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Soziale Kettenreaktion Schwangerschaften wirken ansteckend

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Einer Studie zufolge steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau schwanger wird, wenn eine Kollegin ein Baby bekommt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wird eine Frau schwanger, ist das für sie und ihr Umfeld ein freudiges Ereignis. Doch das Kinderkriegen hat noch einen viel gravierenderen Effekt auf Mitmenschen. Vor allem bei Frauen wächst dadurch der Wunsch, auch ein eigenes Kind zu bekommen. Diese "Ansteckung" können Forscher nun beweisen.

Die Geburt eines Kindes kann im Familien- und Kollegenkreis zu einer Art Kettenreaktion bei der Familienplanung führen. Das zeigt eine Studie unter Beteiligung der Universität Bamberg im Fachblatt "Demography". Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau schwanger wird, wenn eine Kollegin ein Baby bekommt. Wird die Frau tatsächlich selbst schwanger, kann das wiederum ihre Geschwister beeinflussen - die wiederum Einfluss auf die Familienplanung ihrer Kollegen haben können. "Diese Kettenreaktion war für uns wirklich neu", sagte Demografie-Expertin Henriette Engelhardt-Wölfler von der Uni Bamberg.

Die Untersuchung basiert auf Registerdaten aus den Niederlanden, die Angaben über Geschwister und Arbeitgeber enthalten. "Dort hat jede Person eine Art Identifikationsnummer, die Geschwister sind verzeichnet und selbst die Arbeitstelle hat eine Betriebsnummer", sagte Engelhardt-Wölfler. Eine vergleichbare Studie wäre in Deutschland schon allein aus Datenschutzgründen nicht möglich.

Von der Kollegin zur Schwester

"Mit den Daten konnten wir zeigen: Es ist wahrscheinlicher, ein Kind zu bekommen, wenn Geschwister, Kolleginnen und Kollegen eines bekommen", fasst Engelhardt-Wölfler die Ergebnisse zusammen. "Darüber hinaus konnten wir erstmals sogenannte Spillover-Effekte über Netzwerkgrenzen hinweg nachweisen." Damit ist eine Art Kettenreaktion gemeint: Wird eine Person von Kolleginnen oder Kollegen mit dem Kinderwunsch angesteckt, beeinflusst sie wiederum ihre Geschwister. Und diese haben Einfluss auf ihre eigenen Kolleginnen und Kollegen. Umgekehrt bekommen Personen im gebärfähigen Alter, die kaum Geburten in ihrem Umfeld miterleben, mit niedrigerer Wahrscheinlichkeit Kinder.

Mit den Daten von Niederländern, die zwischen 1970 und 1979 geboren sind, berechneten die Forscher den Einfluss von außen auf die Familienplanung. "Die starken Effekte finden wir vor allem unter Frauen", sagte Engelhardt-Wölfler. Am stärksten sei der Kinderwunsch im dritten Jahr, nachdem die Kollegin Mutter wurde.

Auch wenn Geschwister Eltern werden, verstärkt sich der Wunsch nach einem eigenen Baby vor allem bei Frauen. Durch die emotionale Nähe sei er am stärksten im ersten Jahr nach der Geburt des Neffen oder der Nichte, vermutet Engelhardt-Wölfler. Welche Mechanismen den beobachteten Effekten zugrunde liegen, zeigt die Studie nicht.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa