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Für Synästhetiker verbinden sich Buchstaben, Zahlen, Wörter, aber auch Geräusche und Töne mit ganz bestimmten Farben.
Für Synästhetiker verbinden sich Buchstaben, Zahlen, Wörter, aber auch Geräusche und Töne mit ganz bestimmten Farben.(Foto: picture-alliance / dpa)
Dienstag, 06. März 2018

Grundlage in den Genen entdeckt: Wie Synästhesie entsteht

Für manche Menschen ist der Mittwoch gelb und die Zahl 4 rot. Wenn Sinneswahrnehmungen so miteinander vermischt werden, dann spricht man von Synästhesie. Die Ursache dafür war bisher unklar. Nun können Forscher eine genetische Grundlage dafür zeigen.

Betroffene können etwa Töne sehen oder Zahlen schmecken: Synästhesie zählt zu den rätselhaftesten Phänomenen der menschlichen Sinneswahrnehmung. Seit 130 Jahren ist bekannt, dass diese Fähigkeit in Familien gehäuft auftritt - was auf eine starke Rolle von Erbfaktoren hindeutet. Forscher haben nun in drei Familien die genetischen Grundlagen der Synästhesie analysiert.

Das Team um Simon Fisher vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen untersuchte dazu die Genome von drei Familien, bei denen über mindestens drei Generationen fünf oder mehr Mitglieder eine Klang-Farb-Synästhesie hatten: Sie verknüpfen Töne mit Farben.

Die Analyse ergab, dass bei 37 Genen eine Beteiligung an dem Wahrnehmungsphänomen wahrscheinlich ist, sechs davon halten die Forscher für besonders spannend. Zwar teilten die drei Familien keine auffälligen Erbanlagen. Aber sie hatte Genvarianten für ähnliche Funktionen, wie das Team in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften berichten.

Besondere Aktivitäten im Seh- und Hörzentrum

Diese treten ab der frühen Kindheit in Erscheinung und sind eng verknüpft mit der sogenannten Axogenese - also der Bildung und Ausrichtung von Fortsätzen der Nervenzellen. Dabei vernetzen sich Nervenzellen auch mit Zellen in anderen Hirnregionen. Die gefundenen Gene sind unter anderem im Seh- und Hörzentrum besonders aktiv.

"Es gibt viele Wege, über die leichte Abwandlungen der Axogenese zu einer verstärkten Vernetzung führen könnten", schreibt das Team. Dazu zählten etwa Länge und Lage der Nervenfasern oder ungewöhnliche Verästelungen und andere Veränderungen der Form.

Überaus selten sind Synästhesien nicht: Einer britischen Studie zufolge haben bis zu 4,4 Prozent der dortigen Bevölkerung mindestens eine Form dieser speziellen Sinneswahrnehmung. Die Erkenntnisse der jetzigen Studie könnten als Startpunkt dienen, um die Ursprünge des Phänomens zu ergründen", schreibt das Team.

"Diese Studie enthüllt, wie genetische Unterschiede – möglicherweise über eine veränderte Vernetzung im Gehirn – unsere Sinneserfahrungen beeinflussen können", wird Ko-Autor Simon Baron-Cohen von der Cambridge University in einer Max-Planck-Mitteilung zitiert. "Die Synästhesie ist damit ein eindeutiges Beispiel für Neurodiversität, die wir respektieren und schätzen sollten."

Quelle: n-tv.de