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Frauen erkranken häufiger daran Testosteron schützt vor Asthma

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Bis zur Pubertät erkranken mehr Jungen als Mädchen an Asthma. Danach ist es umgekehrt.

(Foto: imago/Westend61)

Hohe Aggressivität, starke Körperbehaarung, übertriebenes Imponiergehabe: Dem Sexualhormon Testosteron werden viele Wirkungen zugeschrieben. Dass es auch die Lungen vor Asthma schützt, ist allerdings neu.

Frauen haben Untersuchungen zufolge ein etwa doppelt so hohes Asthmarisiko wie Männer. Einen Grund dafür haben Forscher ausgemacht: das Sexualhormon Testosteron. Für Mäuse und Menschen wurde nun gezeigt, wie der Botenstoff in der Lunge Immunzellen beeinflusst, die an der Entstehung von Asthma beteiligt sind.

Im Kindesalter erkranken Jungen häufiger an Asthma als Mädchen, ab der Pubertät aber sind Männer offenbar geschützter. Das Forscherteam um Jacqueline-Yvonne Cephus von der Vanderbilt University in Nashville (USA) beschreibt den Einfluss von Testosteron in der Fachzeitschrift "Cell Reports" genauer.

Für die Studie wurden Frauen und Männer untersucht, die entweder an Asthma litten oder diesbezüglich gesund waren. Bei allen Asthmatikern fand sich eine erhöhte Zahl bestimmter lymphoider Zellen, ILC2 genannt. Dies war bereits aus früheren Studien bekannt. Die Analyse der Blutproben zeigte zudem, dass die Zahl dieser Zellen bei erkrankten Frauen noch einmal höher war als bei erkrankten Männern.

ILC-Zellen spielen eine wichtige Rolle bei Erkrankungen wie Allergien oder Asthma, weil sie bestimmte Proteine, die Zytokine, produzieren, die etwa Entzündungen auslösen und die Schleimproduktion in der Lunge erhöhen - was das Atmen erschwert.

Lungenzellen von Mäusen reagieren

Um herauszufinden, ob männliche Hormone sich auf die Zahl der ILC-Zellen auswirken, untersuchten die Wissenschaftler die Lungen von Mäusen. Gaben sie Testosteron zu den ILC-Zellen aus Mäuselungen, vermehrten sich diese weniger und sie produzierten auch weniger Zytokine.

Der Einfluss von Testosteron bestätigte sich bei weiteren Experimenten. So wurden zum Vergleich kastrierte Mäuse untersucht, die kaum Testosteron bilden. Und die Forscher provozierten mit bestimmten Schimmelpilzen Immunreaktionen bei männlichen und weiblichen Tieren. Das Testosteron blockierte bei den Männchen bestimmte Signalwege der Kettenreaktion, die zu Asthma führt.

Die Ergebnisse seien ein weiterer kleiner Schritt in der Asthmaforschung, so die Wissenschaftler. "Der Einfluss von Sexualhormonen ist einer von vielen Mechanismen, die eine Entzündungsreaktion der Atemwege verursachen", so Mitautorin Dawn Newcomb von der Vanderbilt University.

Bei Asthmatikern reagieren die Bronchien besonders empfindlich auf bestimmte Reize wie zum Beispiel Allergene. Die Überreaktion führt zu chronischen Entzündungen der Atemwege, die Atemnot verursachen können. Laut der Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma sind in Deutschland etwa zehn Prozent der Kinder und fünf Prozent der Erwachsenen betroffen. Im Kindesalter sei Asthma die häufigste chronische Erkrankung überhaupt.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa