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Eine Mischung aus Papierstapel und chinesischer Pagode: Der Entwurf von Drebing Ehmke Architekten in der Computersimulation.
Eine Mischung aus Papierstapel und chinesischer Pagode: Der Entwurf von Drebing Ehmke Architekten in der Computersimulation.(Foto: Foto: Drebing Ehmke Architekten GmbH/dpa)

Turmbau an der Ostsee: Rügen streitet um Hochhaus-Pläne

Ein spektakuläres Bauvorhaben könnte die Ostseeinsel Rügen für immer verändern: Wenige Gehminuten vom Strand entfernt plant ein Unternehmer einen mehr als 100 Meter hohen Wohnturm. Das Hochhaus soll sogar den Berliner Bahntower überragen.

Dieses Bauprojekt verspricht Investoren frischen Wind und reichlich Aussicht: Auf der Insel Rügen soll ein für die Lage und Umgebung außergewöhnlich großes Hochhaus in den Himmel wachsen. Neben den sorgsam restaurierten Villen, modernen Hotels und reetgedeckten Häusern im Seebad Binz will Bauunternehmer Jürgen Breuer einen 104 Meter hohen Wohnturm errichten lassen.

Himmel, Wälder und Wellen bis zum Horizont: Der Wohnturm (Grafik) am geplanten Standort hinter dem einstigen NS-Projekt Prora.
Himmel, Wälder und Wellen bis zum Horizont: Der Wohnturm (Grafik) am geplanten Standort hinter dem einstigen NS-Projekt Prora.(Foto: Foto: Drebing Ehmke Architekten GmbH/dpa)

Das den ersten Entwürfen futuristisch gestaltete Hochhaus soll im Ortsteil Prora entstehen. Das Projekt ist offenbar darauf ausgelegt, durch seine Höhe die riesigen Betonriegel der in den 1930er-Jahren geplanten KdF-Erholungsstätte zu überragen.

27 Etagen beste Wohnlage

Wenn der Apartment-Turm mit seinen etwa 100 Wohneinheiten tatsächlich gebaut wird, wäre er nicht nur das höchste Wohngebäude Mecklenburg-Vorpommerns. Der ehrgeizige Wolkenkratzer wäre zugleich auch eines der höchsten künstlichen Erhebungen an der Ostseeküste. Zum Vergleich: Der Neubau in Prora würde selbst den Berliner Bahntower am Potsdamer Platz (103 Meter) um knapp einen Meter überragen.

Bauunternehmer Breuer bietet der Gemeinde eigenen Angaben zufolge 3,5 Millionen Euro für ein 13.000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem der neue Wohnblock entstehen soll. Entschieden ist aber noch nichts, wie alle Beteiligten betonen.

"Nicht das Geld soll bei der Entscheidung im Vordergrund stehen, sondern, ob es gut für die Gemeinde ist", sagte der Binzer Bürgermeister Karsten Schneider auf einer Bürgerversammlung. Der Architekt hatte dort nach Informationen der "Ostsee-Zeitung" seine Pläne für das Gebäude vor etwa 200 Bürgern vorgestellt. Er begrüße, dass der Investor sein Projekt so früh in die Öffentlichkeit bringe, erklärte Bürgermeister Schneider. Man befinde sich bei der Planung aber noch in der "Phase Null".

Ein neues "Gesicht" für Prora

Bei den Anwohnern trifft das Vorhaben auf wenig Gegenliebe: Kritiker stoßen sich unter anderem an der geplanten Höhe des Gebäudes. Befürchtet wird vor Ort offenbar auch, dass dem Neubauprojekt weitere Hochhäuser folgen könnten - was dem bei Touristen beliebten Badeort ein ganz neues Gesicht geben würde. Befürworter sprechen dagegen von einem "architektonischen Statement". "Der Turm gibt Prora ein Gesicht", zitiert die "Ostsee-Zeitung" Investor Breuer.

Auf Rügen sind die Immobilienpreise im vergangenen Jahr kräftig gestiegen. Wie aus dem "Marktbericht Ferienimmobilien" der Maklergesellschaft Engel & Völkers hervorgeht, zogen 2015 sowohl die Einstiegs- als auch die Spitzenpreise von Ferienwohnungen in Küstennähe "nachfragebedingt" steil an.

Von Extremwerten wie etwa auf der Nordseeinsel Sylt ist die beschaulichere Ostseereiseziel Rügen aber noch weit entfernt. Für Bestlagen auf Sylt wurden laut Engel & Völkers im vergangenen Jahr bis zu 17.000 Euro pro Quadratmeter verlangt. Im Jahr davor waren es in der Spitze lediglich 13.000 Euro je Quadratmeter. Damit kann Sylt - zumindest aus der Sicht der Makler - seinen Status als Deutschlands begehrtester Standort für Ferienimmobilien erneut verteidigen.

Quelle: n-tv.de

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