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Geniestreich vor 110 JahrenCadillac - mit dem V8 zum "Standard of the World"

18.01.2026, 06:03 Uhr
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Vor 110 Jahren führte Cadillac das Modell Type 51 ein, mit dem ersten Großserien-V8 der Autogeschichte. (Foto: Cadillac)

Cadillac ist zurück in Europa – mit elektrischen Luxus-SUV. Ob die E-Autos an den Glanz der V8-Giganten anknüpfen können, mit denen Cadillac laut Markencredo zum "Standard of the World" avancierte, wird erst die Zukunft zeigen. Vor 110 Jahren lancierte Cadillac den ersten V8: ein Motor für Präsidenten, Popstars - und Familien.

Lyriq, Vistiq und Optiq: mit diesem SUV-Trio versucht Cadillac heute ein Comeback in Europa. Drei Elektroautos, die das Premiumsegment mit US-amerikanischem Glamour aufladen sollen - so wie einst, als Cadillac mit V8-Motoren im Fullsize-Format zum "Standard of the World" aufstieg.

Während sich Rolls-Royce nach einem 1905 präsentierten V8-Versuch viele Jahrzehnte mit Reihen-Sechszylindern begnügte, gelang dem amerikanischen Luxus-Konkurrenten Cadillac vor 110 Jahren ein technischer Geniestreich. Der global erste Großserien-V8 setzte Maßstäbe in der Antriebstechnologie, zumal er in Kombination mit einem elektrischen Anlasser verkauft wurde, der die umständlich zu bedienende Startkurbel ersetzte.

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Keine Kopie eines DeDion-V8, wie böse Gerüchte behaupteten, sondern eine Eigenentwicklung: Der erste Cadillac V8 von 1915 war robuster, laufruhiger und stärker als die üblichen Sechszylinder (Foto: Cadillac)

"American Dream" und "Goddess" auf Rädern

Damit überzeugte Cadillac als erste Prestigemarke auch Frauen, während andererseits die US-Armee den 5,1-Liter-V8 als Kraftwerk für Kriegsgeräte auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs nutzte. Vor allem aber brachte der V8-Cadillac den "American Dream" auf die Räder: Wohlstand und Luxus mit leistungsstarken Hightech-Modellen, die ab 1930 eine "Goddess" auf dem Kühler trugen - das war eine "göttliche" Antwort auf den "Spirit of Ecstasy" bei Rolls-Royce oder den Stuttgarter Stern.

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Mit kraftvollen V8 in modernen Modellen wie dem 335 C überlebte Cadillac die Wirtschaftsdepression der 1930er Jahre. Verluste gehörten aber dazu – so sanken die Verkäufe 1933 um 80 Prozent. (Foto: Cadillac)

Bis Mitte der 1970er Jahre präsentierten sich die Cadillac-Vielzylinder - es gab sogar V16 - in pompösen Chrom-Karosserien, die in Europa polarisierten. Während Pop- und Showstars sowie Präsidenten und Royals den raffinierten Komfort der Fullsize-Straßenkreuzer stets goutierten, zählten Cadillac-V8 für Autohasser zum Feindbild der "Gas-Guzzler" mit zu hohen Verbrauchswerten. Erst Downsizing-Modelle und Stromer sicherten Cadillac auch in der Alten Welt gesellschaftliche Akzeptanz.

So avancierte der bis rund 5,80 Meter lange Luxus-SUV Cadillac Escalade mit mächtigem 6,2-Liter-V8 in Amerika zum Favoriten für Rapper, Sport- und Filmstars, aber auch wohlhabende Familien, dagegen verkauft er sich diesseits des Atlantiks nur in kleinster Zahl.

Bleibt abzuwarten, ob der neue vollelektrische Escalade iQ die Popularität dieses SUV pushen kann - immerhin werden die drei kompakteren, elektrischen SUV Cadillac Optiq, Lyriq und Vistiq (4,82 bis 5,22 Meter Länge, also im Format der süddeutschen Premium-Platzhirsche) hierzulande auch von Fachmedien gelobt. Ob diese Stromer aber an den Mythos der hubraumgewaltigen V8-Motoren in legendären Cadillac-Modellen wie Eldorado, Fleetwood, Seville oder Series 62 anknüpfen können, muss sich noch zeigen.

