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Wie immer, nur besser Golf 8 feiert Weltpremiere in Wolfsburg

Seit 45 Jahren ist der VW Golf "das Auto". Über sieben Generationen hat er Maßstäbe gesetzt. Die Nummer acht soll jetzt das Gleiche tun und damit auch die weitere Elektrifizierung des Konzerns vorantreiben, wie auf der Weltpremiere in Wolfsburg versprochen wird.

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Auch das Heck weist den Golf als Golf aus. Allerdings strahlen jetzt Front- und Heckleuchten mit LED-Licht.

(Foto: Volkswagen)

Dass die Wolfsburger die umfassende Elektrifizierung ihrer gesamten Produktpalette begonnen hat und mit dem ID.3 bereits einen veritablen Stromer im Kompaktformat am Start hat, ändert nichts daran, dass man bei Volkswagen auch Geld verdienen muss. Denn die elf Milliarden Euro, die im ID-Projekt bis dato aufgegangen sind, müssen im wahrsten Sinne des Wortes wieder eingefahren werden. Und wer könnte das Geld besser einspielen als der Golf in seiner achten Auflage? Mit 35 Millionen Stück ist er über 45 Jahre das meistverkaufte Auto im VW-Konzern. Und an diesen Erfolg soll und muss nun auch die Nummer acht anknüpfen.

Sieht aus wie ein Golf

Für die Weltpremiere des Neuzugangs ist VW diesmal nicht in die Welt gezogen, sondern hat das Tuch dort vom Wagen gezogen, wo er produziert wird: in Wolfsburg. Und bei aller Show ist sich auch die achte Auflage in allen Details treu geblieben: VW hat erneut ein Auto erschaffen, das eine hohe Alltagstauglichkeit mit einem, nun sagen wir mal, klaren und präzisen Design in Einklang bringt. Oder: Der Golf sieht auch 2019 aus wie ein Golf. Der Blick auf die Silhouette lässt kaum Unterschiede zum Vorgänger erkennen. Die C-Säule bleibt mit ihrer Breite prägend, lediglich die Tornadolinie, also der Kniff im Blech, zieht sich jetzt als scharfe Kante - ähnlich wie beim Golf 7 - oberhalb der Türgriffe über die Lenden bis ins Heck. Das gibt dem Achter im Zusammenspiel mit den flacheren Frontscheinwerfern, der steiler abfallenden Motorhaube und dem förmlich aus der Linie fließenden Dachspoiler mehr Dynamik als allen Vorgängern.

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Eins muss man den Designern zugute halten: Der Golf VIII wirkt sportlicher als alle seine Vorgänger.

(Foto: Volkswagen)

Obgleich der Golf von außen betrachtet flacher und gestreckter wirkt als die Ahnen, sind seine Maße doch kompakt geblieben. Er misst in der Länge 4,28 Meter, ist 1,79 Meter breit und 1,46 Meter hoch. Selbst der Radstand ist bei 2,63 Metern nahezu identisch mit dem des Vorgängers. So gesehen ist an dieser Stelle zum Äußeren des Golf 8 eigentlich auch schon alles gesagt. Ach nein, die Lichttechnik muss noch erwähnt werden, denn die Neuauflage wird in allen Versionen ausschließlich mit LED-Scheinwerfern fahren, die zum Teil - und das dürfte sich in der Optionsliste verbergen - interaktive Lichtfunktionen haben. Dieser Umstand zeigt schon, dass die eigentliche Revolution des neuen Golfs unter dem Blech stattfindet.

Von Benzin bis Plug-in-Hybrid

Werfen wir also einen Blick unter die Motorhaube. Auch hier starten die Wolfsburger eine "Hybrid-Offensive". Wie die aussieht? Ganz einfach: Neben den herkömmlichen Benzin- (TSI), Diesel- (TDI) und Erdgas-Triebwerken (TGI) gibt es Mild-Hybrid- (eTSI) und Plug-in-Hybrid-Antriebe (eHybride). Die Verbrennertriebwerke sind allesamt Direkteinspritzer mit Turboaufladung, deren Leistungsband zwischen 90 und 300 PS liegen wird. Neu im Programm sind zwei Dreizylinder-Benziner mit 90 und 110 PS sowie zwei Vierzylinder-Diesel mit 115 und 150 PS. Für die Vierzylinder verspricht VW ein neues Brennverfahren, das den Namen "TSI-Miller Brennverfahren" trägt und für besonders niedrige Verbräuche und Emissionswerte stehen soll. Bei den Dieseln soll durch das sogenannte Twindosing, eine zweifache AdBlue-Einspritzung, der Stickoxid-Ausstoß signifikant gesenkt werden. Beim Verbrauch versprechen die Wolfsburger sogar Einsparungen von bis zu 17 Prozent gegenüber den alten Dieseltriebwerken.

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Der Golf 8 fährt auf Wunsch auch als Plug-in-Hybrid und kann künftig an die Leine gelegt werden.

