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Bei jungen Menschen sehr beliebt WHO fordert Regulierung von E-Zigaretten

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Die meisten Nutzer von E-Zigaretten rauchen nebenbei auch normalen Tabak.

(Foto: picture alliance/dpa)

Rauchen ist immer noch tödlich und die Tabakindustrie mächtig. Daran ändert auch der neue Bericht der WHO nichts. Aber er zeigt, wie die Branche mit neuen Produkten versucht, bestehende Regulierungen zu umgehen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Regulierung von E-Zigaretten gefordert. Sogenannte Elektronische Nikotinabgabesysteme (ENDS) seien "unzweifelhaft schädlich und sollten daher Vorschriften unterliegen", erklärte die Organisation in ihrem in Rio de Janerio veröffentlichten Bericht zum weltweiten Tabakkonsum. Demnach sterben jedes Jahr mehr als acht Millionen Menschen an den Folgen direkten oder passiven Tabakrauchens.

Der Rauch von E-Zigaretten enthält zwar in der Regel deutlich weniger Schadstoffe als der normaler Zigaretten. Die batteriebetriebenen Geräte, bei denen mit Nikotin versehene Flüssigkeiten verdampft werden, bergen laut WHO dennoch Gesundheitsrisiken für die Konsumenten. E-Zigaretten enthalten demnach neben Nikotin auch metallhaltige Schwebestoffe. Diese seien "bekannt" dafür, Herz und Lungen zu schädigen, sagte WHO-Tabakexperte Vinayak Prasad.

Die großen Tabakkonzerne haben E-Zigaretten in den vergangenen Jahren auf der Suche nach neuen Kunden aggressiv beworben. Der WHO-Bericht vermerkt dazu jedoch, dass "die Mehrheit der Nutzer von E-Zigaretten gleichzeitig E-Zigaretten und Zigaretten benutzen". Daraus ergäben sich "wenig bis gar keine" gesundheitlichen Vorteile.

Vor allem junge Menschen dampfen immer mehr

In den USA und Teilen Europas sei außerdem die Zahl junger Nutzer rapide angestiegen. So hätten 2011 gerade einmal 1,5 Prozent der jugendlichen US-Amerikaner E-Zigaretten genutzt, 2018 allerdings ganze 20,8 Prozent. Bei Heranwachsenden könne so die Gehirnentwicklung beeinträchtigt und das Risiko einer Nikotinsucht deutlich gesteigert werden. Laut WHO häuften sich die Belege, dass der Gebrauch von E-Zigaretten durch Minderjährige die Chance auf regulären Tabakkonsum verdoppele.

Der Bericht kritisiert außerdem, E-Zigaretten und andere neuartige Tabakprodukte wie die sogenannten Heater unterliefen bestehende Kontrollmaßnahmen. So werde mit den neuen Geräten oft in Nichtraucherzonen gedampft, die Liquide umgingen teilweise Steuern auf Tabakprodukte. Die Weltgesundheitsorganisation warnt, die Tabakindustrie könnte die unklaren Trennlinien zwischen den verschiedenen neuen Tabakprodukten in Zukunft noch stärker nutzen, um eine Regulierung zu umgehen.

Dabei wird selbst die beschlossene Regulierung kaum umgesetzt. Das Rahmenübereinkommen der WHO ist für 179 Regierungen der Welt rechtlich bindend. Vollständig umgesetzt haben die vereinbarten Maßnahmen bis heute nur die Türkei und Brasilien. Auch Deutschland schleppt sich nur mühsam voran. So ist zum Beispiel Hilfe beim Aufhören schwer zu finden und wird nicht von der Krankenkasse bezahlt.

Die Zahl der Tabakkonsumenten ist laut WHO seit 2007 leicht gesunken. Die Zahl der Raucher bleibt mit 1,4 Milliarden Menschen weltweit allerdings nach wie vor hoch - die große Mehrheit von ihnen sind Männer.

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Quelle: n-tv.de, lwe/AFP

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