

Insgesamt fanden die Wissenschaftler Plastik mit einem Durchmesser von mehr als fünf Zentimetern auf einem Drittel aller untersuchten Korallenriffe. Riffe mit einer komplexeren Struktur, also etwa mit stark verzweigten Korallen, wiesen eine höhere Plastikverschmutzung als einfacher gebaute Riffe. Die Asien-Pazifik-Region beherbergt etwa 55 Prozent aller weltweiten Korallenriffe.

Auf welche Weise das Plastik die Krankheiten begünstigt, müsse noch untersucht werden. Vermutlich sind mehrere Prozesse daran beteiligt. So könnten Plastikteile die Korallen verletzen, wodurch Krankheitserreger in die Tiere eindringen könnten. Studien hätten etwa gezeigt, dass sich nach Verletzungen häufig das Wimperntierchen Halofolliculina corallasia auf den Korallen ansiedelt, das die sogenannte Skeletal Eroding Band-Erkrankung hervorruft. Zudem könnten sich auf dem Müll winzige Organismen vermehren, die bei Korallen Krankheiten auslösen.

Möglicherweise blockierten Plastikteile auch das Sonnenlicht, wodurch jüngeren Studien zufolge sauerstoffarme Bedingungen entstehen, die wiederum die Schwarz-Band-Krankheit begünstigen. Schließlich könnten die nach Verletzungen nötigen Heilungsprozesse Ressourcen des Immunsystems beanspruchen, die dann nicht mehr zur Abwehr von Krankheitserregern zur Verfügung stehen.

Krankheitsausbrüche nehmen zu

Im Zuge des Klimawandels litten Korallenriffe weltweit bereits erheblich unter Krankheitsausbrüchen. Deren Häufigkeit wird mit weiter steigenden Meerestemperaturen vermutlich in Zukunft noch zunehmen, schreiben die Forscher. Sie führen aus, dass es im eigenen Interesse des Menschen liege, die Gesundheit der Ökosysteme zu erhalten. Denn weltweit hängen 275 Millionen Menschen unmittelbar von den Riffen ab, da diese etwa die Küsten schützten, den Tourismus ankurbelten oder Lebensraum für Fische böten, die den Menschen als Nahrung dienen.

Dass die Plastikverschmutzung in naher Zukunft abnimmt, glauben die Wissenschaftler indes nicht: Sie schätzen, dass die Zahl der auf Korallen hängenden Plastikteilchen bis zum Jahr 2025 auf 15,7 Milliarden steigen wird.

Quelle: n-tv.de, Anja Garms, dpa

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