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50 Jahre Chevrolet Camaro "Ein böses Tier, das Mustangs frisst"

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Chevrolet Camaro, zweite Generation, Sportcoupé, Modelljahr 1976.

Dank einiger lustloser Downsizing-Versionen finden sich in der 50-jährigen Geschichte des Chevrolet Camaro auch einige Tiefpunkte, doch in Erinnerung bleiben den vielen Fans des Mustang-Killers vor allem die zum Teil geradezu verboten schnellen Varianten.

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Chevrolet Camaro, erste Generation, Modelljahr 1966.

Kompakte Muscle Cars, ein Kult in den USA, der vor 50 Jahren seinen Höhepunkt erreichte, als harmlose Familiencoupés mit mächtigen V8 unter der langen Haube zu brisanten Geschossen mutierten. War der Pony-Express einst im Wilden Westen das schnellste Transportmittel, übernahmen nun bezahlbare Pony Cars diese Aufgabe. Ford machte es 1964 mit dem Mustang vor und Erzkonkurrent Chevrolet konterte zwei Jahre später mit dem Camaro.

Als Journalisten nach der Bedeutung des harmlos klingenden Namens fragten, antworteten Chevrolet-Mitarbeiter: "Ein kleines, böses Tier, das Mustangs frisst". Andererseits konnte der Camaro in den Absatzzahlen schon in seinem Geburtsjahr keine blutigen Schlagzeilen als "Mustangfresser" machen. ber 220.000 verkaufte Camaro waren 1966 zwar für sich genommen ein stolzes Resultat für das Ponycar, das GM unter dem Codenamen Panther entwickelt hatte.

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Chevrolet Camaro, zweite Generation, SS 396, Modelljahr 1971.

Aber es war ein bescheidenes Ergebnis gegenüber den 680.000 Mustangs, die Ford in dessen Auftaktjahr verkauft hatte. Gemeinsam waren Camaro und Mustang sogar so stark, dass andere Compact-Coupés wie AMC Javelin oder Plymouth Barracuda keine Chance hatten, in den Zulassungscharts nach vorn zu fahren. Spannender war der 1967 aufgelegte Zwillingsbruder des Chevrolet Camaro, der Pontiac Firebird. Allerdings achtete Mutter GM durch strikte Markentrennung darauf, dass sich Camaro und Firebird nie wirklich ins Gehege kamen, bevor der Firebird 2002 eingestellt wurde.

Bitterböse Motoren

Um als Mustang-Killer Karriere zu machen, waren heiße Motoren nötig. Diese Rolle übernahm zunächst ein bitterböser 6,5-Liter-V8 mit "SS"-Typencode. Noch giftiger war der 1967er Camaro mit Z/28 Performance-Paket. Ein 4,9-Liter-Small-Block-V8 leistete für eine günstige Versicherungseinstufung offiziell lediglich 290 PS. Tatsächlich entfesselte der 4,69 Meter kurze und 1390 Kilogramm leichte Chevy bis zu 400 PS. Noch mehr Feuer fürs Image und höhere Verkaufszahlen bescherte 1969 die Topversion ZL-1 der gesamten Baureihe. Ein 7,0-Liter-V8 setzte offiziell 430 PS frei, in Wahrheit jedoch 550 bis 580 PS. Der unschlagbare Viertelmeilen-Renner provozierte allerdings auch rekordverdächtige Verbrauchswerte um 50 Liter.

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Chevrolet Camaro als Z28, zweite Generation, Modelljahr 1980.

Mit der 1970 gestarteten zweiten Generation des Camaro war das Wettrüsten unter den muskulösen Pony-Cars vorläufig beendet. Steigende Versicherungsprämien und Verbrauchsvorschriften ließen die Zulassungszahlen schrumpfen. Die Ölkrise von 1973/74 und das berüchtigte 55-Meilen-Tempolimit taten ein Übriges. Entscheidender als Vmax war deshalb eine schnell aussehende Form. Dank dieser blieb der zweite Camaro zwölf Jahre in Produktion und erreichte erst im Modelljahr 1979 mit 283.000 Zulassungen sein Allzeithoch. Auf Vierzylinder wie im Mustang verzichtete Chevrolet vorläufig, doch der 115 PS schwache 3,8-Liter-V6 markierte 1980 ebenfalls einen Tiefpunkt.

Rundgelutscht in die 1990er Jahre

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Chevrolet Camaro als RS Coupé, dritte Generation, Modelljahr 1992.

1982 folgte die fast schon europäisch klar konturierte, dritte Generation des Sportcoupés mit Downsizing-Vierzylinder. Immerhin gab es optional noch einen V8 und diesen ab 1987 sogar im respektablen 5,7-Liter-Hubraumformat. Als Imageträger wurde 1985 zudem der Camaro IROC-Z ins Programm genommen. 1990 erstarkte der V8 auf 248 PS – der beste Wert seit 16 Jahren und ein schönes Finale für die kantige Camaro-Generation.

Rundgelutscht ging es 1993 weiter, zunächst mit einem 3,4-Liter-V6 und im Z28-Topmodell mit dem 5,7-Liter-V8. Vordergründig schien der vierte Camaro alles mitzubringen, was der Zeitgeist verlangte. Allerdings fehlte es an Temperament. So übertrafen bereits profane japanische Vierzylinder-Coupés die 160 PS des Sechszylinder-Camaro, dessen Verkaufszahlen in den Keller stürzten. Für Chevrolet Anlass, das Sportcoupé 2002 einzustellen.

Doch das Segment feierte mit Nissan Z, Mazda RX und Ford Mustang ein Comeback. Da muss noch was gehen, dachte Chevrolet und transformierte die Formen des 1969er Camaro ins 21. Jahrhundert. Neben gelungener Optik gab es mehr PS pro Dollar als je zuvor. Die Bestien mit 432 PS-Herzen brüllten nach Burnouts, zur Freude ihrer meist extrovertierten Fahrer endlich auch wieder in Deutschland. Noch besser macht es heute der sechste Camaro, der 2017 auch als ZL1 kommt –650 PS stark und 300 km/h schnell!

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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