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Ein Paar der neu beschriebenen Art Ochrocroca misspider auf einem Netz.
Ein Paar der neu beschriebenen Art Ochrocroca misspider auf einem Netz.(Foto: Igor Cizauskas/dpa)
Freitag, 12. Januar 2018

Dutzende neue Arten entdeckt: Wie Riesenspinnen aus Fantasy-Romanen

Bizarres Aussehen, kuriose Namen: Forscher stellen 25 bisher unbekannte Spinnenarten vor. Die Pelikan-Spinnen leben in Madagaskar, brasilianische Arten wurden nach Spinnen aus "Herr der Ringe" oder "Harry Potter" benannt.

Ihr Aussehen ist so bizarr wie ihr Verhalten: In Madagaskar haben Biologen 18 bislang unbekannte Arten von Pelikan-Spinnen entdeckt. Der Vorderkörper dieser Tiere ist zu einer Art Hals verlängert, die Kieferklauen stehen schnabelartig vom Kopf ab, was ihnen den Namen einbrachte.

Eriauchenius milajaneae ist eine der 18 neuen Arten von Pelikanspinnen aus Madagaskar. Diese Art wurde nach Woods Tochter benannt und ist nur von einem abgelegenen Berg im Südosten Madagaskars bekannt.
Eriauchenius milajaneae ist eine der 18 neuen Arten von Pelikanspinnen aus Madagaskar. Diese Art wurde nach Woods Tochter benannt und ist nur von einem abgelegenen Berg im Südosten Madagaskars bekannt.(Foto: Hannah Wood, Smithsonian/dpa)

Pelikan-Spinnen (Archaeidae) nutzen die Mundwerkzeuge bei der Jagd, um ihre Beute - ausschließlich andere Spinnen - auf Abstand zum eigenen Körper zu halten. Das berichten Hannah Wood vom National Museum of Natural History in Washington und Nikolaj Scharff von der Universität Kopenhagen im Fachblatt "Zookeys". In der gleichen Zeitschrift stellen Forscher sieben neue Spinnenarten aus Brasilien vor: Sie sind nach Spinnen aus Fantasy-Romanen wie "Herr der Ringe" oder "Harry Potter" benannt.

"Einzigartige Artenvielfalt in Madagaskar"

Für Madagaskar beschreiben Wood und Scharff insgesamt 26 Arten Pelikan-Spinnen, von denen 18 bislang unbekannt waren. Alle sind nur wenige Millimeter klein. "Diese Spinnen belegen die einzigartige Artenvielfalt in Madagaskar", sagt Wood. Pelikan-Spinnen, auch Mörder-Spinnen genannt, leben außer in Madagaskar auch in Südafrika und Australien.

Pelikanspinnen haben ein bizarres Aussehen mit einem langen "Hals" und Cheliceren (Kiefer), die benutzt werden, um andere Spinnen zu erbeuten. Diese Pelikanspinne (oben) hält ihre Beutespinne mit ihren Cheliceren.
Pelikanspinnen haben ein bizarres Aussehen mit einem langen "Hals" und Cheliceren (Kiefer), die benutzt werden, um andere Spinnen zu erbeuten. Diese Pelikanspinne (oben) hält ihre Beutespinne mit ihren Cheliceren.(Foto: Nikolaj Scharff/dpa)

Wegen des Verbreitungsmusters gehen die Forscher davon aus, dass es sie schon auf dem Superkontinent Pangäa gab, der vor 175 Millionen Jahren auseinanderbrach. Dass die Tiere entwicklungsgeschichtlich alt sind, zeigt unter anderem ein 1854 gefundenes, in Bernstein konserviertes Exemplar, das etwa 50 Millionen Jahre alt ist.

Die sieben Spinnen mit Namen aus Fantasy-Romanen wurden im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará entdeckt. Sie sind maximal zwei Millimeter groß und verbringen ihr Leben weitgehend unterirdisch in Höhlen, kommen aber gelegentlich an die Erdoberfläche. Alle zählen zur Gattung Ochyrocera, wie das Team um Antonio Brescovit vom Instituto Butantan in Sao Paulo schreibt.

Benannt nach Spinne aus "Herr der Ringe"

Zwei Arten sind nach Charakteren von J.R.R. Tolkien benannt: Ochyrocera laracna nach der Riesenspinne Laracna aus dem zweiten Band von "Herr der Ringe", O. ungoliant nach Laracnas Mutter Ungoliant aus dem Tolkien-Buch "Das Silmarillion".

Namensgeber von O. aragogue ist Aragog, die sprechende Riesenspinne aus "Harry Potter und die Kammer des Schreckens". Der Name O. varys stammt von dem Buch "Das Lied von Eis und Feuer" von George Raymond Richard Martin.

O. atlachnacha ist Atlach-Nacha gewidmet, dem Spinnengott aus dem Cthulhu-Mythos, der unter anderem auf den Autor H.P. Lovecraft zurückgeht. Pate für O. charlotte stand eine Titelfigur aus dem Kinderbuch "Wilbur und Charlotte" des US-Autors Elwyn Brooks White. Es beschreibt die Freundschaft zwischen dem Schwein Wilbur und der Spinne Charlotte.

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Quelle: n-tv.de