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In Nordamerika populär, in Europa eine Rarität: der bis 5,77 Meter lange Cadillac Escalade, nun auch vollelektrisch. (Foto: Cadillac)

Elvis kaufte mehr als 100 V8-Chromkreuzer

Der seit 1915 gebaute und permanent weiterentwickelte V8 sicherte Cadillac im exklusiven Club der Hightech-Marken früh eine Führungsrolle - die deutschen Hersteller NAG und Horch etwa lancierten erst in den 1930ern V8, auch Henry Fords berühmter Flathead-3,6-Liter-V8 folgte erst 1932.

In Kombination mit einem permanenten Innovationenfeuerwerk - von der Getriebeautomatik Hydramatic (1941) über Lichtautomatik und Tempomat (1957), Klimaautomatik (1964) bis zur Infrarot-Nachtsicht (1999) - machten die V8-Drehmoment-Giganten (710 Nm schon in den 1960ern) Cadillac zu einer Ikone des amerikanischen Luxus, die spätestens seit Elvis Presley (er kaufte über 100 V8-Chromkreuzer) Musik, Mode und Film mitprägt.

Er war nicht der erste, aber der erste erfolgreichste Achtzylinder nach der Formel V. Während die V8-Konstruktionen von Rolls-Royce (1905) und dem französischen Autobauer De Dion Bouton (1910) im Anfangsstadium stecken blieben, realisierte Cadillac ab 1913 einen großserientauglichen Achtender mit Zylindern in 90-Grad-Anordnung.

America First: US-Präsidenten im Cadillac

Woodrow Wilson, 28. Präsident der USA und Initiator des Slogans "America First", begründete damals gerade die Tradition US-amerikanischer Präsidenten, bei offiziellen Anlässen mit einem Cadillac vorzufahren. Später avancierte Fords Premiumtochter Lincoln zum Cadillac-Konkurrenten, aber die meisten Präsidenten wie John F. Kennedy, Ronald Reagan, Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama oder Donald Trump vertrauten auf den Komfort von Cadillac-V8-Staatskarossen.

Panzerschrank-mit-praesidialem-Prestige-Der-Cadillac-Fleetwood-V8-von-1993-steht-in-einer-langen-Tradition-von-Cadillac-Modellen-fuers-Weisse-Haus
Panzerschrank mit präsidialem Prestige: Der Cadillac Fleetwood V8 von 1993 steht in einer langen Tradition von Cadillac-Modellen fürs Weiße Haus. (Foto: Cadillac)

Eine Motorenkonstruktion, die 1915 im Modell Cadillac Type 51 V-8 debütierte und hinsichtlich der Laufruhe bei Luxusmodellen globale Maßstäbe setzte. Nicht nur Repräsentationslimousinen, auch sportive Coupés und vor allem familienfreundliche Tourer wurden von dem 51 kW/70 PS starken V8 auf damals furiose 60 mph (96 km/h) beschleunigt. Tatsächlich war es nicht nur das Ford Model T, sondern auch der schnelle Cadillac Type 51, der 1916 den Aufbau eines von Washington geförderten Highway-Netzes in den USA initiierte: Cadillac-Fan Präsident Wilson unterzeichnete den Federal Aid Road Act.

Über 13.000 Cadillac V-8 schon im ersten Modelljahr und von 1916 bis 1923 gut 20 bis 26.000 Einheiten jährlich von der um die Typen 53 bis 61 erweiterten Modellfamilie - das war im Luxussegment ähnlich sensationell wie die Verbreitung des Ford Model T als Volksauto. Rolls-Royce zog sich angesichts der Dominanz von Cadillac sogar zeitweilig zurück vom gewinnträchtigen US-Markt. Zum Vergleich: Bis zum Ersten Weltkrieg brachte es die gesamte deutsche Autoindustrie auf maximal 20.000 Einheiten per annum.

V8-Kurbelwelle mit zwei Ebenen ab 1923

Nach dem Krieg debütierte 1923 bei Cadillac die V8-Kurbelwelle mit zwei Ebenen, die den Ausgleich nahezu aller Rüttelmomente beim Motorbetrieb ermöglichte, ein kultivierter Motorlauf, der nach Meinung von Fachleuten die Rolls-Royce-Aggregate nochmals deklassierte. Autos für Könige, Kings of Pop and Showbiz sowie Präsidenten bauten fortan beide, Cadillac und Rolls-Royce - ernsthafte Konkurrenten wurden die Marken aber nie, auch wenn die Amerikaner noch in den 1950er Jahren mit dem Prestigemodell Eldorado Brougham mit 6,0-Liter-V8 eine beeindruckende Phantom-Alternative mit vier gegenläufig öffnenden Türen in einer Karosserie ohne B-Säule in Serie brachten. Trotzdem: Der globale Geldadel präferiert bis heute europäische Prestigefabrikate, auch in Amerika.

