Zukunftsmacher

Deutschland hinten dran Viel Förderung, wenige Gründer

An Förderprogrammen für Existenzgründer herrscht in Deutschland kein Mangel, dafür aber an Gründern. "Die Bereitschaft zur Existenzgründung ist bei uns eher gering", sagt Marc Evers vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Prüfende Blicke im Reinraum: Ein Mitarbeiter von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) schaut sich einen 12-Inch-Wafer genauer an. Der Chiphersteller kann nach dem abgelaufenen Quartal einen Rekordgewinn verbuchen.

Im Hightech-Bereich hat Deutschland Potential. Es muss nur aktivierte werden.

(Foto: REUTERS)

Dabei stehen über 200 Förderprogramme stehen zur Verfügung. "In dieser Hinsicht sind wir ganz vorne mit dabei", so Evers. Aber die Auswirkungen sind noch nicht so wie erhofft. Gerade in der forschungsintensiven Industrie oder bei anspruchsvolleren Dienstleistungen lande Deutschland im Vergleich mit anderen Industriestaaten auf den hinteren Plätzen. In beiden Fällen ganz vorne mit dabei sind die USA und Großbritannien.

Auch deshalb sei es gut, dass an Hochschulen angegliederte Einrichtungen Studenten auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleiten. Solche sogenannten Präinkubatoren gebe es aber noch zu wenige. "Jede Uni sollte überlegen, einen Gründungsinkubator einzurichten", rät Evers. "Junge Existenzgründer brauchen den Kontakt zu Beteiligungskapitalgebern, Hightech-Gründungsstammtischen, aber auch zu den Handels- und den Handwerkskammern." Ideal wäre aus Sicht des Experten außerdem, wenn das Thema Existenzgründung in Fächern wie Physik oder Chemie schon im Grundstudium angesprochen würde.

Die Guten werden abgeworben

Das könnte später gerade solchen Studenten helfen, die längst an Themen arbeiten, die eine Steilvorlage für das eigene Unternehmen wären. "Der ein oder andere sagt sich dann vielleicht 'Ich könnte mich mit Nanotechnologie auch selbstständig machen'", erklärte Evers. Derzeit spiele Existenzgründung im Curriculum der meisten Studiengänge aber noch keine Rolle. "Wir haben großen Nachholbedarf, Themen wie Unternehmertum in der Bildung zu verankern", meinte Evers. "Das fängt schon damit an, dass es kein Schulfach Wirtschaft gibt und Unternehmer oder Existenzgründung in Schulbüchern fast gar nicht vorkommen."

Bei den Hochschulabsolventen kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Wer einen Abschluss in der Tasche hat, mit dem er problemlos zwischen mehreren Stellenangeboten wählen kann, grübelt oft nicht lange über ein eigenes Unternehmen nach. "Gerade angesichts des Fachkräftemangels in vielen Bereichen sind diejenigen, die sich selbstständig machen könnten, auch anderswo gefragt."

 

Quelle: ntv.de, dpa