Echt viel Auto fürs Geld Dacia Bigster - Preis-Kompromisse nötig, aber zu verkraften

Dass man bei Dacia viel Auto fürs Geld bekommt, ist nicht neu. Beim Dacia Bigster Hybrid gibt es aber nun "richtig viel" Pkw für den Euro: Das große SUV sieht gut aus, hat Platz, zeitgemäße Technik und einen effizienten Antrieb. Ganz ohne Kompromisse geht es aber auch weiterhin nicht.
Die Zeiten, in denen Dacia die alte Renault-Technik auftragen musste, sind schon seit einigen Jahren vorbei. Auch der Bigster nutzt nun nicht mehr eine längst abgeschriebene Uralt-Plattform, sondern basiert auf der neuesten Version der Konzern-Architektur. Das hat aus Kundensicht nicht zuletzt zwei Vorteile: ein modernes Infotainment und den Zugriff auf die aktuelle elektrifizierte Antriebstechnik.
In unserem Fall in Form des Vollhybrids, der sich sowohl bei Fahrleistungen als auch hinsichtlich der Effizienz oberhalb der alternativ angebotenen Mildhybrid-Ottomotoren mit Benzin- oder LPG-Betrieb einsortiert. Seit Kurzem ist er außerdem in einer neuen Top-Variante mit Allradantrieb und Autogas zu haben.
Hohe Effizienz, aber eher mäßige Fahrleistungen
Die 116 kW/155 PS starke Kombination aus 1,8-Liter-Vierzylinder und zwei E-Motoren ist in unterschiedlichen Varianten bereits aus anderen Modellen der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz bekannt - und zeigt auch im großen Dacia seinen bekannten Charakter. Und der ist auf der Haben-Seite vor allem durch hohe Effizienz geprägt - selbst im Autobahnbetrieb lassen sich locker Werte um die fünf Liter erreichen, auf der Landstraße geht es noch tiefer. In der Stadt ist der Bigster überraschend häufig im reinen E-Betrieb unterwegs, was neben einer Verbrauchsminderung auch in einem agilen Antritt beim Losfahren und bei Zwischenspurts resultiert.
Auf der anderen Seite wird die Effizienz mit eher mäßigen Fahrleistungen erkauft. Bis Tempo 100 vergehen knapp 10 Sekunden, maximal sind 180 km/h möglich. Ausreizen mag man beides nicht. Denn noch stärker als bei den Modellen der preislich höher positionierten Schwestermarken quittiert der Dacia die Leistungsabfrage des Fahrers nicht nur mit schwindender Effizienz, sondern auch mit dröhnigem Motoren-Sound. Die Rumänen haben knallhart und ziemlich konsequent bei der Geräuschdämmung gespart, was vor allem längere Fahrten akustisch anstrengend machen kann.
Eher was für kurze und mittlere Strecken
In Kombination mit den ebenfalls kostenoptimierten Sitzen (weich, kurz und wenig konturiert) macht der Bigster auf Langstrecke nicht so richtig Spaß. Zweimal im Jahr in den Urlaub dürfte gehen, werktägliche Außendienstfahrten über dreistellige Kilometerdistanzen eher nicht.
Kurze und mittlere Strecken, gerne auch mit viel Ladung, sind das eigentliche Geläuf des großen Kompakt-SUVs. Das Fahrwerk ist durchaus sensibel, reaktiv und gleichzeitig komfortabel geraten, das Raumempfinden in Reihe eins ist mindestens ordentlich. Im Fond geht es ebenfalls geräumig zu, herausragend ist aber der Gepäckraum mit seinen über 500 Litern (fast 2.000 Liter bei umgeklappter Rückbank), dem ebenen Boden und dem allgemein gut nutzbaren Zuschnitt. Kleiner Kritikpunkt: Das aus der nicht besonders weit aufschwingenden Heckklappe herausragende Schloss hat im Test für mehr als eine Beule am Kopf gesorgt.
Sparansatz lässt sich verkraften
Durchaus gefällig hat Dacia den Innenraum hinbekommen. Natürlich dominiert in Cockpit und Türverkleidungen preisgünstiges Hartplastik, dank der robust-offroadigen und stilistisch eigenständigen Gestaltung wirkt aber alles passend und am rechten Platz.
Auch der Sparansatz beim Infotainment lässt sich verkraften: Zwar nutzt der Bigster nicht das komfortable Google-System der Renault-Modelle, seine abgespeckte Software aber arbeitet flott genug und lässt sich ordentlich bedienen. Alternativ macht der kabellose Android-Automotive- und Apple-Car-Play-Anschluss die Navigation und das Musikstreaming per Handy möglich. Ablagen gibt es genug, wobei sich große Wasserflaschen in den Türfächern nur schlecht unterbringen lassen. Praktisch hingegen ist das gekühlte Staufach in der Mittelkonsole.
Ab 28.890 Euro zu haben
Zu haben ist der Hybrid-Bigster ab knapp 29.000 Euro - und dann bereits in der zweiten Ausstattungsvariante "Expression". Eine spärlich ausgestattete "Essential"-Ausführung spart sich Dacia bei der Top-Motorisierung und gibt somit serienmäßig immer Klimaautomatik, eine geteilt umklappbare Rückbank und Nebelscheinwerfer. Üppig ist auch das nicht. Aber wer aber knapp 2.000 Euro mehr in das "Journey"-Modell investiert, bekommt schon eine durchaus taugliche Ausstattung inklusive Multimediasystem, elektrischer Heckklappe und schlüssellosem Zugang.
Ordert man dann noch Metallic-Lack, das City-Paket mit Park- und Totwinkel-Kameras sowie das Winter-Paket mit Heizung für Sitze, Scheibe und Lenkrad , bleiben wenig Wünsche offen. Kostenpunkt: knapp 33.000 Euro. Das sind rund 5.000 Euro weniger als VW für den Basis-Tiguan verlangt.
Viel Platz, ein sparsamer, aber ausreichend kraftvoller Antrieb und ein gar nicht so spartanisches Ausstattungsangebot machen den Bigster zum bislang wohl komplettesten Dacia-Modell der Neuzeit. Ein paar Schwachpunkte bleiben zwar, vor allem bei der Reisetauglichkeit. Wer damit klarkommt, kriegt für sein Geld hier aber wirklich viel Auto.
Technische Daten - Dacia Bigster Hybrid 155
Fünftüriges, fünfsitzige SUV der Mittelklasse
Länge: 4,57 Meter, Breite: 1,81 Meter (mit Außenspiegeln: 2,07 Meter), Höhe: 1,71 Meter, Radstand: 2,70 Meter, Kofferraumvolumen: 546/1.851 l;
1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner, Systemleistung 115 kW/155 PS, maximales Drehmoment: Benziner 172 Nm, Elektro 205 Nm, Frontantrieb, Multi-Mode-Automatikgetriebe, 0-100 km/h: 9,7 s, Vmax: 180 km/h, Normverbrauch: 4,7 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 106 g/km, Testverbrauch: 5,1 Liter/100 Kilometer
Preis ab 28.890 Euro.