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Neues Umweltgift entdecktVersteckter Silikon-Schadstoff verpestet unsere Luft

13.05.2026, 16:03 Uhr
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Mit den Abgasen gelangen Methylsiloxane in die Luft. (Foto: picture alliance/dpa)

Schadstoffe aus Kosmetika, Haushaltsprodukten und Motoröl sind offenbar ein viel größeres Umweltproblem als bislang vermutet. Forschende finden sogenannte Methylsiloxane in überraschend hoher Konzentration in der Luft - mit bislang unbekannten Folgen.

Bei Umweltgiften denken viele zuerst an PFAS, Feinstaub oder Mikroplastik. Nun rückt eine Stoffgruppe in den Fokus, die bislang deutlich weniger beachtet wurde: Methylsiloxane. Das sind wasserabweisende Silikonverbindungen, die unter anderem in Kosmetika, Schmierstoffen, Industrieprodukten und Haushaltswaren stecken. Eine neue Studie zeigt nun: Diese Stoffe sind offenbar viel weiter verbreitet und deutlich häufiger in der Luft vorhanden als bislang angenommen.

Das Forschungsteam fand die Verbindungen nicht nur in Großstädten, sondern auch in Küstenregionen, ländlichen Gebieten und sogar in Wäldern. Das macht Methylsiloxane demnach zu einem globalen Umweltproblem. "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Konzentrationen von Methylsiloxanen in der Atmosphäre viel höher sind als erwartet", sagt Studienleiter Rupert Holzinger von der Universität Utrecht laut Mitteilung.

Wie gelangt der Schadstoff in die Umwelt?

Veröffentlicht wurde die Arbeit im Fachjournal "Atmospheric Chemistry and Physics". Das Team untersuchte Luftproben aus den Niederlanden, Litauen und Brasilien - also aus verschiedenen Klimazonen, Wirtschaftsräumen und Regionen beider Erdhalbkugeln. Die höchsten Werte wurden in städtischen Gebieten gemessen, etwa in Brasilien mit 98 Nanogramm pro Kubikmeter Luft. Die niedrigsten Werte fanden sich an einem Waldstandort in Litauen mit 0,9 Nanogramm pro Kubikmeter. Auch in ländlichen Gebieten waren die Stoffe aber noch klar nachweisbar.

Was die Forschenden dabei besonders überrascht hat, ist die Menge. Den Daten zufolge machen Methylsiloxane je nach Ort etwa 2,0 bis 4,3 Prozent der organischen Aerosolmasse in der Luft aus. Zum Vergleich: PFAS-Konzentrationen in der Atmosphäre sind laut Studie im Vergleich dazu typischerweise mehr als tausendmal niedriger. Damit gehören Methylsiloxane den Autoren zufolge zu den häufigsten synthetischen Stoffen, die in luftgetragenen Partikeln nachgewiesen wurden.

Doch woher kommt dieser Schadstoff? Lange ging man davon aus, dass Methylsiloxane vor allem aus Kosmetika oder Industrieprodukten verdampfen. Heute weiß man: Ein großer Teil stammt offenbar aus dem Verkehr, genauer gesagt aus Schmierstoffen wie Motoröl. Die Stoffe sollen dort die Schmierung verbessern. Doch bei laufendem Motor gelangt immer eine kleine Menge Öl in den Verbrennungsraum. Weil Methylsiloxane sehr hitzestabil sind, werden sie dabei nicht vollständig zerstört - und landen schließlich mit den Abgasen in der Luft. Mehr als die Hälfte der in der Studie gemessenen größeren Methylsiloxan-Partikel führen die Forschenden auf solche Emissionen zurück.

Gefahr für das Klima

Noch ist unklar, was das für die Gesundheit bedeutet. Sicher ist nur: Menschen atmen diese Stoffe offenbar kontinuierlich ein. Holzinger warnt deshalb: "Wir schätzen jedoch, dass die tägliche Inhalationsdosis von Methylsiloxanen die anderer synthetischer Verbindungen wie PFAS sowie Mikro- und Nanoplastik übersteigen könnte. Deshalb betonen wir die dringende Notwendigkeit, diese gesundheitlichen Auswirkungen zu bewerten."

Auch für das Klima könnten die Stoffe relevant sein. Aerosole spielen eine wichtige Rolle bei der Wolkenbildung und beeinflussen damit auch Wetter- und Klimaprozesse. Die Autoren der Studie schreiben, Methylsiloxane könnten unter anderem die Oberflächenspannung von Aerosolen verändern und damit beeinflussen, wie Wolken entstehen. Außerdem könnten ihre "antifrierenden" Eigenschaften eine Rolle bei der Eisbildung in der Atmosphäre spielen. Die Forschenden sprechen deshalb nicht nur von einem möglichen Gesundheits-, sondern auch von einem Klimaproblem, das bisher kaum auf dem Radar war.

Quelle: ntv.de, hny

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