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Von der Erde aus knapp zu sehen Rätsel um Mondkrater mit drei Ringen gelöst

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Reliefkarte nach einem digitalen Höhenmodell mit virtuellem Schatten und Sonne kurz nach Sonnenaufgang bei Orientale, einen Tag nach Vollmond. Rot sind Erhebungen, blau Senken (im Verhältnis zu einem Referenzwert).

(Foto: Ernest Wright, NASA/GSFC Scientific Visualization Studio)

Der Mondkrater Orientale wird von drei mysteriösen Ringen umgeben. Wie ist diese ungewöhnliche Struktur entstanden, die auch auf anderen Himmelskörpern wie etwa dem Mars vorkommt? Dank der US-Raumsonde "Grail" gibt es nun eine Erklärung.

Neue Beobachtungen der US-Raumsonde "Grail" lösen das Rätsel um den ungewöhnlichen Mondkrater Orientale mit drei Ringen. Mit den "Grail"-Daten haben Forscher um Maria Zuber vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Brandon Johnson von der Brown-Universität in Providence (US-Staat Rhode Island) die Entstehung des Kraters am Südwestrand des Erdtrabanten rekonstruiert. Sie stellen ihre Analysen im Fachblatt "Science" vor.

Der Einschlagkrater liegt am Rand der sichtbaren Hälfte des Mondes und ist von der Erde aus nur knapp zu sehen. Seit vielen Jahren rätseln Astronomen, wie genau die drei Ringe entstanden sind, die den Krater umgeben. Die Mondsonde der US-Raumfahrtbehörde Nasa hatte sich den Krater 2012 genau angeschaut und sich ihm dabei auf bis zu zwei Kilometer Entfernung genähert. Mit ihren Aufnahmen und Messungen haben die Wissenschaftler nun ein Modell von der Entstehung des Kraters erstellt.

Einschlag mit 54.000 Kilometern pro Stunde

Demnach ist vor 3,8 Milliarden Jahren ein etwa 64 Kilometer großer Brocken mit 54.000 Kilometern pro Stunde auf dem Mond eingeschlagen. Der ursprüngliche Krater, der dabei entstanden ist, war bis zu 180 Kilometer tief. Dieser Krater war nicht stabil, die Wände brachen ein, und warmes Gestein floss von der Seite hinein. Durch diesen Zustrom brach die darüber liegende Kruste ein, und es bildeten sich die mehrere Kilometer hohen Klippen der äußeren beiden Ringe, von denen der hintere einen Durchmesser von 930 Kilometern hat.

Der dritte, innere Ring bildete sich dem Modell zufolge auf andere Weise: Bei einem kosmischen Einschlag entsteht oft durch den Rückschlag ein zentraler Hügel im Krater. Dieser Hügel war im Fall des Orientale-Kraters zu groß und hoch, um stabil zu bleiben. Er stürzte unter seiner eigenen Schwerkraft zusammen und bildete so den inneren Ring des Kraters. "Es war ein wirklich heftiger Prozess", erläutert Johnson in einer Mitteilung seiner Hochschule. "Diese mehrere Kilometer hohen Klippen und der innere Ring bildeten sich alle innerhalb von Minuten des Einschlags."

Die Analysen helfen den Astronomen zufolge nicht nur, die Entstehung des Mondkraters zu verstehen. Orientale ist der jüngste und am besten erhaltene Krater mit einem Mehrfach-Ringsystem in unserem Sonnensystem. "Es gibt mehrere Becken dieser Art auf dem Mars", erläutert Johnson. "Aber verglichen mit dem Mond haben dort sehr viel mehr geologische Prozesse nach diesen Einschlägen stattgefunden, die sie abgebaut haben. Nun, da wir besser wissen, wie die Becken entstanden sind, können wir die nachfolgenden Prozesse besser verstehen."

Quelle: n-tv.de, Till Mundzeck, dpa

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