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Experten vermuten ZusammenhangWarum gibt es Extremkälte trotz Klimawandel?

27.01.2026, 18:07 Uhr
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Die Brooklyn Bridge in New York im Schneesturm - auch Kälteextreme könnten laut Forschenden in den Trend der Erderwärmung passen. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Ein heftiger Wintersturm sucht die USA heim und fordert mehrere Todesopfer. US-Präsident Donald Trump sieht darin den Beweis gegen die Erderwärmung. Doch einige Forscher vermuten genau das Gegenteil hinter dem Kältephänomen.

"Könnten die Klima-Aufrührer mir bitte erklären: Was ist mit der Erderwärmung passiert?", schrieb US-Präsident Donald Trump am Freitag auf seiner Onlineplattform Truth Social zu dem herannahenden Wintersturm. Eine Frage, die sich womöglich viele Menschen angesichts der eisigen Verhältnisse in den USA. Doch Forschende haben Erklärungsansätze für diesen scheinbaren Widerspruch.

Zuallererst: Bei dem Extremwinter in den USA handelt es sich um ein kurzfristiges Wetterphänomen - Klima beschreibt statistische Mittelwerte über mehrere Jahrzehnte. Und der Weltklimarat IPCC ist in seiner Einschätzung eindeutig: Mit dem Klimawandel und der Erderwärmung werden Hitzeextreme im Mittel häufiger und Kälteextreme seltener. 2025 war sogar das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (hinter 2023 und 2024).

Und doch könnte gerade der Klimawandel eine Ursache für die extreme Kälte sein, wie die Klima- und Atmosphärenforscher Mathew Barlow und Judah Cohen in einem Beitrag in der Online-Publikation "The Conversation" erläutern. Demnach könnte der sogenannte Polarwirbel eine Rolle spielen, eine Ringströmung starker Winde um die Arktis.

Der Polarwirbel befindet sich in der Stratosphäre, die in 20 Kilometern Höhe beginnt, und damit über den Schichten der Atmosphäre, in denen sich das Wetter eigentlich abspielt. Laut den Autoren kann sich diese Ringströmung manchmal stark nach Süden ausdehnen. Dann beeinflusst und verstärkt sie den Wintersturm in der Atmosphäre unter ihr durch eine bestimmte Wechselwirkung.

"Zunehmende Störungen" des Polarwirbels

Was der Klimawandel damit zu tun haben könnte? Die Ausdehnung des Polarwirbels nach Süden könnte laut den beiden Experten durch dessen "zunehmende Störungen" bedingt sein, die ihrerseits möglicherweise mit "der raschen Erwärmung der Arktis im Zuge des Klimawandels" zusammenhängen könnten.

Jennifer Francis vom Woodwell Climate Research Center im US-Bundesstaat Massachusetts sieht ebenfalls einen Zusammenhang von Erderwärmung und Veränderungen des Polarwirbels. "Studien legen nahe, dass diese Abweichungen bei dem Wirbel in einer sich erwärmenden Welt häufiger vorkommen", sagt sie der Nachrichtenagentur AFP. Dies begünstige "häufigere Winterextreme". Laut dem Meteorologen Jason Furtado von der University of Oklahoma, dessen Forschung sich auf langfristige Wettervorhersagen konzentriert, hätten die Aufzeichnungen der vergangenen 20 Jahre tatsächlich eine Zunahme derartiger Wetterereignisse gezeigt.

Dazu komme in den USA noch ein anderer Effekt, schreiben Barlow und Cohen: Die eiskalte Luft aus dem Norden werde im Zusammenspiel mit dem Polarwirbel bis tief in den Süden der USA transportiert. Dort trifft sie auf warme und feuchte Luft aus dem Golf von Mexiko. Und je höher der Temperaturunterschied, desto stärker die Stürme.

Viele Fragen bleiben noch offen

Auch hier könnte der Klimawandel ein Treiber sein: "Ein wärmerer Ozean führt zu einer stärkeren Verdunstung. Und da eine wärmere Atmosphäre mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, steht mehr Feuchtigkeit für Stürme zur Verfügung", schreiben die Experten. Eine andere Studie hatte ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und stärkeren Winterstürmen im Nordosten der USA festgestellt.

Meteorologe Furtado warnt jedoch davor, die Kälteeinbrüche direkt mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel in einen Zusammenhang zu bringen. Die Frage müsse noch über einen längeren Zeitraum erforscht werden, so der Experte. "Meiner Meinung nach ist es schwieriger, diese Verbindung für einen längeren Zeitraum herzustellen, einfach weil wir nicht genügend Daten haben."

Quelle: ntv.de