Maßnahme soll Sicherheit erhöhenStarlink setzt tausende Satelliten tiefer

Starlink betreibt etwa 9000 Satelliten im Weltraum. Mehrere Tausend davon möchte das US-Raumfahrtunternehmen im Laufe des Jahres auf eine niedrige Umlaufbahn absenken. Die Maßnahme soll die Gefahr von Kollisionen verringern und ein schnelleres Verglühen der Himmelskörper ermöglichen.
Starlink hat angekündigt, in diesem Jahr rund die Hälfte seiner Satelliten auf niedrigere Erdumlaufbahnen zu manövrieren. Ziel der Maßnahme sei, die Sicherheit im Weltraum zu erhöhen, erklärt der zuständige Vizepräsident des Raumfahrtunternehmens, Michael Nicholls, auf X.
Man werde im Laufe dieses Jahres (2026) alle Starlink-Satelliten, die in einer Höhe von etwa 550 Kilometern um die Erde kreisen, auf circa 480 Kilometer absenken, schreibt Nicholls. Das sind rund 4400 von insgesamt rund 9000 Satelliten des Unternehmens. Der Vizepräsident für Starlink-Engineering betont, dass dies in enger Abstimmung mit anderen Betreibern, Aufsichtsbehörden und dem US Space Command (USSPACECOM) geschehe, womit er auf einen vorangegangenen Post vom 13. Dezember anspielt.
Kritik an Chinesen
Darin beschwert er sich über den Start von neun chinesischen Satelliten vom Weltraumbahnhof Jiuquan im Nordwesten des Landes. "Soweit uns bekannt ist, fand keine Abstimmung oder Konfliktvermeidung mit bereits im Weltraum befindlichen Satelliten statt, was zu einer Annäherung von nur 200 Metern zwischen einem der ausgesetzten Satelliten und STARLINK-6079 (56120) in 560 km Höhe führte", schrieb er. Mangelnde Koordination zwischen Satellitenbetreibern stelle die größte Gefahr im Weltraum dar. "Das muss aufhören."
Fünf Tage später meldete Starlink, dass einer seiner Satelliten durch eine Anomalie in Trudeln geraten sei und deshalb "in wenigen Wochen" in der Erdatmosphäre verglühen werde. Laut dem Tech-Magazin "Engadget" ist die Panne aber nicht auf den Start der chinesischen Satelliten zurückzuführen. Das auf die Überwachung von Satelliten und Weltraumschrott spezialisierte Unternehmen LeoLabs sei zu dem Schluss gekommen, dass das Problem durch eine "interne Energiequelle und nicht durch eine Kollision mit Weltraummüll oder einem anderen Objekt" verursacht wurde.
Schnelleres Ende für unbrauchbare Satelliten
Die Absenkung der rund 4400 Satelliten wird vermutlich bereits länger geplant und vorbereitet. Hintergrund der Maßnahme ist die sogenannte ballistische Abklingzeit. Satelliten bewegen sich nicht im luftleeren Raum. Auch im Weltraum ist in geringerer Höhe eine extrem dünne Restatmosphäre vorhanden. Sie bremst Satelliten leicht ab, wodurch sie schneller in die Erdatmosphäre fallen und dort verglühen. Die Zeitspanne bis zu diesem natürlichen Absturz ist die ballistische Abklingzeit.
Durch die niedrigere Umlaufbahn der Starlink-Satelliten und damit einer dichteren Restatmosphäre verkürzt sich die Abklingzeit während des bevorstehenden solaren Minimums um über 80 Prozent - von mehr als vier Jahren auf nur noch wenige Monate, erklärt Nicholls. "Entsprechend ist die Anzahl der Trümmerteile und der geplanten Satellitenkonstellationen unterhalb von 500 km deutlich geringer, wodurch die Kollisionswahrscheinlichkeit insgesamt sinkt."
Das solare Minimum ist eine Phase im etwa elfjährigen Aktivitätszyklus der Sonne, in der die Sonne besonders ruhig ist und weniger Energie abgibt. Dadurch kühlen sich die oberen Schichten der Erdatmosphäre ab, wodurch diese sich zusammenzieht. Beim solaren Maximum geschieht das Gegenteil.
Nicholls betont, dass von über 9000 Satelliten bisher nur zwei ausgefallen seien. Wenn dies aber der Fall sei, sei ein schnellstmöglicher Wiedereintritt in die Atmosphäre wünschenswert, erklärt er und endet mit einem Seitenhieb auf die Chinesen: "Diese Maßnahmen tragen zusätzlich zur Sicherheit der Satellitenkonstellation bei, insbesondere im Hinblick auf schwer kontrollierbare Risiken wie unkoordinierte Manöver und Starts anderer Satellitenbetreiber."