V8-Kommandozentrale-mit-Space-Age-Charme-Die-Cadillac-Cockpits-der-1950er-Jahre-schwelgten-in-Chrom-und-damals-futuristischen-Komfortfeatures
V8-Kommandozentrale mit Space-Age-Charme: Die Cadillac-Cockpits der 1950er Jahre schwelgten in Chrom und damals futuristischen Komfortfeatures. (Foto: Autodrom)

Flops undgescheiterte Experimente

Keine Premiummarke ohne gescheiterte Experimente: Auch Cadillac leistete sich Flops, so konnten kleine Vier- und Sechszylinder-Modelle wie der Badge-Engineering-Typ Cimarron von 1982 (alias Opel Ascona) oder das Saab-9-3-Derivat Cadillac BLS (von 2005) nie abheben. Auch die Downsizing-Formate der späten 1970er verschmähten die Kunden, passten sie doch nicht zur sonst so mutigen - weltweit ältesten - Designabteilung eines Autobauers.

Es sind eben die glamourösen Entwürfe von Harley Earl (gilt als Vater des modernen Autodesigns und Erfinder der Heckflossen beim Cadillac Sixty Special von 1948), Ed Glowacke (designte die Space-Age-Pioniere der 1950er á la Eldorado), Bill Mitchell (kreierte 1967 den Frontantriebs-Eldorado mit bis zu 8,2 Liter Hubraum und den zeitlos kantigen 1975er Seville), Kip Wasenko (mit STS oder CTS-V feierte er ein V8-Revival zur Jahrtausendwende) oder vom heutigen Designteams unter Bryan Nesbitt, die Cadillacs Nimbus als Inbegriff des "amerikanischen Luxus" festigten.

Vollelektrischer-Neustart-Mit-SUV-Modellen-wie-dem-Vistiq-versucht-Cadillac-ein-Comeback-in-Deutschland
Vollelektrischer Neustart: Mit SUV-Modellen wie dem Vistiq versucht Cadillac ein Comeback in Deutschland. (Foto: Autodrom)

Ob aber der amerikanische Traum ohne V8 funktioniert? Die Elektriker Lyriq, Vistiq und Optiq evaluieren es und bekommen Unterstützung durch den majestätischen, handgefertigten Luxusliner Celestiq.

Chronik Cadillac V8-Typen

1902: Cadillac wird aus den Überresten der von 1901 bis 1902 existierenden Henry Ford Company gegründet, ein nach dem Automobilpionier Henry Ford benanntes Unternehmen. Das seit 22. August 1902 als Cadillac Automobile Company firmierende Unternehmen ist benannt nach Antoine Laumet de La Mothe, sieur de Cadillac, Gründer der Stadt Detroit. Das erste Cadillac-Modell vom Typ A wird im September eingeführt

1903: Von den frühen Modellen Cadillac A, B, E, F, K, M, S und T werden bis 1908 insgesamt 13.981 Einheiten gebaut

1907: Präzisionsgefertigte, auf Lager liegende Ersatzteile setzen branchenweit Maßstäbe und Cadillac gewinnt den Ruf eines Qualitätsherstellers

1909: Cadillac wird in den General-Motors-Konzern integriert

1911: Erstmals werden über 10.000 Cadillac in einem Jahr gebaut

1912: Erste Überlegungen zu einem V8-Motor. Das Modell 30 erhält als weltweit erstes Serienfahrzeug einen elektrischen Anlasser inklusive elektrischer Beleuchtung

1913: Die Entwicklung eines Achtzylinder-Motors in V-Bauweise kommt in Gang. Woodrow Wilson, 28. Präsident der USA und Initiator des Slogans "America First", begründet die Tradition US-amerikanischer Präsidenten, bei offiziellen Anlässen mit einem Cadillac vorzufahren. Später avanciert die Premiummarke Lincoln zum Cadillac-Konkurrenten, aber die meisten Präsidenten wie Dwight. D. Eisenhower, John F. Kennedy, Lyndon B. Johnson, Ronald Reagan, Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama bis zu Donald Trump nutzen weiterhin Cadillac-Repräsentationslimousinen

