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Forschung bekommt Schub Wie Menschen langsamer und gesund altern

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Viele unterschiedliche Faktoren von persönlichem Lebensstil über Ernährung bis Bildung spielen beim Altern eine Rolle.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Resilientes Altern kann selbst Organschäden kompensieren, die sonst zu vorzeitigen Erkrankungen führen. Verschiedene Institute erforschen nun die Hintergründe. Dabei stehen nicht so sehr die Erkrankungen im Fokus, sondern die Mechanismen.

Warum haben manche im Alter noch eine glatte Haut und was hält 90-Jährige geistig fit? Solchen Fragen geht ein jetzt gegründeter Forschungsverbund von 15 Instituten der Leibniz-Gemeinschaft nach. Koordiniert wird der Verbund "Altern und Resilienz" in Mainz und Jena - am Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) und am Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut (FLI).

Außerdem soll in Mainz demnächst ein neues Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft für Alternsforschung eingerichtet werden, wie es sich die Parteien der künftigen Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen haben. "Für unsere Profilbildung zur Biotechnologie ist das ein sehr wichtiger Schritt, da Alternsforschung auch Teil der Lebensforschung ist", sagt der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling.

Helmholtz-Präsident Otmar Wiestler bezeichnet es als besonders reizvoll, "die Themen Altern, altersabhängige Erkrankungen und innovative RNA-basierte Therapie an diesem herausragenden Standort Mainz zusammenzuführen". Dies sei "ein weltweites Alleinstellungsmerkmal". Für die RNA-basierte Medizin steht in Mainz besonders der Name Biontech mit seinem Corona-Impfstoff und der Krebsforschung. In Mainz gibt es auch schon ein Helmholtz-Institut zur Krebsforschung (HI-TRON). Wann und wie das neue Zentrum eingerichtet wird, ist Gegenstand von Gesprächen der Helmholtz-Gemeinschaft mit dem Bund, dem Land und und den in Mainz beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen.

Alterungsprozess setzt früher ein als oft gedacht

Der Leibniz-Verbund will das ursprünglich in der psychosozialen Forschung entwickelte Konzept der Resilienz auf die biologische Alternsforschung ausweiten. Im Blickpunkt stehen die Ressourcen, um trotz innerer und äußerer Stressfaktoren, die das Altern mit sich bringen kann, gesund zu bleiben.

Das Altern sei ein viel längerer Prozess und setze früher ein als man sich gemeinhin vorstelle, sagt der Wissenschaftliche Geschäftsführer des LIR, Klaus Lieb. Der Alterungsprozess führe zu biologischen Änderungen an Organen, Gefäßen und im Gehirn. Der Wissenschaftler unterscheidet zwischen einem durchschnittlichen Alterungsprozess, einem pathologischen, das heißt beschleunigten Altern, und schließlich dem resilienten Altern mit einer verlangsamten Einschränkung körperlicher und psychischer Funktionen. "Wir interessieren uns nicht so sehr für die Erkrankungen, sondern für die Mechanismen, die zu einem verlangsamten Altern führen."

70 Jahre, aber Organe eines 55-Jährigen

Resilienz könne die im Alter auftretenden Beeinträchtigungen "funktionell kompensieren", also in der schädlichen Wirkung ausgleichen. Als Beispiel nennt Lieb, der auch Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Mainz ist, die Schädigung von Nervenzellen des Gehirns durch bestimmte Proteine, die verklumpen. Diese Ablagerungen, in der Fachsprache Amyloid genannt, werden als eine Ursache von Demenz-Erkrankungen angesehen. "Resilienz bedeutet in diesem Fall, dass es trotz sichtbarer Amyloid-Ablagerungen nicht zu Nervenschädigungen kommt", erklärt Lieb. "Die Menschen sind dann weiter kognitiv fit."

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Ein Mensch im biologischen Alter von 70 Jahren könne bei resilientem Altern hinsichtlich seiner funktionellen Organfunktionen auf dem Niveau eines 55- oder 60-Jährigen sein, sagt Lieb. Es sind ganz viele unterschiedliche Faktoren, die zum resilienten Altern beitragen können - darunter etwa der persönliche Lebensstil, wirtschaftliche Lage, Ernährung, Bildung, Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung und soziale Verankerung. "All diese Variablen wollen wir interdisziplinär in Augenschein nehmen." Forscher ganz unterschiedlicher Fachrichtungen wollen da zusammenwirken. Mit dabei ist so beispielsweise auch das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam und das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung in Dortmund.

"Die große Herausforderung wird darin bestehen, all die hochkomplexen Daten zu integrieren", sagt Resilienzforscher Lieb. Ziel sei im Anschluss daran die Entwicklung von Modellen, aus denen dann Handlungsempfehlungen oder therapeutische Ansätze abgeleitet werden könnten.

Quelle: ntv.de, Peter Zschunke, dpa

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