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Im Vulkangestein auf Bermuda Unbekannte Region des Erdmantels entdeckt

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Die Bermudainseln liegen auf der Spitze eines 4750 Meter hohen Vulkans.

(Foto: imago)

Seit fast einem Jahrhundert untersuchen Forscher die Zusammensetzung des Erdmantels - und stoßen dabei immer wieder auf Neues. Nun hat ein Forscherteam eine bislang unbekannte Region des Erdmantels entdeckt, die bis zu 2900 Meter tief ins Innere des Planeten reicht.

Ein internationales Forscherteam hat bei der Untersuchung von Vulkangestein der Bermudainseln eine bisher unbekannte Region des Erdmantels - also der Schale des Erdinneren - entdeckt. Die Region beginnt unter der äußersten Erdkruste und reicht bis zu 2900 Meter tief ins Innere unseres Planeten, teilte die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster mit. Die Wissenschaftler berichten über ihre Entdeckung in der Fachzeitschrift "Nature".

Die Bermudainseln gelten nach Angaben der Münsteraner Uni seit jeher nicht nur wegen ihrer weißen Strände als ein besonderes Terrain inmitten des westlichen Atlantiks. Denn die Inselgruppe liegt auf der Spitze eines 4570 Meter hohen, vor rund 30 Millionen Jahren erloschenen Vulkans. Diese geologische Besonderheit nahm das internationale Wissenschaftlerteam genauer unter die Lupe und unterzog das aus Magma entstandene Gestein erstmals einer detaillierten geochemischen Untersuchung.

Ziel der Forscher war es, Rückschlüsse auf die innere Beschaffenheit der Erde zu ziehen. Die dabei neu entdeckte Region zeichnet sich den Angaben zufolge durch eine besondere Atomzusammensetzung aus Blei aus, das durch radioaktiven Zerfall entstand, sowie durch Kohlenstoff, Wasser und andere flüchtige Stoffe.

"Unsere Studie zeigt, dass unser Verständnis von der Zusammensetzung des Erdmantels immer noch unvollständig ist - obwohl wir ihn seit fast einem Jahrhundert untersucht haben", erläuterte die Studienleiterin Sarah Mazza vom Institut für Planetologie der WWU.

Überreste von Pangäa

Die Forscher vermuten, dass das neu entdeckte Mantelreservoir von Gesteinsplatten stammt, die noch von Pangäa, dem letzten Superkontinent der Erdgeschichte, übrig und in der sogenannten Übergangszone gespeichert sind. Dabei handelt es sich um den Bereich zwischen 410 und 660 Kilometern Tiefe, der als Übergang vom oberen zum unteren Erdmantel gilt.

Dass die neuen Erkenntnisse über die Übergangszone direkt durch Gesteinsproben gewonnen wurden, ist der Universität zufolge eine Besonderheit: Das meiste vorherige Wissen erlangten Forscher demnach aus anderen Verfahren wie der Untersuchung von tief im Erdmantel liegenden Diamanten und geophysikalischen Berechnungen.

"Die Entdeckungen in Bermuda zeigen, dass wir weiter Inseln, Unterwasserberge und andere vulkanische Regionen im Atlantischen Ozean untersuchen sollten, um unser Verständnis der geochemischen Evolution der Erde zu verbessern", so Esteban Gazel von der Cornell University in den USA, ebenfalls Leiter der Studie.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP

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