(Foto: Volkswagen)

Wem das ökologisch nicht reicht, der kann sich beim Golf 8 auch auf fünf Hybridantriebe kaprizieren. Beim Mild-Hybrid bilden ein 48-Volt-Riemen-Startergenerator, eine 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie und die oben erwähnten TSI-Motoren eine Einheit. Am Heck steht dann das Kürzel eTSI. Die Verbrauchseinsparung soll hier bei 10 Prozent im Vergleich zum Verbrenner liegen. Bei den Leistungsstufen können die Kunden auf 110, 130 und 150 PS zugreifen. Am Ende gibt es für Spar- und Sportfreunde noch zwei Plug-in-Hybrid-Antriebe mit 204 und 245 PS. Wobei letztgenannte Leistungsstufe der auf Dynamik ausgelegte GTE sein wird. Welche rein elektrische Reichweite die neue 13 kWh-Lithium-Ionen-Batterie hat, wurde bei der Präsentation des Golf 8 noch nicht bekannt gegeben. VW selbst spricht von einer "großen elektrischen Reichweite". Was auch immer das bedeuten mag, unter 50 Kilometern sollte sie nicht liegen.

Neues aus der Schaltzentrale

Nachdem das mit den Antrieben besprochen ist, werfen wir einen Blick ins Innere des Golf 8. Und hier hat er im Vergleich zum Vorgänger dann doch eine radikale Wandlung erfahren. Nicht nur, dass er serienmäßig mit einem digitalen Cockpit vorfährt, er soll, so die Aussage der Wolfsburger, den Fahrer noch stärker mit dem Auto vernetzen, als das bisher der Fall gewesen ist. Natürlich gibt es auch hier bei der Vernetzung Stufen, die sich über die entsprechende Kreuze in der Optionsliste erweitern lassen. Basis sind ein Multifunktionslenkrad, ein Zentraldisplay mit einer Größe von 10,25 Zoll und ein 8,25 Zoll großer Touchscreen mit Online-Anbindung in der Mittelkonsole. Das ist in jedem Fall mehr, als konzernferne Konkurrenten in der Basis zu bieten haben. Besonders schick wirkt das Ganze aber, wenn der digitale Arbeitsplatz des Fahrers mit zwei 10-Zoll-Monitoren ausgebaut wird, denn den Rahmen für diese Einheit bildet eine Art geschwungenen Rahmen, der zum einen den oberhalb der Mittelkonsole befindlichen Monitor zum Fahrer neigt, zum anderen die beiden Digitalflächen schön miteinander verschmelzen lässt.

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Neu und wirklich schick der Arbeitsplatz des Fahrers im neuen Golf 8.

(Foto: Volkswagen)

Wer mehr will, kann erstmals für den Golf ein Head-up-Display ordern. Zur Bedienung des Lichts sowie die Heizungen der Front- und Heckscheibe dienen jetzt digitale Tastenfelder links von den Instrumenten. Wie das in der Praxis funktioniert, muss sich zeigen. Weniger Umgewöhnung erfordert der neue - fast schon putzige - Shift-by-Wire-Schaltknauf für das DSG. Einziger Unterschied zu den herkömmlichen Schaltungen: Man kann Gänge hier nicht mehr direkt einlegen. Optisch ist der "Stummel" aber wesentlich dezenter, ja sogar schöner. Bleibt noch, einen Blick auf die Assistenzsysteme zu werfen, die im Golf 8 auch mit Blick auf das immer noch in der Entwicklung befindliche autonome Fahren einige neue Optionen bekommen.

Kommunikation und Sicherheit

Da wäre zum Beispiel die "Car2X-Kommunikation". Sie soll es möglich machen, dass der Golf als erster VW verkehrsrelevante Informationen mit anderen Fahrzeugen und der Verkehrsinfrastruktur im lokalen Umfeld von bis zu 800 Metern austauscht. Diese Kommunikation soll nach Aussagen von VW in Millisekunden passieren. Das hier zugrundeliegende System ist herstellerübergreifend (WLANp/ITS G5), gilt EU-weit und lässt die Kommunikation zwischen Autos aller Marken zu. Natürlich nur mit Fahrzeugen, die ebenfalls Car2X sprechen. Und davon gibt es momentan nicht so viele. Insofern ist diese Innovation eine Investition in die Zukunft.

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Und hier noch einmal eine bildliche Zeitreise über 45 Jahre VW Golf.

(Foto: Volkswagen)

Natürlich kann auch wieder eine ganze Armada an elektronischen Helferlein in den Golf gebucht werden. Darunter der Travel Assist, der den Wagen bis 210 km/h selbständig in der Spur hält, die Geschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann anpasst, den Wagen notfalls bis zum Stillstand abbremst und im Stau selbständig anfährt. Erweitert wurde die automatische Distanzregelung (ACC) dahingehend, dass sie jetzt bei Navigationsfahrten die Streckenführung einbezieht. Das heißt, vor Kurven oder Kreisverkehren und an Kreuzungen wird das Tempo ebenso verringert wie bei Tempolimits und in Ortschaften. Der Notbremsassistent wirft im Golf 8 auch bei sehr geringen Geschwindigkeiten den Anker. Natürlich gibt es auch wieder eine adaptive Fahrwerksregelung (DCC) und Matrixlicht.

Wie das alles in Summe funktioniert, wird nach der ersten Probefahrt auf n-tv.de zu besprechen sein. In den Handel kommt der Golf 8 jedenfalls schon im Dezember. Wer also noch kein Weihnachtsgeschenk für sich oder die Lieben hat, der kann ja mal über den Wolfsburger nachdenken.

Quelle: n-tv.de

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