1915: Als weltweit erstes Automobil geht der Cadillac Typ 51 mit V8-Motor (5,1 Liter Hubraum und 70 PS Leistung) in Serienproduktion. Das US-Kriegsministerium kauft mehr als 2.000 Cadillac-V8-Modelle für den Einsatz in Europa während des Ersten Weltkriegs

1922: Die von Cadillac eingeführte thermostatische Kraftstoffgemischregelung befreit den Fahrer von allen Vergasereinstellungen außer der Choke-Bedienung beim Starten

1923: Revolutionär ist die Erfindung der V8-Kurbelwelle mit zwei Ebenen, die es zulässt, dass die Kurbelwellenkröpfungen in 90-Grad-Abständen angeordnet werden, statt wie bisher in 180-Grad-Abständen. Das Resultat ist der Ausgleich nahezu aller Rüttelmomente beim Motorbetrieb, also ein beispielhaft kultivierter Motorlauf, der nach Meinung von Fachleuten auch die Rolls-Royce-Aggregate übertrifft

1926: Cadillac bietet 500 Farb- und Polsterkombinationen an

1927: Als erster Hersteller richtet Cadillac ein Designstudio ein, geführt durch Harley Earl

1928: Erste Cadillac-V8-Modelle mit synchronisiertem Schaltgetriebe "Synchro-Mesh", das den Verzicht aufs damals notwendige "Zwischengas" ermöglicht

1929: Der legendäre Gangster Al Capone vertraut auf eine 1929er-Cadillac-V8-Limousine als Fluchtfahrzeug

1930: Die Cadillac-Kühlerfigur "Goddess" wird eingeführt als Gegenentwurf zu Kühlerfiguren wie des "Spirit of Ecstasy" bei Rolls-Royce. Entworfen von William N. Schnell und später von Chris J. Klein und John R. Morgan überarbeitet, zeigt die "Goddess" eine impressionistisch-fließende Figur mit Flügeln. Die Figur wird bis 1959 genutzt, ab den 1940ern nimmt sie Designtrends aus dem Flugzeugbau auf. 2022 feiert die Goddess ein Revival beim Cadillac Celestiq, um zu betonen, dass dieses Flaggschiff gegen Luxusmarken wie Rolls-Royce antritt. Cadillac produziert mit dem Series 452 das global erste Serienfahrzeug mit V16-Maschine (7,4 Liter Hubraum, 160 PS). Bereits im ersten Jahr werden trotz der Weltwirtschaftskrise 3.250 V16-Fahrzeuge verkauft, hinzu kommen 5.725 Zwölfzylinder

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Goddess vs. Spirit of Ecstasy: Die elegante Cadillac-Kühlerfigur konterte 1930 das Rolls-Royce-Maskottchen und schmückte auch die frühen Nachkriegs-V8.

1933: Das stromlinienförmige Cadillac Aerodynamic Coupé mit V16-Motor debütiert bei der Weltausstellung in Chicago und beflügelt den Stromlinientrend

1938: Cadillac verlegt den Schalthebel an die Lenksäule, wodurch drei Sitze nebeneinander in der ersten Reihe möglich werden. Außerdem bietet Cadillac als erster US-Hersteller Schiebedächer an

1941: Einführung des vollautomatischen Vierganggetriebes Hydra-Matic, damit ist Cadillac der weltweit zweite Anbieter automatischer Vierganggetriebe (nach Oldsmobile). Mit 66.130 verkauften V8-Pkw in einem Jahr erzielt Cadillac einen neuen Bestwert in der Markengeschichte

1943-1945: Keine neuen Cadillac-Pkw-Modelle; die Produktionskapazitäten von Cadillac werden für Rüstungsgüter genutzt, vor allem für den leichten Panzer M24 Chaffee

1946: Cadillac-Pkw werden wieder verkauft und US-Präsident Harry S. Truman setzt Zeichen, als er ein Series 62 Convertible als Dienstwagen einsetzt

