Wirtschaft
Weidmanns Silhouette mit der Skyline der Frankfurter Innenstadt im Hintergrund: Hier hat auch die Bundesbank ihren Sitz.
Weidmanns Silhouette mit der Skyline der Frankfurter Innenstadt im Hintergrund: Hier hat auch die Bundesbank ihren Sitz.(Foto: REUTERS)

Niedrigzinsphase kein Dauerzustand: Weidmann warnt Deutsche vor Verschuldung

Weil die Europäische Zentralbank den Leitzins Anfang Mai auf einen historischen Tiefstand absenkt, sind Kredite derzeit beispiellos günstig. Bundesbankpräsident Weidmann mahnt aber an, dass der derzeitige Zustand nicht von Dauer ist.

Bundesbankchef Jens Weidmann hat die Deutschen davor gewarnt, bei Investitions-Entscheidungen auf dauerhaft niedrige Zinsen zu setzen. "Die gegenwärtige Niedrigzinsphase darf kein Dauerzustand sein, und darauf sollte sich auch niemand verlassen", sagte Weidmann "Bild am Sonntag". Dies sollten auch all jene bedenken, die sich jetzt verschuldeten. "Die Grenzen der eigenen Belastbarkeit sollte man nicht an den aktuell sehr niedrigen Zinsen, sondern an langfristig normalen Zinssätzen bemessen."

Weidmann bekräftigte zudem seine Vorbehalte gegen die Rettungspolitik der Europäischen Zentralbank. Zum Kurs von EZB-Präsident Mario Draghi, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zur Stabilisierung des Euro aufzukaufen, sagte er: "Ist es eine gute Idee, dass wir einfach alle gegenseitig für unsere Staatsschulden haften? Eigentlich geht es doch darum, dass wir auf dem Weg zu einer stabileren Währungsunion vorankommen." Er habe die Sorge, dass die gute Entwicklung an den Finanzmärkten und insbesondere die niedrigen Zinsen auch für Staatsanleihen dazu führten, dass der Kampf gegen die Ursachen der Krise mit weniger Nachdruck geführt werde. "Das gehört zu den Risiken und Nebenwirkungen der Medizin, die Zentralbanken weltweit mit der Politik des billigen Geldes gerade verabreichen."

Weidmann betonte, Kritik an der Ausgestaltung einzelner Rettungsmaßnahmen bedeute nicht, dass man den Euro abschaffen wolle. "Im Gegenteil: Für die Bundesbank gilt, dass wir den Euro erhalten wollen und zwar als stabile Währung."

Die EZB hatte den Leitzins Anfang Mai auf den historischen Tiefstand von 0,50 Prozent abgesenkt. Angesichts schwacher Aussichten für den Arbeitsmarkt und für die Wirtschaft in etlichen Euro-Staaten war in den vergangenen Wochen der Druck auf die Währungshüter gewachsen, den Leitzins weiter zu senken. Durch die Absenkung der Zinsrate ist die Aufnahme von Krediten beispiellos günstig, während Anleger kaum noch Zinsen für ihr Geld bekommen.

Quelle: n-tv.de

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