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Fundsache, Nr. 1295 Ur-Schildkröte in Schwäbisch Hall

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Ihr jetzt gefundener Vorfahr ist 240 Millionen Jahre alt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wissenschaftler finden ein Fossil der ältesten Schildkröte der Welt. Mehr als 240 Millionen Jahre hat es auf dem Buckel. Forscher sprechen von einem Sechser im Lotto, denn jetzt ist klar, von wem Schildkröten auf keinen Fall abstammen.

Was die Wissenschaftler bei Schwäbisch Hall ausgegraben haben, gleicht einem Sechser im Lotto. Sie haben das Fossil der ältesten Schildkröte der Welt gefunden. Über 240 Millionen Jahre ist die Ur-Schildkröte alt. Sie sei in der Abstammungsgeschichte ein bislang fehlendes Bindeglied zu den Echsen, berichtete Rainer Schoch vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. Ihre anatomische Konstruktion ermögliche es, Schildkröten in die nähere Verwandtschaft der Echsen, Krokodile und Vögel zu stellen. Der Fund widerlegt die Hypothese, dass Schildkröten von Sauriern abstammen.

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Hier zu sehen: das Fossil der etwas jüngeren Ur-Schildkröte Odontochelys aus China. Sie galt bisher als ältester Nachweis der panzertragenden Reptilien.

(Foto: picture-alliance/ dpa / Institute of Vertebrate Palaeontology and Palaeanthropology, Peking)

Schoch und sein Kollege Hans-Dieter Sues vom National Museum of Natural History in Washington präsentieren ihre Erkenntnisse im Fachjournal "Nature". Die Ur-Schildkröte erhielt den Namen Pappochelys, was so viel heißt wie Opaschildkröte. Die Wissenschaftler sehen in ihr so etwas wie einen Missing Link, sie schließe eine weltweite Fundlücke. "Sowas ist wie ein Sechser im Lotto", sagte Schoch. Der 45-jährige gräbt seit 13 Jahren in Vellberg bei Schwäbisch Hall nach fossilen Skelettresten.

Ur-Schildkröte löst Rätsel

Der Ursprung der Schildkröten sei wegen fehlender Fossilfunde in der Wissenschaft kontrovers diskutiert worden, sagte Schoch. Bisher galt demnach die 220 Millionen Jahre alte Ur-Schildkröte Odontochelys aus China als ältester Nachweis der panzertragenden Reptilien. Bei ihr sei der Bauchpanzer bereits vollständig verknöchert, während der Rückenpanzer nur aus verbreiterten Rippen bestehe. Bei der Vellberger Ur-Schildkröte sind die Bauchrippen noch nicht zu einem Panzer verschmolzen. Die Kiefer tragen Zähne und der Schädel weist zwei große Öffnungen in der Schläfe auf.

Schochs 20 Zentimeter lange, echsenartige Pappochelys löse zwei Rätsel in der Entwicklungsgeschichte auf einmal: Sie kläre, wie der Bauchpanzer entstand und wie der Schädel der Schildkröten ursprünglich ausgesehen hat. Der Paläontologe sprach von "großer wissenschaftlicher und evolutionsbiologischer Bedeutung".

"Opaschildkröte" lebte im Wasser

Die Opaschildkröte lebte in und um einen kleinen Süßwassersee. Vermutlich habe sie sich - ähnlich wie heutige Galápagosechsen - gern im Wasser aufgehalten. Ihre schwer gebauten Rippen und Bauchrippen deuten darauf hin, dass sie tiefer tauchen und vielleicht länger im Wasser bleiben konnte als gewöhnliche Echsen.

Nach einer früheren genetischen Untersuchung haben sich Schildkröten vor gut 250 Millionen Jahren von der Linie der Krokodile und Vögel abgespalten. Etwa zu der Zeit gab es ein großes Massensterben auf der Erde, woraufhin viele neue Tierarten entstanden sind. Auch die Genaktivität während der Embryoentwicklung von Schildkröten ähnele zum Teil derjenigen von Küken, ergab die Studie von über 30 Forschern aus China, Japan, Großbritannien, Dänemark und Saudi Arabien.

Quelle: n-tv.de, jge/dpa

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