1948: Die ersten komplett neu gestalteten Cadillac-Modelle der Nachkriegszeit kommen auf den Markt. Cadillac und andere GM-Marken führen die erste gewölbte Windschutzscheibe der Branche ein. Beginn der Heckflossen-Designära mit dem Cadillac Sixty Special V8 (die Heckflossen sind von den Heckrudern des Kampfflugzeugs P-38 Lightning inspiriert)

Mehr-Hubraum-und-Heckflossen-Der-Cadillac-Sixty-Special-von-1948-wurde-von-einem-neuen-5-4-Liter-V8-beschleunigt-und-eroeffnete-die-Aera-der-Flossen-im-Flugzeugdesign
Mehr Hubraum und Heckflossen: Der Cadillac Sixty Special von 1948 wurde von einem neuen 5,4-Liter-V8 beschleunigt und eröffnete die Ära der Flossen im Flugzeugdesign. (Foto: Cadillac)

1949: Cadillac führt einen neuen V8-Motor mit hoher Kompression, kurzem Hub und leichter Bauweise ein. Dieser 5,4-Liter-V8-Motor leistet 160 PS. Das Cadillac Coupe DeVille führt die zweitürige Hardtop-Karosserieform ein. Die "DeVille"-Baureihe wird teilweise auch "de Ville" genannt. Der einmillionste Cadillac (ein V8-Coupé DeVille) rollt am 25. November vom Band, bis zur zweiten Million dauert es nur noch neun Jahre

1950: Mit dem V8-Coupé DeVille, in fast serienmäßiger Ausführung, startet Cadillac erstmals bei den 24 Stunden von Le Mans und belegt auf Anhieb Platz zehn

Racing-in-den-Genen-2026-steigt-Cadillac-in-die-Formel-1-ein-schon-1958-reuessierte-ein-Coupe-DeVille-mit-325-PS-starkem-V8-beim-Langstreckenklassiker-Carrera-Panamericana
Racing in den Genen: 2026 steigt Cadillac in die Formel 1 ein, schon 1958 reüssierte ein Coupe DeVille mit 325 PS starkem V8 beim Langstreckenklassiker Carrera Panamericana. (Foto: Autodrom)

1952: Zum 50-jährigen Unternehmensjubiläum debütiert der Cadillac Eldorado mit 5,4-Liter-V8-Motor. Vorbote für die Eldorado-Baureihe ist das Showcar "El Dorado Golden Anniversary", das nach dem legendären Goldland in Südamerika benannt ist. Ab 1953 gibt es das offene zweitürige Serienmodell Eldorado V8, das oberhalb des Cadillac Series 62 positioniert ist

1953: Cadillac bietet erstmals Air Conditioning an, schon neun Jahre später werden rund 60 Prozent aller Cadillac mit Klimaanlage ausgeliefert. Die "Dagmars" (in Anlehnung an den Künstlernamen der TV-Schauspielerin Virginia Ruth Egnor) genannten Stoßstangenhörner debütieren

1954: Als erster Automobilhersteller der Welt rüstet Cadillac alle Fahrzeuge serienmäßig mit Servolenkung aus

1955: Elvis Presley erwirbt bis zu seinem Tod im Jahr 1977 über 100 Cadillac mit V8-Motoren, von denen er viele an Freunde und Familienmitglieder verschenkt. Seine allerletzte Fahrt absolviert Presley in einem weißen 1977er Cadillac-Miller-Meteor-Bestattungsfahrzeug

1956: Die zweitürigen Cadillac-V8-Prestigemodelle werden als Eldorado Coupé und als Eldorado Biarritz Convertible angeboten. Neu ist der erste Cadillac Seville, ein Viertürer, dessen Namen auf die spanische Stadt Sevilla Bezug nimmt. Cadillac verkauft etwa vier Mal so viele Fahrzeuge wie die Rivalen Lincoln und Imperial (Chrysler) zusammen

1957: Das Prestigemodell Eldorado Brougham mit 6,0-Liter-V8 geht in Serie (Vorstellung schon Ende 1956) und überrascht mit damals neuartigen Details wie elektrisch verstellbarem Fahrersitz mit Memory-Funktion und getrennter Heizung für Vorder- und Rücksitze. Innovativ sogar in der Luxusklasse sind die Luftfederung und Aluminiumräder, außerdem das Dach aus gebürstetem Edelstahl, vier gegenläufig öffnende Türen in einer Karosserie ohne B-Säule, Tempomat, eine automatische Kofferraumöffnung, Autronic Eye (automatische Scheinwerferaktivierung), elektrische Fensterheber, geschmiedete Aluminiumfelgen, Transistorradio, Klimaanlage und eine Auswahl von 44 Volllederausstattungskombinationen

