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Die Opfer finden die aktuelle Entschuldigung nicht ausreichend.
Die Opfer finden die aktuelle Entschuldigung nicht ausreichend.(Foto: dapd)
Samstag, 01. September 2012

Contergan-Firma zeigt Reue: Opfer lehnen Entschuldigung ab

Die Firma Grünenthal, die für Missbildungen bei tausenden Menschen verantwortlich ist, entschuldigt sich. Gleichzeitig wehrt sie sich immer noch gegen Klagen, geht gegen kritische Berichterstattung vor und blockt Klagen ab. Die Opfer fühlen sich verhöhnt.

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Die Entschuldigung der Firma Grünenthal bei den Contergan-Geschädigten ist bei vielen Opfer-Verbänden nicht gut angekommen. "Zu wenig, zu spät", kommentierten Anwälte australischer Opfer des Arzneimittelskandals. Das britische Contergan-Opfer Nick Dobrik sagte dem Sender BBC: "Wir sind der Meinung, eine ernsthafte Entschuldigung muss die Fehler einräumen, die gemacht wurden. Das hat die Firma nicht getan, und damit die Opfer beleidigt."

Auch Martin Johnson, Direktor der britischen Stiftung für Contergan-Opfer, warf Grünenthal vor, das Unternehmen versuche weiter, den Mythos aufrechtzuerhalten, niemand habe wissen können, welche Schäden das Medikament anrichten könne.

Das Schlafmittel Contergan verursachte Missbildungen bei Tausenden Ungeborenen.
Das Schlafmittel Contergan verursachte Missbildungen bei Tausenden Ungeborenen.(Foto: dapd)

Björn Håkansson, der Chef des schwedischen Opferverbandes, sprach von einer wertlosen Entschuldigung. "Nach 50 Jahren kriechen sie zu Kreuze, nachdem sie in mehreren Ländern verklagt wurden", sagte er mit Blick auf die Herstellerfirma Grünenthal. "Das hätten sie nie getan, wenn sie nicht unter Druck stünden." Die überlebenden 99 Contergan-Geschädigten in Schweden hätten von Grünenthal niemals eine Entschädigung oder eine Anerkennung ihres Leidens erhalten, sagte Håkansson. Allerdings hatten die schwedischen Opfer Zahlungen des heimischen Firma Astra bekommen, die das Medikament in Lizenz hergestellt und verkauft hatte.

Grünenthal wollte kritische Dokumentation verhindern

Der Hersteller des Schlafmittels, das Anfang der 60er Jahre bei ungeborenen Kindern schwere Schäden bei ungeborenen Kindern verursachte, hatte am Freitag erstmals das Wort "Entschuldigung" in den Mund genommen. Als vor mehr als 50 Jahren die ersten der insgesamt 10.000 missgebildete Babys geboren wurden, stritt das Unternehmen zunächst alles ab. Später im Prozess, einem der größten der Nachkriegsgeschichte, vermied es ein Schuldeingeständnis. Und noch vor fünf Jahren versuchte es mit allen juristischen Mitteln, die Ausstrahlung des WDR-Films "Eine einzige Tablette" zu verhindern. Es sei bedauerlich, dass die Firma nicht früher auf die Opfer zugegangen sei, sagte Geschäftsführer Stock nun.

Nach langen Auseinandersetzungen wurde 1971 eine Stiftung eingerichtet und mit 200 Millionen Mark ausgestattet. Das Geld kam jeweils zur Hälfte von Grünenthal und vom Bund. Aus diesem Fonds erhalten die Geschädigten eine Rente.

Die australischen Opfer warfen Grünenthal-Geschäftsführer Harald Stock Heuchelei vor. Das Unternehmen hat sich dort bislang einer Klage von Opfern widersetzt und fordert, dass die Opfer ein deutsches Gericht anrufen. Der Fall kommt nächstes Jahr vor das oberste Gericht im Bundesstaat Victoria. Die Anwaltsfirma Slater and Gordon Lawyers in Melbourne hatte in diesem Jahr mehrere Millionen Dollar für rund 130 Geschädigte erstritten, allerdings nicht von Grünenthal, sondern von dem Vertreiber des Medikaments in Australien.

Quelle: n-tv.de

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