Forscher finden BiomarkerWoran man sein wahres Alter erkennen könnte

Das Alter eines Menschen wird in der Regel in Jahren angegeben - doch Forscher finden eine neue Methode, die das biologische Alter messbar macht. Und das kann auch bei Menschen desselben Jahrgangs sehr unterschiedlich ausfallen.
Woran erkennt man, wie alt man ist? Forscher unterscheiden dabei zwei Arten von Alter: das chronologische und das biologische Alter. Beide müssen nicht zwangsläufig übereinstimmen. Zwei chronologisch gleichaltrige Menschen können sich erheblich in ihrer körperlichen Alterung und Gesundheit unterscheiden. Das biologische Alter spiegelt aus Sicht der Wissenschaft die tatsächliche körperliche Alterung wider. Lebensstil, die Gene und Umwelteinflüsse spielen dabei eine wichtige Rolle.
Doch wie lässt sich das biologische Alter eines Menschen möglichst präzise bestimmen? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein internationales Konsortium. In einer europaweiten Studie identifizierten die Forscher bestimmte Alters-Biomarker - bei der Alterung auftretende Veränderungen von zehn Messwerten im Blut. Darunter etwa Werte zum Knochenstatus, zum Fettstoffwechsel oder zur Funktion des Immunsystems. Anhand dieser "Bioage-Scores" könne man das biologische Alter einer Person berechnen, heißt es in einer Mitteilung zur Studie.
Unterschiede bei Männern und Frauen
In der Vergangenheit hat die Alterungsforschung verschiedene Biomarker zur Bestimmung des biologischen Alters vorgeschlagen. Doch einer allein reicht laut der Autoren der neuen Studie nicht aus: "Der biologische Alterungsprozess ist sehr komplex", erklärt Maria Moreno-Villanueva von der Universität Konstanz und Erstautorin der Studie. Er lasse sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. "Außerdem gibt es Unterschiede bei der Alterung von Männern und Frauen", so die Expertin. Daher wurde im Rahmen der neuen Studie für jedes Geschlecht eine eigene Kombination von Biomarkern entwickelt.
Anhand dieser Bioage-Scores fanden die Forscher heraus, dass die Differenz aus biologischem und chronologischem Alter bei Menschen mit Trisomie 21 - einer genetischen Besonderheit, bei der auch der Alterungsprozess schneller abläuft - deutlich erhöht ist. Frauen über 50, die sich nach Beginn der Menopause einer Hormonersatztherapie unterzogen, waren dagegen biologisch jünger als Frauen vergleichbaren Alters ohne entsprechende Therapie. Bei Raucherinnen wiederum fällt die Differenz umso höher aus, je mehr Zigaretten die Frauen in ihrem Leben bereits geraucht haben. Zigarettenkonsum beschleunigt also offenbar die Alterung.
Manche Menschen jünger als geahnt
"Betrachten wir die Bioage-Scores einer Vielzahl von Menschen aus demselben Geburtsjahrgang, so haben diese Werte eine große Spannbreite", sagt Moreno-Villanueva. "Daran zeigt sich sehr gut, dass jeder Mensch seinen individuellen biologischen Alterungsprozess durchlebt und dass zum Beispiel einige Personen biologisch gesehen deutlich jünger sind als ihr chronologisches Alter vermuten lässt."
"Verlässliche Biomarker für das biologische Altern sind wichtige Werkzeuge, um Alterungsprozesse auch bei gesunden Menschen nachzuvollziehen oder um Personen zu identifizieren, die ein hohes Risiko tragen, später eine altersbedingte Krankheit oder körperliche Einschränkung zu entwickeln", sagt Co-Autor Alexander Bürkle. Dies könne auch den Weg für neue Ansätze in der individualisierten Präventivmedizin ebnen.