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V8-Power im Highend-Segment: Der rund 5,50 Meter lange Cadillac Eldorado Brougham sollte ab 1957 die Rivalen von Lincoln und Rolls-Royce mit Portaltüren und Loungekomfort übertreffen. (Foto: Autodrom)

1959: Die Ära des Heckflossendesigns erreicht mit dem Cadillac Eldorado (6,4 Liter Hubraum, 345 PS) ihren Höhepunkt. Die Flossen messen 97 Zentimeter in der Höhe, branchenweiter Rekord. Queen Elizabeth II. nutzt eine Cadillac V8-Landaulet-Limousine bei ihrer "Royal Tour" durch Kanada

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Höhepunkt der Heckflossenära: Im Jahr 1959 ragten die Finnen fast einen Meter hoch, hier ein Cadillac Series 62 Six-Windows Coupé. (Foto: Autodrom)

1960: Cadillac setzt auf eine neue Designlinie mit klaren, kantigen Linien ohne exzessive Heckflossen, dafür auf starke V8, die einerseits sportlichere Fahrleistungen als europäische Konkurrenten von Bentley oder Rolls-Royce ermöglichen (0-100 km/h in gut 10,5 Sekunden), andererseits laut Marketing "flüsterleisen Lauf" bieten

1961: Pininfarina entwickelt den V8-Hardtop-Sedan "Brougham Jaqueline" zu Ehren von Jaqueline Kennedy, der damaligen First Lady der USA. Auch Präsident John F. Kennedy ist regelmäßig mit Cadillac-Limousinen auf Dienstreisen unterwegs

1964: Cadillac präsentiert als erster Automobilhersteller ein thermostatgesteuertes Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungssystem

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Damals wie heute ein Hingucker: das Cadillac Coupe DeVille mit Finnen im XXL-Format. (Foto: Autodrom)

1965: Neu ist die längs- und höhenverstellbare Lenksäule in Cadillac-Modellen. Das Coupe DeVille mit V8-Motor wird für das Modelljahr 1965 komplett neu gestaltet und zeichnet sich durch einen klaren Stil aus, der dem großen Zweitürer eine elegante und imposante Straßenpräsenz verleiht. Das neue Design bietet mit feinen Details eine Hommage an die Vorgängermodelle mit Heckflossen

1966: Erstmals verkauft Cadillac in einem Jahr mehr als 200.000 Einheiten mit V8-Triebwerk. Die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung, das Stereo-Autoradio und die Sitzheizung debütieren bei Cadillac

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Mehr als 200.000 V8-Cadillac in einem Jahr (im Bild ein DeVille Convertible) – diesen Meilenstein feierten die amerikanische Premiummarke 1966. (Foto: Autodrom)

1967: Als erster Cadillac und erstes modernes V8-Modell mit Frontantrieb debütiert der Fleetwood Eldorado (7,0 Liter Hubraum, 340 PS) mit Frontantrieb. Der Eldorado wird technisch und stilistisch von den Cadillac-Standardmodellen separiert und zum eigenständigen Luxuscoupé entwickelt

1968: Der neue Cadillac Series 75 ist 6,23 Meter lang (Radstand 3,80 Meter), Rekord in der Markengeschichte. Neuer 7,7-Liter-V8 für den Eldorado. Mit 710 Nm setzt er branchenweit eine Drehmoment-Bestmarke

1970: Der 2,5 Tonnen schwere und 200 km/h schnelle Eldorado debütiert mit dem bis dahin hubraumgrößten Großserienmotor der Automobilgeschichte (8,2 Liter V8 mit 400 PS)

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Klare Kanten, fast endlos lange Linien und ein bärenstarker V8: Auch 1970 setzte der Cadillac DeVille einen Kontrapunkt zur europäischen Konkurrenz. (Foto: Autodrom)

1971: Als neue Ausstattungsoption gibt es bei Cadillac ein elektronisch gesteuertes ABS für die Hinterradbremsen

