Wissen

Studie mit Tausenden Teilnehmern Sadismus-Kick hält nur kurz an

imago63890910h.jpg

Utensilien für Sado-Maso-Techniken: Wenn ein sadistischer Partner auf einen masochistischen trifft, der sich freiwillig quälen lässt, sieht die Sache anders aus.

(Foto: imago/Bernd Friedel)

Sadisten haben Lust daran und genießen es, andere Menschen zu quälen oder ihnen Leid zuzufügen. Doch eine Studie zeigt: Eine sadistische Tat hebt die Laune nur kurz, dann geht sie in den Keller. Drückt etwa Reue die Stimmung?

Den meisten Menschen mit sadistischer Tendenz geht es nach dem Ausleben dieser Seite nicht besser. Im Gegenteil. Die Laune sei eher schlechter als vorher, berichten Psychologen der Virginia Commonwealth Universität in Richmond (USA) im Fachblatt "Personality and Social Psychology Bulletin". Unter Sadismus versteht man die Lust daran, andere Menschen zu quälen oder ihnen Leid zuzufügen.

"Sadistische Tendenzen gibt es nicht nur bei Serienkillern, sondern auch ganz normale Menschen sind davon betroffen", sagte Erstautor David Chester laut einer Mitteilung der Zeitschrift. So könnten beispielsweise Mobbing oder auch Schlägereien unter rivalisierenden Fußball-Hooligans sadistische Gründe haben.

"In jedem Menschen steckt vermutlich ein bisschen Sadismus"

imago82148999h.jpg

Die Probanden der Studie konnten angeben, wie viele Nadeln sie in eine Voodoo-Puppe stecken wollten, die einen Mitspieler repräsentierte.

(Foto: imago/Photocase)

Der Psychologe John Rauthmann von der Universität Lübeck weist darauf hin, dass Sadismus kein Stempel sei, der sich jemandem aufdrücken lasse. In jedem Menschen stecke vermutlich ein bisschen Sadismus - bei manchen mehr, bei anderen weniger. Es lasse sich nicht einmal genau sagen, ob ein klinischer Sadismus losgelöst von anderen Störungen überhaupt existiere.

Um das Phänomen besser zu erforschen, machten die Forscher um Chester mehrere Versuche mit insgesamt mehr als 2000 Teilnehmern. In einigen Experimenten gaben die Forscher den Probanden die Chance, anderen Menschen unter kontrollierten Bedingungen Leid zuzufügen. So konnten sich die Probanden für schlechte Behandlung rächen, indem sie etwa angaben, wie viele spitze Nadeln sie in eine Voodoo-Puppe stecken wollten, die einen Mitspieler repräsentierte.

Hinterher eher schlechter drauf als vorher

Den Forschern fiel auf, dass jene Probanden, die von den sadistischen Möglichkeiten Gebrauch machten, hinterher tendenziell schlechter drauf waren als vorher. "Es zeigt sich, dass Sadisten zwar aggressiver sind, die aggressiven Aktionen aber einen negativen Effekt auf ihre Stimmung haben", heißt es in der Studie.

Rauthmann, der nicht an der Studie beteiligt war, ist von der Vielzahl der Versuche beeindruckt. Er gibt aber unter anderem zu bedenken, dass die Möglichkeiten der Probanden, Leid zu verursachen, sich von Situationen im echten Leben unterschieden.

Kritik: Kein realistisches Bild

Auch der Göttinger Psychiater Borwin Bandelow ist der Meinung, dass die Experimente der US-Forscher kein ganz realistisches Bild abgeben. Schließlich hätten sie ihre Tests nicht mit Menschen gemacht, die nachgewiesenermaßen Sadisten seien - etwa mit bestimmten Straftätern -, sondern mit Studenten.

Dass nach einer sadistischen Tat die Laune erstmal in den Keller geht, glaubt Bandelow trotzdem. "Ich bin der Ansicht, dass sadistisches Handeln über das Belohnungssystem funktioniert." Menschen mit sadistischen Tendenzen schütten demnach Endorphine aus, während sie andere quälen - es geht ihnen gut. Nach einer solchen Aktion sei der Endorphin-Level niedrig - und die Laune eher im Keller. Hinzu komme, dass Menschen ohne antisoziale Persönlichkeitsstörung ihre Tat normalerweise bereuten, auch das drücke auf die Stimmung.

Quelle: n-tv.de, Valentin Frimmer, dpa

Mehr zum Thema