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Rasante Eisschildschmelze in Arktis Wärme verursacht riesigen Gletscherabbruch

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Das Foto zeigt den Abbruch einer 95 km großen Eisscholle von einem Gletscher auf Grönland.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Grönländische Eisschild bedeckt die Insel zu 82 Prozent. Die hohen Sommertemperaturen gehen dem Eis an den Kragen. Die Schmelz-Werte sind so hoch, dass Wissenschaftler ihre Erklärungs-Modelle hinterfragen.

Grönland taut auf: Die Durchschnittstemperaturen auf der größten Insel der Erde haben in diesem Sommer nach einem außerordentlich frühen Einsetzen der Eisschmelze neue Rekordwerte erreicht. Wie das dänische Meteorologische Institut (DMI) mitteilte, lag die Durchschnittstemperatur in Tasiilaq an der Südostküste bei 8,2 Grad Celsius. Dieser Wert ist der höchste seit dem Beginn der Messungen 1895 und liegt 2,3 Grad Celsius über dem Schnitt der Jahre 1981 bis 2010. Der Forscher Jason Box sagte der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau, wegen der Wärme sei eine 95 Quadratkilometer große Eisscholle von einem Gletscher abgebrochen.

"Diese Werte liefern uns neue und belastbare Beweise dafür, dass der Temperaturanstieg in der Arktis weitergeht", sagte der DMI-Klimaforscher John Cappelen. Das DMI hatte schon im Frühjahr auf außerordentlich hohe Temperaturen in Grönland hingewiesen und dabei angemerkt, die Änderungen seien so erheblich, dass "wir überprüfen mussten, ob unsere Modelle noch stimmten". Gleichzeitig verzeichnete Grönland mit minus 30,7 Grad Celsius in diesem Juli auch einen Kälterekord.

Der Grönländische Eisschild verlor zwischen 2003 und 2010 doppelt so viel Masse wie im ganzen 20. Jahrhundert. Wegen seiner riesigen Ausmaße gehört der Eisschild zu den Hauptfaktoren, die für den Anstieg der Meeresspiegel um 25 Millimeter zwischen 1990 und 2010 verantwortlich sind, wie eine im Dezember im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichte Studie zeigte. Weitere Folgen seien "stärkere Unwetter" und Veränderungen im Ökosystem der Arktis, was sich wiederum auf die Fischerei und die CO2-Aufnahmefähigkeit der Ozeane auswirke.

Quelle: ntv.de, apo/AFP/dpa