1972: Cadillac feiert die serienmäßige Ausstattung aller Modelle mit Sicherheitsgurten, für amerikanische Autobauer eine Innovation. Volvo dagegen bietet schon seit 1959 serienmäßige Sicherheitsgurte. Zum 50-jährigen Firmenjubiläum zeigt Cadillac einen aufgefrischten DeVille mit 345 PS starkem V8

1974: Ein erster Airbag geht in Produktion, das sogenannte "Air Cushion Restraint System"

1975: Als erster US-Hersteller führt Cadillac die elektronische Benzineinspritzung ein. Der nach der ersten Energiekrise kompakter gestaltete Cadillac Seville geht mit 170 PS leistendem 5,7-Liter-V8-Benziner in Serie

1976: Mit Ende der Produktion des Eldorado Convertible nach 14.000 Einheiten endet die Herstellung amerikanischer Cabriolets vorübergehend

Letztes-Cabrio-made-in-USA-Als-sich-der-Cadillac-Eldorado-1976-voruebergehend-verabschiedete-glaubten-nicht-wenige-dass-die-Aera-des-V8-Kreuzers-vorbei-sei
Letztes Cabrio made in USA: Als sich der Cadillac Eldorado 1976 vorübergehend verabschiedete, glaubten nicht wenige, dass die Ära des V8-Kreuzers vorbei sei. (Foto: Cadiilac)

1978: Der Cadillac Seville debütiert mit Bordcomputer

1979: Bis 1985 ist das V8-Coupé Cadillac Eldorado in Nordamerika im Segment der Personal Luxury Cars Marktführer. 1979 leistet der 5,7-Liter-V8 noch 170 PS. Mit jährlichen Verkaufszahlen zwischen 52 und 74.000 Einheiten übertrifft der Eldorado seine Konkurrenten von Ford (Lincoln Continental Mark VI mit 11.000 bis 38.000 Einheiten) und Chrysler Imperial Coupé (1.500 bis 8.100 Einheiten pro Jahr) deutlich

1980: Erster Cadillac Seville mit Frontantrieb. Zum Modelljahr 1980 ersetzt ein V8 mit 6,0 Litern Hubraum das 5,7-Liter-Aggregat. Der 6,0-Liter-V8 verfügt über eine digitale Benzineinspritzung und leistet 145 PS, die Modelle DeVille und Fleetwood sind fünf PS stärker

1981: Revolutionäre Zylinderabschaltung beim 140 PS starken V8-Typ Cadillac DeVille. Je nach Leistungsabruf arbeiten vier, sechs oder acht Zylinder; die Abschaltung erfolgt elektromechanisch, allerdings zunächst unzuverlässig

1982: Die neue Vierzylinder- und V6-Kompakt-Limousine Cadillac Cimarron basiert auf den GM J-Cars und ist zugleich eng verwandt mit dem Opel Ascona

1984: Mit dem Eldorado Biarritz Convertible kommt die Cabrio-Produktion erneut in Fahrt

1985: Im DeVille kombiniert Cadillac als erster Autobauer einen vorn quer eingebauten V8 mit Vorderradantrieb. Auch der Eldorado nutzt in neuer Auflage (nur noch 4,78 Meter lang) einen quer eingebauten 4,1 Liter-V8, der 97 kW/132 PS leistet

1989: Das bei Pininfarina in Turin/Italien produzierte Luxus-Cabriolet Allanté verfügt als erster Cadillac über eine geschwindigkeitsabhängig arbeitende Dämpfung. Eine globale Premiere ist zudem die elektronische Traktionskontrolle in Kombination mit Frontantrieb. Ab 1992 ist der Allanté mit dem 4,6-Liter-Northstar-V8 mit 32 Ventilen verfügbar. 1993 gibt es den Allanté mit geschwindigkeitsabhängiger Servolenkung und adaptiven Stoßdämpfern (RSS, Road-Sensing-Suspension)

1991: In der Neuauflage des Cadillac Seville gibt es erstmals den 4,6-Liter-Northstar-Motor mit Vierventil-Technik und 300 PS, ab 1998 gibt es den Seville mit adaptivem Sitzsystem

1992: Im Januar debütiert in Detroit die zwölfte und vorläufig letzte Generation des Eldorado als neues, auf 5,13 Meter Länge gestrecktes Modell in betont kantigen Linien. Für Vortrieb sorgt ein 4,9-Liter-Northstar-V8 (201 kW/273 PS bzw. 216 kW/294 PS). Im Herbst 1995 erstarkt der Northstar-Motor auf bis zu 224 kW/305 PS. Der Eldorado läuft erst 2002 aus

