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Künstler mit Haltung Günther Uecker: "Wo Sprache versagt, beginnt das Bild"

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(Foto: Geuer & Geuer Art Düsseldorf)

Kraftvoll, streng, aber doch poetisch. Günther Ueckers aktuelle Objektkunst ist vor allem Ausdruck gesellschaftlicher sowie religiöser Gleichheit. Mit "Long Walk to Freedom" setzt er Freiheitskämpfer Nelson Mandela 2018 ein künstlerisches Denkmal. ntv art präsentiert Günther Uecker und seine Kunstwerke als Kunsthighlight im März.

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Objektkünstler Uecker ist bekannt für die Verwendung von Handwerksmaterialien für seine Kunstwerke.

(Foto: Geuer & Geuer Art Düsseldorf)

Günther Ueckers Gesamtwerk ist von Materialminimalismus geprägt: Nägel, Sand und Asche spielen in seiner Werkentstehung eine übergeordnete und immer wiederkehrende Rolle. So sind seine berühmten Aschebilder Reaktionen auf das atomare Unglück von Tschernobyl. Der Nagel ist als stigmatisierendes Kreuzigungswerkzeug Jesus ausdrucksstarkes Symbol der Verletzung in Ueckers Werken zu verstehen, der Sand hingegen als Ausdruck von Erneuerung und Vergänglichkeit. In seiner Kunst nimmt Uecker immer wieder eine politische wie auch humane, pazifistische Haltung ein.

1930 in Mecklenburg geboren, zählt der heute 90-jährige Günther Uecker zu den renommiertesten deutschen Künstlern weltweit. Uecker, der das Ende des zweiten Weltkrieges und den Einmarsch der roten Armee miterlebt, setzt sich in seiner Kunst immer wieder mit diesen traumatischen Erlebnissen auseinander. 1953 flieht er aus der damaligen DDR und nimmt ein Kunststudium an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Otto Pankok auf, wo er mit neuen künstlerischen Positionen in Berührung kommt. Neben der Abstraktion rücken auch Kinetik und Aktionismus zunehmend in seinen Fokus. Somit umfasst Günther Ueckers Gesamtkunstwerk neben sechs Jahrzehnten an Malerei und Objektkunst auch Sound-Installationen und Environments sowie Bühnenbilder und Filme. Zusammen mit Heinz Mack und Otto Piene bildet Uecker die Avantgarde-Bewegung ZERO, die sich Anfang der 1960er Jahre gegen das weitverbreitete Informel positionierte und einen Neuanfang in der deutschen Kunst nach dem Krieg proklamierte.

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In seiner neunteiligen Mappe der "Friedensgebote", die 2015 erscheint, appelliert der vielfach ausgezeichnete Objektkünstler an die Gleichwertigkeit der Weltreligionen und zeigt deutliche Parallelen zwischen den heiligen Schriften des Judentums, Christentums und dem Islam auf. Sein 2017 erscheinendes "Nagelkreuz" in heller und dunkler Ausführung spielt neben Jesus' Kreuzigungstod auch auf die Gottesmutter Maria als weiße und schwarze Madonna an und räumt damit die Existenz beider Erscheinungsformen ein. Damit schafft Uecker eine Gleichwertigkeit, die für viele seiner Werke charakteristisch ist.

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Einzeln oder zusammen erhältlich: Long walk to freedom (dunkel und hell)

(Foto: Geuer & Geuer Art Düsseldorf)

Es überrascht nicht, dass der Düsseldorfer Künstler 2018 ein skulpturales Meisterwerk in heller und dunkler Ausführung schafft, das dem südafrikanischen Freiheitskämpfer und ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela zu seinem 100. Geburtstag ein bedeutsames Denkmal in der Kunst setzt. Nach Mandelas gleichnamiger Autobiografie "Long walk to freedom" benannt, zeigt die Skulptur eine in Bronze gegossene Buch-Ausführung des internationalen Bestsellers, durch den Uecker lange Nägel geschlagen hat. In heller und dunkler Ausführung versinnbildlicht das Skulpturen-Duo die Gleichstellung von schwarzen und weißen Menschen. Es symbolisiert den Wunsch nach dem Ende von Unterdrückung und sozialer Ungerechtigkeit, die das Apartheitsregime hervorgerufen hat.

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Ueckers Skulpturen-Duo erinnert aber nicht nur an die Errungenschaften Mandelas, sondern richtet seinen Fokus auch darauf, dass Ungleichheit weltweit immer noch ein brisantes Thema ist. Damit ist Ueckers Denkmal an den Freiheitskämpfer auch ein bedeutsames Mahnmal an eine Welt, in der der Rechtspopulismus wieder verstärkt auf Vormarsch ist und die demokratischen Werte wie Gleichberechtigung und Freiheit für alle ein stückweit angreifbarer macht. Der Appell richtet sich also auch an uns, aktiv zu werden und sich gegen Unterdrückung und soziale Missstände einzusetzen.

Mehr Kunstwerke von Günter Uecker (Anzeige)

Die Dokumentation "Günther Uecker - Kuba, Kunst und Castro" mit Wolfram Kons ist jederzeit abrufbar bei TV NOW.

ntv art präsentiert in Kooperation mit Geuer & Geuer Art jeden Monat bedeutende Künstler der internationalen Kunstszene.

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