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Mit Pseudomonas syringae infizierte Bäume müssen gefällt werden.
Mit Pseudomonas syringae infizierte Bäume müssen gefällt werden.
Freitag, 25. November 2016

Wenn Kastanien "bluten": Wasser hilft Bakterien, sich auszubreiten

Nicht nur eine Motte setzt den heimischen Kastanienbäumen zu. Ein Bakterium lässt die eigentlich stattlichen Bäume "bluten". Wie sich die Krankmacher im Gewebe von Pflanzen ausbreiten, finden Forscher heraus.

Das weiß doch jedes Kind: Pflanzen brauchen Wasser. Steht durch Gießen, Niederschlag oder Luftfeuchtigkeit zu viel davon zur Verfügung, dann kann das Überangebot zu einer gefährlichen Bakterieninfektion der Pflanze führen. Wie genau sich die Krankmacher im Zellgewebe von Pflanzen ausbreiten können und welche Rolle das Wasser dabei spielt, haben Forscher der Michigan State University herausgefunden.

Typische "Blutflecken", von Pseudomonas syringae hervorgerufen.
Typische "Blutflecken", von Pseudomonas syringae hervorgerufen.

Das Team um Sheng Yang He konnte bei seinen Tests beobachten, dass sich krankmachende Bakterien in flüssigkeitsgefüllten Bereichen zwischen den Pflanzenzellen vermehren und ausbreiten, wenn zu viel Wasser zur Verfügung steht. Die Bakterien der Sorte Pseudomonas syringae bringen ihre Eiweiße direkt in die Pflanzenzellen und verursachen so ein Aufquellen des Gewebes. Je mehr Wasser in der Umwelt zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung steht, umso erfolgreicher  sind die Bakterien mit dieser Strategie.

Zu trocken zur Vermehrung

Normalerweise haben bakterielle Krankmacher, die in Pflanzengewebe eindringen, das Problem, dass es in dem Bereich zwischen den Zellen zu wenig Wasser gibt. Das führt dazu, dass sich die Bakterien entweder nur sehr eingeschränkt oder aber überhaupt nicht vermehren können. Die Forscher untersuchten das Vorgehen des Bakteriums mit speziellen Mikroskopen bei der Pflanze Acker-Schmalwand. Sie konnten sehen, dass sich nach dem Einbringen von zwei bestimmten Proteinen durch Pseudomonas syringae das Wasser in den Zellzwischenräumen ansammelt. So schaffen sich die Bakterien optimale Vermehrungsbedingungen. Wie genau das Wasser zwischen die Zellen kommt, ist bisher jedoch nicht genau geklärt.

Eine Infektion mit Pseudomonas syringae führt zu dunklen, oftmals nässenden Flecken an Hauptstamm, Ästen und Blättern sowie zu einer allgemeinen Laubaufhellung vor allem bei der heimischen Rosskastanie. Die dunklen Flecke erinnern auch an Blutflecken. Die Infektion wird wegen seiner Ausprägung deshalb oft auch als "Kastanienbluten" oder als "Kastaniensterben" bezeichnet. Die Krankmacher befallen aber nicht nur Kastanienbäume, sondern auch Tomaten- und Bohnenpflanzen. Mit zunehmender Infektion welken zuerst Blätter und Äste, bis schließlich die ganze Pflanze abstirbt. Gegen die Erkrankung gibt es bisher keine direkten Maßnahmen.

Ihre Untersuchungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature".   

Quelle: n-tv.de