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Norovirus ist weltweit eine der Hauptursachen für Magen-Darm-Erkrankungen.
Norovirus ist weltweit eine der Hauptursachen für Magen-Darm-Erkrankungen.(Foto: CDC/dpa)
Dienstag, 17. April 2018

Ungewöhnlicher Weg: So befallen Noroviren den Darm

Von allen Viren, gegen die es weder eine Impfung noch Medikamente gibt, töten Noroviren weltweit die meisten Menschen. Pro Jahr sind es Hunderttausende. Nun finden Forscher heraus, wie die Erreger in die Darmwand eindringen.

Noroviren gelangen über einen ungewöhnlichen Weg in den Körper: Sie befallen die sehr seltenen Tuftzellen in der Innenseite des Darms, wie Forscher um Herbert Virgin von der Washington University School of Medicine in St. Louis herausgefunden haben. Der Name Tuft (englisch Büschel) kommt von den haarähnlichen Auswüchsen auf der Zelle, die die Oberfläche vergrößern.

Noroviren lösen starke Durchfälle und Erbrechen aus und töten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 200.000 Menschen jährlich, vor allem in Entwicklungsländern. Einen Impfstoff gibt es nicht. "Von weltweit allen Viren, gegen die es keine Impfung und keine Medikamente gibt, tötet das Norovirus wohl die meisten Menschen", sagt Erstautor Craig Wilen nach einer Mitteilung der Washington University.

Da menschliche Noroviren nicht einfach im Labor gezüchtet werden können, nutzten die Forscher Mäuse für ihre Versuche. Sie haben wie Menschen Tuftzellen, in die Mäuse-Noroviren eindringen können.

Gutes Ziel für Impfung gegen Noroviren

Es gibt zwar nur wenige Tuftzellen im Darm, wenn sie aber einmal befallen werden, verbreiten sie die Viren rasch, wie die Forscher im Magazin "Science" berichten. In einer einzelnen Maus reichten für die Krankheit schon etwa 100 infizierte Zellen aus. "Das ist sehr wenig im Vergleich zu anderen Viren wie etwa bei der Grippe", sagt Wilen. Die Tuftzellen seien daher ein gutes Ziel für eine Impfung gegen Noroviren.

Zudem können die Viren in Tuftzellen überdauern. Das Verstecken in diesen Zellen könnte sie vor dem Immunsystem schützen und sei möglicherweise ein Grund, warum einige Patienten die Viren noch lange nach ihrer Genesung ausscheiden. Solche gesunden Virenträger stehen im Verdacht, Noroviren-Ausbrüche auszulösen. "Wenn das stimmt, ist die gezielte Behandlung von Tuftzellen eine wichtige Strategie, um das Virus auszulöschen", meint Wilen.

Auf die Spur der Tuftzellen kamen die Forscher, weil sie zuvor schon entdeckt hatten, dass Noroviren an dem Protein CD300lf andocken. Genetisch veränderten Mäusen ohne das Protein konnten die Viren nichts anhaben. Nun zeigten die Forscher, dass Tuftzellen das Rezeptorprotein CD300lf herstellen.

Erklärung, warum Parasiten die Norovirus-Infektion verschlimmern

Und noch ein Rätsel lösten die Forscher: Tuftzellen produzieren unter anderem Interleukin-25 und spielen somit eine Rolle bei der Abwehr von Würmern und anderen Parasiten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Zahl der Tuftzellen bei Parasitenbefall um das Fünf- bis Zehnfache steigt, was wiederum die Ausbreitung der Noroviren im Darm fördern könne. Das könne erklären, warum Parasiten die Norovirus-Infektion verschlimmern. Dies wiederum könnte ein Grund dafür sein, dass in ärmeren Ländern besonders viele Menschen an Noroviren sterben.

Frühere Studien zeigten, dass auch gewöhnliche Darmbakterien an einer Noroviren-Infektion beteiligt sind. Behandelten die Forscher infizierte Mäuse mit einem starken Antibiotika-Cocktail, so sank die Zahl der Noroviren. Der Mix sei aber impraktikabel, weil er zu viele wichtige Darmbakterien treffe. Dennoch stützt das Ergebnis die These, dass Bakterien eine Rolle bei der Noroviren-Infektion spielen.

Bislang können sich Menschen nur selbst vor Noroviren schützen, etwa wenn ein Familienmitglied erkrankt ist: Händewaschen nach jedem Toilettengang sowie vor dem Kochen, zudem solle man Türgriffe, Waschbecken und Böden am besten mit Einmaltüchern reinigen, empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Einmalhandschuhe könnten zusätzlichen Schutz bieten. Wichtig: Bis etwa zwei Tage nach Abklingen der Beschwerden scheide ein Erkrankter noch relativ viele Erreger aus. Aber auch nach über zwei Wochen könnten Erkrankte noch ansteckend sein.

Quelle: n-tv.de