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Keine Eingriffsmöglichkeit mehr Fukushima wird geflutet

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Dass die Anlage geflutet wird, ist laut Wissenschaftlern ein Zeichen dafür, dass Tepco die Kühlsysteme nicht mehr in Gang bekommt.

(Foto: dpa)

Im beschädigten Atomkraftwerk Fukushima versuchen die Spezialisten der Betreiberfirma Tepco, die Lage in den von einer Kernschmelze bedrohten oder bereits betroffenen Reaktoren mit großen Mengen Meerwasser und Borsäure in den Griff zu bekommen.

Seewasser steht in dem Kraftwerk direkt am Meer reichlich zur Verfügung. Das Element Bor wird zugesetzt, weil es die bei einer Kettenreaktion entstehenden Neutronen "einfängt". Dadurch soll der sich im Innern des Unglücksreaktors eventuell weiterhin selbst erhaltende nukleare Brennvorgang gestoppt werden.

Nach Angaben der renommierten US-Wissenschaftlerorganisation Union of Concerned Scientists (UCS) besteht im Fall einer Kernschmelze unter anderem die Gefahr, dass sich die durch große Hitze verflüssigte Uran- und Plutoniummasse der Brennstäbe am Boden des Reaktors sammelt und dort eine sogenannte kritische Masse bildet, in der automatisch ein neuerlicher Kernspaltungprozess beginnt.

Keine andere Eingriffsmöglichkeit

Da in einem beschädigten Reaktor mutmaßlich keine andere funktionierende Eingriffsmöglichkeit in die nukleare Kettenreaktion mehr vorhanden ist, könnte nur das mit Bor versetzte Wasser eine solche Entwicklung verhindern. Wasser allein hätte diesen Effekt nicht. Es sorgt aber parallel dafür, dass verdampfte Kühlflüssigkeit ersetzt wird und die bereits teilweise freiliegenden Reaktor-Brennstäbe wieder mit Wasser bedeckt werden.

Nach Angaben der UCS-Experten und anderer Fachleute ist die Flutung des Reaktors in Fukushima gleichwohl nur eine verzweifelte allerletzte Notlösung. Eine solche Maßnahme beschädige den Reaktor schwer und sei ein sicheres Zeichen dafür, dass der Betreiber nicht damit rechne, die regulären Kühlsysteme wieder in Gang zu bekommen, hieß es auf der Homepage der US-Wissenschaftler.

Quelle: ntv.de, AFP