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Stressforscher sieht Belastungen Soziale Corona-Isolation kostet Lebensjahre

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Die Corona-Krise hat für viele die Brisanz von Einsamkeit verschärft.

(Foto: imago images/Westend61)

Soziale Isolation kann genauso schädlich sein wie Rauchen oder Fettleibigkeit. Aus der Sicht eines Berliner Stressforschers sind die Belastungen durch die Corona-Isolation genauso gefährlich. Bei manchen Menschen können sie sogar das Leben verkürzen, erklärt Forscher Mazda Adli.

Die Einsamkeit im Zuge der Corona-Maßnahmen ist nach Expertenmeinung gefährlich für das Wohlergehen vieler Deutscher. Soziale Isolation sei "einer der stärksten Belastungsfaktoren für unsere Gesundheit", sagte der Chefarzt der Fliedner Klinik Berlin und Stressforscher Mazda Adli der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Einsamkeit sei ein Tabuthema in unserer Gesellschaft.

Der Forscher rechnet mit der Zunahme psychischer Belastungen durch die Corona-Pandemie. "Wir müssen davon ausgehen, dass viele Menschen mit ernsten psychischen Erkrankungen und Hilfebedarf in der Zeit des Lockdowns zu Hause geblieben sind und nicht den Weg zum Arzt oder in eine Klinik fanden", sagte Adli. Die Konsequenzen daraus würden sich später bemerkbar machen.

Gefahren durch Einsamkeit

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17 Millionen Deutsche lebten in Singlehaushalten. Sie seien "absolut von Isolation und Einsamkeit bedroht", sagte der Chefarzt. Zudem habe nicht jeder die Möglichkeit oder das Knowhow, sich virtuell mit anderen Menschen zu vernetzen. Darüber hinaus sei Einsamkeit genauso gefährlich für die körperliche Gesundheit wie Fettleibigkeit oder Rauchen. "Die Sterblichkeit aufgrund körperlicher Krankheiten steigt, soziale Isolation kostet uns Lebensjahre", sagte der Forscher.

Adli hofft, dass die Pandemie das Thema Einsamkeit stärker in den Fokus rückt, weil es in der Gesellschaft tabuisiert werde. "Den Menschen fällt es selbst gegenüber einem Psychiater schwer zuzugeben, dass sie einsam sind." Die Sensibilität für das Thema wäre bereits eine erfolgreiche Prävention.

Quelle: ntv.de, sgu/AFP