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Die Sport Glide ist Nummer neun in der neuen Softtail-Baureihe von Harley.
Die Sport Glide ist Nummer neun in der neuen Softtail-Baureihe von Harley.
Dienstag, 06. Februar 2018

Taufrisch und brandheiß: Harley Sport Glide - unverhofft agil

Harley hat seine neue Softail-Baureihe jetzt mit der neunten Modellvariante aufgerüstet. Und die Sport Glide macht ihrem Namen alle Ehre, beherrscht das Gleiten, schreckt aber auch vor spitzen Kehren nicht zurück.

Die Batwing-Frontmaske ist mit ein paar Handgriffen in wenigen Sekunden demontierbar.
Die Batwing-Frontmaske ist mit ein paar Handgriffen in wenigen Sekunden demontierbar.

Wenn die Marketing-Leute von Harley-Davidson für ein neues Bike die Modellbezeichnung "Sport" verwenden, ist stets Misstrauen angebracht: Der US-amerikanische Traditionshersteller hat bislang noch immer unter Beweis gestellt, dass er zwar die Disziplinen Touren und Cruisen vorzüglich beherrscht, aber von sportlichen Aktivitäten ungefähr ähnlich überzeugt ist wie einstige britische Premierminister Winston Churchill ("No sports!"). Jetzt also der nächste Versuch aus Milwaukee: Sport Glide heißt die neunte Variante der noch taufrischen Softail-Baureihe.

Beweglicher als gedacht

Wer vor dem Motorstart die technischen Daten liest und das dort angegebene Leergewicht von 317 Kilogramm wahrnimmt, ist allerdings versucht, alle Hoffnung fahren zu lassen. Doch das neueste Modell aus Milwaukee lässt sich unerwartet agil fahren, scheut auch vor Schräglagenwechseln im Fünfsekundentakt nicht zurück. Auf Teneriffa lässt sich das ausgiebig probieren, denn vom Meeresufer bis hinauf zum Fuß des mächtigen 3700ers Pico del Teide sind auf über 2200 Höhenmetern wahre Kurvenorgien zu absolvieren.

Die Kurvenlage der Sport Glide ist erstaunlich.
Die Kurvenlage der Sport Glide ist erstaunlich.

Die Harley-Davidson Sport Glide bewältigt diese Herausforderung mit Bravour: Ohne permanentes Aufsetzen der Fußrasten lässt sie gefühlt weit höhere Schräglagen zu als die 27,9 Grad (rechts) bzw. 28,7 Grad (links) erwarten lassen. Mit dem richtigen Luftdruck in den haftfreudigen Michelin-Reifen umrundet die Sport Glide alle Biegungen wie auf Schienen und lässt sich mittels geringem Drucks am schön breiten Lenker von einer Kurve in die nächste werfen.

Unerwartete Freude und heiße Erfahrung

Klar: Sportlich talentierte Nakedbikes wie beispielsweise eine Ducati Monster, Triumph Speed Triple oder eine BMW R 1200 R können das mindestens zwei Nummern besser. Aber das kann und darf nicht der Maßstab für eine durch und durch echte Harley sein. Gemessen an anderen Harleys ist es eine unerwartete Freude, wie zügig und berechenbar sich dieses Sechszentner-Bike bei Bedarf berg-, aber auch talwärts scheuchen lässt.

Auch bei der Bremsverzögerung weiß die Sport Glide zu überzeugen.
Auch bei der Bremsverzögerung weiß die Sport Glide zu überzeugen.

Die Bremsanlage verzögert trotz nur einer Scheibe im Vorderrad gut, das mit USD-Gabel und liegendem Federbein ausgestattete Chassis macht seine Sache im Großen und Ganzen ebenfalls prima. Vorteilhaft ist es, Anpassungsbremsungen vor Kurven möglichst nur mit der (kräftigen) Hinterradbremse auszuführen, weil die anfangs etwas zu weich ansprechende Gabel auf den ersten Zentimetern heftig zuckt und damit Unruhe ins Fahrwerk kommt.

Ursache des freudvollen Fahrverhaltens ist die für 2018 neu entwickelte Softail-Plattform, auf der mittlerweile neun Modelle basieren. Neu ist der leichtere und zugleich steifere Rahmen, neu sind Gabeln, Dreiecks-Stahlschwinge und das versteckt unterm Sitz liegende Federbein, das zudem mittels eines Handrads relativ leicht verstellbar ist. Aber Achtung: Verbrennungsgefahr durch den Auspuffkrümmer.

Wichtig ist das Harley-Gefühl

Die Sport Glide überrascht auf ganzer Linie.
Die Sport Glide überrascht auf ganzer Linie.

Neu ist in dieser Baureihe auch der wunderbar am Gas hängende Milwaukee-Eight 107 Motor; er schüttelt seine 145 Newtonmeter Drehmoment förmlich aus dem Ärmel, ohne dabei ungebührlich zu schütteln. Seine 84 PS sind bestens nutzbar, so dass Zwischensprints wie auch Überholmanöver leicht fallen, ohne übers Herunterschalten nachdenken zu müssen. Ein durch und durch prächtiger Motor, dazu ein fein schaltbares Sechsganggetriebe, alles völlig lastwechselfrei agierend.

So wichtig ein gutes Fahrverhalten für ein Motorrad mit "Sport" im Namen auch ist: Im Fall einer Harley ist das trotzdem nicht das A und O. Wichtiger als bei fast allen anderen Marken ist das Feeling. Hier überzeugt die Sport Glide ebenfalls als würdiges Mitglied der Company-Familie. Und pfiffig gemacht ist sie obendrein: Die Batwing-Frontmaske ist mit ein paar Handgriffen in wenigen Sekunden demontierbar, auch die serienmäßigen, recht schmal gehaltenen Seitenkoffer sind binnen Sekunden abzunehmen. Anscheinend kann man auch in Milwaukee funktional überzeugende Lösungen erarbeiten, wenn man nur will, oder vom Wettbewerb animiert wird. Optional gibt es unter anderem ein etwas höheres Windschild, das für mehr Windschutz sorgen dürfte.

Knapp 18.000 Euro signalisiert die Preisliste für die Sport Glide in Vivid Black, 350 Euro zusätzlich kosten die Metallic-Farben Twisted Cherry (dunkles Rot) und Silver Fortune; in letzterer war das Testbike lackiert. Damit ist die Sport Glide nach Street Bob, Low Rider und Fat Bob die viertgünstigste der neun neuen Softails. Mit nachhaltigem Fahrspaß, guter Ausstattung (Tempomat, Keyless, automatische Blinkerrückstellung), feinem Fahr- und Sitzkomfort und bemerkenswertem Praxisnutzen gleichermaßen erscheint die Sport Glide besonders reizvoll. Und vielleicht wird sie irgendwann auch noch mit dem 114er Motor zu haben sein.

Quelle: n-tv.de