Wissen

Bakterien gegen Bakterien Resistente Keime bekämpfbar

Ein Enzym mit dem Namen Esp, das harmlose Bakterien bilden, kann helfen, erfolgreich gegen mehrfach resistente Keime vorzugehen. Das weisen japanische Forscher anhand der Staphylococcus aureus-Keimen nach.

Staphylococcus_aureus,.jpg

Mikroskopische Aufnahme von Staphylococcus aureus.

(Foto: wikipedia)

Harmlose Bakterien lassen sich möglicherweise im Kampf gegen gefährliche, mehrfach resistente Krankenhauskeime einsetzen. Einer Studie japanischer Forscher zufolge verhindert das beim Menschen weit verbreitete und ungefährliche Bakterium Staphylococcus epidermis eine Besiedelung der Nasenhöhle mit krank machenden Staphylococcus aureus-Keimen. Außerdem verhindert der nützliche Keim die Bildung von S. aureus-Biofilmen, die schwere und schlecht zu behandelnde Infektionen verursachen. Die Forscher um Tadayuki Iwase von der Ikei University School of Medicine (Tokio) berichten im Journal „Nature“ über ihre Resultate. Verantwortlich für die hemmende Wirkung ist demnach ein Enzym namens Esp, das von den Bakterien freigesetzt wird.

Staphylococcus aureus ist beim Menschen für zahlreiche Infektionen verantwortlich, von eher harmlosen Hautinfekten bis hin zu lebensbedrohlichen Entzündungen der Lunge oder des Herzens. In vielen Krankenhäusern bereiten zudem multi-resistente S. aureus- (MRSA-) Erreger Probleme. Sie lassen sich mit einem Großteil der vorhandenen Antibiotika nicht mehr bekämpfen. Untersuchungen zufolge sind etwa ein Drittel der Bevölkerung der USA, Großbritanniens oder Japans mit dem Erreger infiziert. Bei den meisten verursacht er keine gesundheitlichen Probleme. Der Keim findet sich hauptsächlich in der Nasenhöhle. Scheinbar gibt es aber auch Menschen, die eine Besiedelung ihres Körpers mit dem Keim verhindern können.

Ausgehend von dieser Beobachtung hatten die Forscher um Iwase zunächst die Bakterien aus der Nasenhöhle von Freiwilligen isoliert. Einige waren nur mit S. aureus infiziert, andere nur mit S. epidermidis, und wieder andere waren Träger beider Bakterienarten. Anschließende Experimente zeigten, dass ein Teil der S. epidermidis-Bakterien scheinbar die Besiedelung der Nase mit S. aureus-Bakterien vereiteln kann. Diese hemmenden Keime waren auch in der Lage, die Bildung von S. aureus-Biofilmen zu verhindern, beziehungsweise vorhandene Biofilme zu zerstören.

Staphylococcus_epidermidis_lores.jpg

Mikroskopische Aufnhame von Staphylococcus epidermidis.

Hemmende Keime mit Esp

Es zeigte sich, dass die hemmenden Keime das Enzym Esp bilden. Isolierten es die Forscher, hatten sie damit ebenfalls ein Mittel gegen die Biofilme in der Hand. Ein weiterer Vorteil: Den S. aureus-Bakterien gelang es auch im Laufe eines Jahres nicht, Resistenzen gegen den vernichtenden Verwandten zu entwickeln. Deren zerstörerische Wirkung hielt unvermindert an.

Schließlich infizierten die Wissenschaftler noch eine Gruppe Freiwilliger, die S. aureus-Bakterien in ihrer Nasenhöhle beherbergten, mit den hemmenden Keimen. Tatsächlich verschwanden daraufhin die potenziell gefährlichen Erreger. Das Gleiche gelang den Forschern auch, wenn sie den Probanden isoliertes Esp-Enzym in die Nasenhöhle verabreichten.

Quelle: ntv.de, dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.