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Klimawandel und Menschenversagen Warum Kalifornien immer öfter heftig brennt

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Kein Regen stoppt die verheerenden Feuer.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Tausende Feuerwehrleute kämpfen in Kalifornien gegen gigantische Wald- und Buschbrände. Der US-Westküstenstaat ist inzwischen für die Forscher eine Art Labor, in dem sich beobachten lässt, wie verschiedene Wetter- und Klima-Faktoren einander in ihren Wirkungen fatal verstärken.

Seit Tagen wüten im US-Bundesstaat Kalifornien wieder heftige Brände. Das "Getty Fire", das am Montag ausgebrochen war, verwüstete bereits rund 250 Hektar. Am Morgen brach in Easy Street ein neuer Brand aus, das sogenannte "Easy Fire" frisst sich seitdem rasch durch das hügelige Gelände weiter. Die Behörden ordneten an, weitere 30.000 Menschen in Sicherheit zu bringen.

Dass es in Kalifornien im Herbst zu Bränden kommt, ist nicht ungewöhnlich. Nach den langen und trockenen Sommern ist die Brandgefahr in der Region ohnehin hoch. Aus dem Landesinneren kommt dann der trockene Santa-Ana-Wind, der in der Wüste von Nevada zusätzlich aufgeheizt wird und an Kraft gewinnt. In Kalifornien saugt er regelrecht die Feuchtigkeit aus der Vegetation. Normalerweise würde etwa um Halloween herum einsetzender Regen diese Gefahren abmildern, doch als unmittelbare Auswirkung des Klimawandels bleiben diese Regenfälle immer öfter aus. In Kalifornien lag der Anstieg der Durchschnittstemperatur in den vergangenen 100 Jahren deutlich über dem globalen Mittel. Deshalb reicht inzwischen schon ein Funke, um ein verheerendes Feuer auszulösen. In der Vergangenheit wurden schadhafte Hochspannungsleitungen von Energieversorgern ebenso als Brandursachen ausgemacht wie Feuerwerkskörper, Lagerfeuer oder Zigarettenkippen.

Die starken Winde tragen die Feuer dann in hoher Geschwindigkeit weiter. Die gleichen Winde erschweren auch die Brandbekämpfung erheblich. Oft sind sie so heftig, dass Flugzeuge und Hubschrauber Löschmittel nicht abwerfen können. Auch der starke Rauch verhindert Löscharbeiten aus der Luft. Immer häufiger beobachtet die Feuerwehr sogenannte Feuertornados, die aus der Verbindung von verwirbelnden Winden und extrem hohen Temperaturen innerhalb sehr kurzer Zeit eine gewaltige Zerstörungskraft entwickeln. 15 der 20 schlimmsten Brände in Kalifornien ereigneten sich seit dem Jahr 2000.

Überall Brandgefahr

Wegen der mittlerweile höheren Besiedlung finden die Feuer auch dann noch Nahrung, wenn die Vegetation bereits weitgehend abgebrannt ist: Häuser und in den Häusern gelagerten Treibstoff beispielsweise. In einer Fallstudie kamen US-Forstwissenschaftler kürzlich zu dem Ergebnis, dass in Kalifornien über 11 Millionen Menschen auf potenziellem Waldbrandgebiet leben, mehr als in jedem anderen US-Bundestaat. Fast 3 Millionen davon siedeln in einem Gebiet mit "sehr hoher Brandgefährdung". Diese Einschätzung wird bei der Planung von Neubauten bisher noch überhaupt nicht berücksichtigt. Seit den 1970er-Jahren hat sich der Flächenverbrauch in dem Bundesstaat verfünffacht.

Hinzu kommt, dass in Kalifornien nicht unbedingt der Wald brennt, sondern eher eine Buschvegetation, der sogenannte Chaparral. Diese Vegetation entspricht etwa dem, was auch aus dem Mittelmeerraum bekannt ist. Normalerweise brennen diese Ökosysteme alle 10 bis 15 Jahre. Dies hatte zu Folge, dass der Wald wieder "aufgeräumt" war. Dabei wurden auch Lebensräume für zu jagende Tiere geschaffen. In der Vergangenheit wurden diese Feuer auch von Menschen entfacht, um genau das zu erreichen. Allerdings erloschen sie bislang auch einfach wieder.

Das ist inzwischen immer seltener der Fall. Untersuchungen zeigen, dass es mittlerweile jedes Jahr und das ganze Jahr über in Kalifornien brennt. Die verschiedenen Faktoren verstärken sich gegenseitig in ihren Wirkungen. Forscher beim US Forest Service gehen bereits davon aus, dass die Brände künftig noch größere Flächen betreffen und mehr Schaden anrichten werden. Weil sich aber gleichzeitig mehrere Variable verschieben, lassen sich nur noch schwer Voraussagen treffen. Seit einiger Zeit arbeiten Wissenschaftler an Worst-Case-Szenarien, mit denen sie zu erfassen versuchen, welche Gefahren drohen und wie man sie eventuell eindämmen könnte. Im Juni legte der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom einen Bericht vor, in dem er zu dem Schluss kommt, dass es keine Frage mehr sei, ob es zu gefährlichen Waldbränden kommt, sondern nur noch wann. "Der Klimawandel hat im Bundesstaat Kalifornien eine neue Realität geschaffen", so Newsom.

Quelle: n-tv.de