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Plötzlicher Niedergang Trockenheit besiegelte Ende der Maya

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Blick auf den See Chichancanab, den Ort der Studie. Chichancanab bedeutet "Kleines Meer" in yukatekischem Maya - der Name nimmt Bezug auf sein relativ salziges Wasser, das hauptsächlich aus Kalzium und Sulfat besteht.

Mark Brenner/dpa

Der plötzliche Niedergang der Maya-Kultur zwischen 800 und 1000 n. Chr. gibt bis heute Rätsel auf. Die Maya gelten als Beispiel dafür, wie ein Klimawandel eine Gesellschaft destabilisieren kann. Nun zeigt eine Studie das Ausmaß der Trockenheit, die zum Ende führte.

Gegen Ende des 1. Jahrtausends nach Christus hat eine ausgeprägte Trockenheit den Niedergang der Maya-Kultur besiegelt. Eine Studie zeigt, dass die jährliche Niederschlagsmenge damals im Tiefland um fast die Hälfte, zeitweilig sogar um bis zu 70 Prozent unter den heutigen Werten lag. Die relative Luftfeuchtigkeit lag damals um etwa vier Prozent niedriger, wie ein Team um Nicholas Evans von der britischen Universität Cambridge im Magazin "Science" berichtet.

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Die "Pyramide der fünf Stockwerke" in Campeche.

(Foto: Mark Brenner/dpa)

Der plötzliche Niedergang der mittelamerikanischen Maya-Kultur etwa zwischen den Jahren 800 und 1000 gibt Forschern bis heute Rätsel auf. Studien deuten darauf hin, dass eine ausgeprägte Trockenheit damals dafür sorgte, dass diese Zivilisation zu Ende ging. Um deren Ausmaß abzuschätzen, untersuchte das Team um Evans nun Ablagerungen im See Chichancanab, einer weitgehend abgeschlossenen Lagune auf der südmexikanischen Halbinsel Yucatán unweit der Stadt Mérida.

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Grafik des Sedimentkerns, der in dieser Studie verwendet wurde, gegenüber der Tiefe unter dem Seegrund.

(Foto: Sediment density profile from Hodell et al. (2005))

In diesen Sedimenten achtete das Team auf Gips, der sich in den Trockenphasen ablagerte. Darin analysierten die Forscher neben der Dichte der Ablagerungen insbesondere die eingeschlossenen Wassermoleküle auf verschiedene Isotope von Sauerstoff und Wasserstoff. Da bei Trockenheit verstärkt leichte Isotope verdunsten, weist ein höherer Anteil schwerer Isotope wie etwa O-18 oder H-2 auf eine Dürrephase hin. Als Vergleichswerte nahm das Team Ablagerungen aus den Jahren 1994 bis 2010, in denen Temperaturen und Niederschläge genau erfasst wurden.

Diese Daten speisten die Forscher in verschiedene Modelle ein und simulierten so die damaligen Klimaverhältnisse. "Wir fanden hohe Wahrscheinlichkeiten für eine Trockenheit insbesondere am Anfang (etwa 750 bis 850 n. Chr.) und am Ende (etwa 950 bis 1050 n. Chr.) der späten klassischen Phase", schreiben sie.

Niederschläge um 47 Prozent unter aktuellen Mengen

Demnach lagen die Niederschläge während der Trockenphase um durchschnittlich 47 Prozent unter den aktuellen Regenmengen, mit Schwankungen zwischen 20 und 70 Prozent. Die relative Luftfeuchte - sie zeigt die Sättigung der Luft mit Wasserdampf - lag der Analyse zufolge um etwa 4 Prozent unter den heutigen Werten. Diese Daten könne man nun als Grundlage für Berechnungen nehmen, wie stark die Trockenheit die damalige Landwirtschaft beeinträchtigte. "Unsere Studie ist ein substanzieller Fortschritt, denn sie bietet statistisch belastbare Schätzungen zu Regen und Feuchtigkeit während des Niedergangs der Maya", wird Evans in einer Mitteilung seiner Universität zitiert.

Die Maya-Zivilisation entstand vor rund 4000 Jahren und erlebte ihre Blütephase im ersten nachchristlichen Jahrtausend. Die Kultur bestand aus etlichen Stadtstaaten auf dem Gebiet des heutigen Südmexiko, Guatemala, Belize und Honduras. Dazu zählen Palenque, Tikal und Copán, deren monumentale Architektur bis heute viele Touristen anzieht.

Quelle: n-tv.de, Walter Willems, dpa

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