Wissen

Bessere Verbrennung Sport aktiviert braunes Fett

Braunes Fett wird als ein möglicher Schlüssel zur Bekämpfung der Übergewichts-Epidemie gesehen. Forscher haben nun ergründet, wie das "gute Fett" nach sportlicher Aktivität seine Wirkung entfaltet.

Sport und Bewegung veranlassen das sogenannte braune Fett im Körper, ein spezielles Molekül zu bilden. Dieses sorgt dafür, dass die Muskeln mehr Fettsäuren aufnehmen und verbrennen, berichten US-Forscher im Fachblatt "Cell Metabolism". Das Molekül vermittele so einige der günstigen Stoffwechselveränderungen, die mit sportlicher Aktivität einhergehen.

imago74638854h.jpg

Braunes Fett gilt als "gutes Fett", weil es Energie verbrennt.

(Foto: imago/blickwinkel)

Dass Fett nicht gleich Fett ist, wissen Forscher seit einigen Jahren. Der Mensch besitzt hauptsächlich weißes Fett, das als Energiespeicher dient, und allzu oft als Problemzone an Bauch oder Hüfte in Erscheinung tritt. Daneben gibt es auch braune Fettzellen - eine Art Heizgewebe - sowie eine Mischform, beiges Fett genannt, das aus den weißen Fettzellen heraus gebildet werden kann und genau wie die braunen Fettzellen Energie verbrennt.

"Gutes Fett"

Vor allem das braune Fett wird seit einiger Zeit von Forschern genauer unter die Lupe genommen. Es gilt als "gutes Fett", weil es Energie verbrennt. Säuglinge haben viel von dieser Fettart. Es kann bei Bedarf schnell Wärme produzieren und schützt die Neugeborenen vor dem Auskühlen. Bei Erwachsenen ist der Anteil an braunem Fett deutlich geringer - und wozu es gut ist, ist nicht ganz klar. Pharmakologen arbeiten daran, die braunen Fettzellen auch bei Erwachsenen zu vermehren oder verstärkt zu aktivieren, um so möglicherweise die grassierende Übergewichtsepidemie zu bekämpfen. Noch sind aber viele Fragen zur Regulation und Wirkung des braunen Fetts ungeklärt.

Die Forscher um Kristin Stanford von der Ohio State University in Columbus stießen auf das braune Fett, als sie die Stoffwechselveränderungen untersuchten, die bei körperlicher Aktivität auftreten. Sie hatten junge und alte Männer und Frauen, die entweder sportlich oder eher träge waren, aufs Laufband oder Fahrrad geschickt und vorher sowie nachher ihr Blutplasma untersucht.

Sie fanden, dass bei allen Probanden der Gehalt eines Fett-Moleküls nach dem Sport auffällig anstieg: 12,13-dihydroxy-9Z-octadeconoic acid oder etwas kürzer: 12,13-diHOME. Von diesem Molekül wusste man bereits, dass es bei Kälte gebildet wird. Ebenso bekannt ist, dass Kälte braunes Fett aktiviert. Dazu passend fanden die Forscher nun bei Mäusen, dass das braune Fett das Molekül produziert.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass beim Sport 12,13-diHOME in den Muskelzellen die Aufnahme von Fettsäuren fördert, die zuvor aus weißen Fettzellen freigesetzt wurden. "Ich denke, es ist überraschend, dass die eine Art von Fett den Treibstoff bereitstellt und die andere den Muskeln signalisiert, den Treibstoff zu nutzen", kommentiert Studienleiterin Laurie Goodyear das Ergebnis in einer Mitteilung des Verlages Cell Press.

Die Freisetzung von 12,13-diHOME habe sich vermutlich im Verlauf der Evolution entwickelt, um die Fettaufnahme zu begünstigen, wenn Muskeln schnell Treibstoff brauchen. "Wir müssen noch mehr darüber lernen, wie das braune Fett durch Kälte und Sport aktiviert wird und wie diese beiden Stimuli zusammen arbeiten könnten."

Quelle: n-tv.de, Anja Garms, dpa

Mehr zum Thema