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Anfalls-Risiko sinkt im Sommer Wetter kann sich auf Epilepsie auswirken

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Bestes Sommersonnenwetter: Bei Temperaturen über 20 Grad Celsius ist das Risiko für einen Epilepsie-Anfall nur halb so groß wie an kalten Tagen.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Epilepsie-Patienten berichten häufig, dass das Risiko, einen Anfall zu bekommen, vom Wetter abzuhängen scheint. Forscher aus Jena geben ihnen nun Recht. Neben Luftdruck und -feuchtigkeit spielen auch die Temperaturen eine Rolle.

Epileptische Anfälle sind wie elektrische Gewitter im Gehirn. Nervenzellen entladen sich unbewusst und ungezielt. Die Anfallsformen reichen von sekundenlangen Abwesenheiten, in denen Betroffene wie abgeschaltet wirken, über Wahrnehmungsstörungen und merkwürdig erscheinende Verhaltensweisen wie plötzliches Brummen bis hin zu großen Krampfanfällen, die minutenlang andauern können und lebensgefährlich sind.

Wann und wie oft es zu einem Anfall kommt, lässt sich nicht vorhersagen. Doch wie Florian Rakers, Neurologe am Universitätsklinikum Jena (UKJ), sagt, wurde schon oft von Patienten berichtet, "dass sie einen Zusammenhang von Wetterlage und epileptischen Anfällen wahrnehmen. Das Risiko für Anfälle steige vor allem bei Wetterwechsel."

Tieferer Luftdruck, höheres Risiko

Das gab Rakers den Anstoß für eine Studie. Er und sein Team werteten die Unterlagen aller Jenaer Patienten aus, die von 2003 bis 2010 wegen eines epileptischen Anfalls ins UKJ eingeliefert worden waren. Die Mediziner berücksichtigten nur diejenigen Fälle mit spontanem akuten Anfallsgeschehen, in denen die Patienten oder ihre Angehörigen den Zeitpunkt des Anfalls genau angeben konnten. Dann wurden die mehr als 600 Studienfälle in Bezug gesetzt zum Wetter an den drei Tagen vor dem epileptischen Anfall. Die entsprechenden Wetterdaten lieferte die Klimastation an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena.

Von der Deutlichkeit des Ergebnisses waren die Neurologen überrascht. "Das Risiko für einen epileptischen Anfall steigt mit fallendem Luftdruck", resümiert Matthias Schwab, Seniorautor der Studie. "Der gestrige Tag bestimmt dabei das heutige Epilepsierisiko am deutlichsten: Das Risiko ist umso höher, je tiefer der Luftdruck gestern war, und zwar um 14 Prozent je 10 Hektopascal niedrigerem Luftdruck."

Besonders empfindlich auf niedrigen Luftdruck scheinen Schwab zufolge Patienten mit einer 'leichten' Epilepsie zu reagieren, also die mit sehr seltenen Anfällen. Bei dieser Patientengruppe, die vor ihrer Klinikeinweisung mit nur einem Epilepsiemedikament behandelt wurde, war der Zusammenhang weitaus deutlicher als bei Patienten, deren Epilepsie mit zwei oder mehr Medikamenten therapiert wurde.

Sommerliche Temperaturen senken das Risiko

Auch für die Luftfeuchtigkeit konnten die Wissenschaftler einen Zusammenhang nachweisen: Mit steigender relativer Luftfeuchtigkeit wächst das Risiko eines epileptischen Anfalls. Bei männlichen Patienten und denen unter 60 Jahren war der Effekt besonders ausgeprägt. "Allerdings scheint der Einfluss der Luftfeuchtigkeit langsamer als der des Luftdrucks zu sein. Er zeigte sich erst am dritten Tag", so Rakers. "Möglicherweise spielen Infekte hier eine entscheidende Rolle."

Für sommerliche Temperaturen, wie sie in den kommenden Monaten zu erwarten sind, haben die Forscher eine gute Nachricht: Bei Temperaturen über 20 Grad Celsius ist das Anfallsrisiko für Epilepsie-Patienten nur gut halb so groß wie an kalten Tagen. "Unsere Studie bestätigt den von Patienten beobachteten Zusammenhang von Wettergeschehen und epileptischen Anfällen", betont Rakers.

Bevor jedoch klinische Empfehlungen daraus abgeleitet werden können, seien weitere Untersuchungen notwendig - etwa in anderen Klimabereichen. Die Forscher veröffentlichten ihre Studie in der Fachzeitschrift Epilepsia.

Quelle: ntv.de, asc