1997: Neues Einstiegsmodell mit 3,0-Liter-V6 ist der Cadillac Catera als Variante des Opel Omega, Produktion bei Opel

1999: Mit "NightVision" führt Cadillac als erster Autohersteller eine Infrarot-Nachtsichttechnologie ein. Der 5,11 Meter lange SUV Cadillac Escalade mit 5,7-Liter-V8 geht als Antwort auf den Lincoln Navigator in Produktion und wird bis heute produziert, dies inzwischen in fünf Generationen, gestreckt auf bis zu rund 5,80 Meter Länge und mit bis zu 6,2 Liter großen V8-Maschinen

2000: Cadillac startet mit dem V8-Northstar-LMP nach 50 Jahren Pause wieder in Le Mans. Cadillac feiert insgesamt elf Millionen verkaufte Fahrzeuge in den USA

2002: Mit dem Supersportwagen-Concept Cien feiert Cadillac das 100-jährige Markenjubiläum. Im Rennwagen Northstar LMP 02 arbeitet erstmals ein Cadillac-Motor mit über 600 PS

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Mit dem legendären Northstar-V8 unter der Haube trat der Cadillac Seville von 2002 auch gegen BMW 7er, Audi A8 und Mercedes S-Klasse an. (Foto: Cadillac)

2003: Die Einführung des CTS läutete die Einführung der Designsprache "Art & Science" bei Cadillac ein

2004: Die Hochleistungslimousine Cadillac CTS-V geht in Produktion und wird bis 2019 in drei Generationen gebaut als Herausforderer von BMW M3/M5, Mercedes-AMG und sportiven Lexus-Modellen

2005: Bei Saab im schwedischen Trollhättan beginnt die Produktion des BLS auf Basis des Saab 9-3. Der Cadillac BLS wird nur auf Exportmärkten verkauft

2006: Der traditionsreiche Modellname DeVille entfällt zugunsten der Abkürzung DTS (DeVille Touring Sedan)

2008: Der Escalade debütiert als erster Full-Size-SUV mit Hybridantrieb

2011: Eine neue Nordschleifen-Bestzeit für Serien-Pkw (7:59.32 Minuten) erzielt der Cadillac CTS-V mit 6,2-Liter-V8 mit Kompressoraufladung. Die Motorleistung beträgt 415 kW/564 PS

2014: Der Plug-in-Hybrid Cadillac ELR ist Vorbote der Elektrifizierung der Marke. Dazu setzt der ELR auf das Antriebssystem des Chevrolet Volt mit einem Elektromotor, Akku (60 Kilometer elektrische Reichweite) und einem Vierzylinder-Benziner

2016: Als erster Cadillac mit Hinterradantrieb seit dem Fleetwood von 1996 debütiert die neue Limousine CT6. Von 2019 bis 2020 ist der CT6 auch mit einem 410 kW/ 557 PS starken 4,2-Liter V8 statt der sonst üblichen Vier- und Sechszylinder im Angebot

2019: Generationenwechsel zum Modelljahr 2020 bei den Vier- und Sechszylindern Cadillac XT6 (SUV) und CT5 (Nachfolger des CTS). Als CT5-V Blackwing ab 2021 auch mit 498 kW/677 PS starkem 6,2-Liter-V8. Cadillac verkauft im Jahr 2019 insgesamt 390.458 Fahrzeuge, neuer Allzeit-Bestwert

2022: Cadillac wird 120 Jahre alt. Cadillac-Modelle werden weltweit nur noch auf 33 Märkten verkauft, die wichtigsten sind USA, China und Kanada. In Deutschland konzentriert sich das offizielle Modellangebot auf den Kompakt-SUV Cadillac XT4. Über private Importeure sind allerdings weitere Modelle wie der Escalade erhältlich. Marktstart für den vollelektrischen Cadillac Lyriq, außerdem debütiert das elektrische Markenflaggschiff Celestiq, zunächst als seriennahes Concept Car

2025/26: In Europa und Deutschland konzentriert sich Cadillac auf die vollelektrischen SUV Optiq, Lyriq und Vistiq. Dennoch wird das V8-Jubiläum bei Klassiker-Events von der Community gefeiert

Quelle: ntv.de, Wolfram Nickel, sp-x

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