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Der extrem erfolgreichen Forty-Eight stellt Harley-Davidson eine "Special" zur Seite.
Der extrem erfolgreichen Forty-Eight stellt Harley-Davidson eine "Special" zur Seite.
Dienstag, 08. Mai 2018

Für besonders lässiges Fahren: Harley Sportster Forty-Eight Special

Harley-Davidson hat 100 neue Modelle bis 2027 versprochen. Nun erhält die Sportster-Familie Zuwachs. Zur enorm erfolgreichen Forty-Eight und deren 115-Jahre-Jubiläumsausgabe gesellt sich die Forty-Eight Special mit deutlich höherem Lenker.

Der hohe Lenker ist der entscheidende Unterschied zwischen der Forty-Eight und der Forty-Eight Special.
Der hohe Lenker ist der entscheidende Unterschied zwischen der Forty-Eight und der Forty-Eight Special.

Harley-Davidson war schon immer sehr einfallsreich bei der Erschaffung von neuen Modellvariationen. Dass vor allem die Ergonomie für viele Fahrer ein wichtiges Entscheidungskriterium darstellt, haben die US-Amerikaner schon sehr früh begriffen: Vor- oder zurückverlegte Fußrasten, höher oder tiefer montierte Lenker, besonders weit abgesenkte Sitze als auch das Format der vorderen Räder und Reifen – diese Details machen den Unterschied. Deshalb haben sich die Modellplaner in Milwaukee entschlossen, der mit einem niedrigen Lenker daherkommenden, extrem erfolgreichen Forty-Eight eine "Special" zur Seite zu stellen, deren einzige Spezialität ein deutlich höherer Lenker ist. Und siehe da: Schon stellt sich ein besonders lässiges, allerdings auch etwas inaktiveres Fahrgefühl ein.

Preislich liegen Forty-Eight und "Special" auf exakt demselben Niveau: 12.195 Euro will der Händler sehen, bevor er Papiere und Transponder übergibt – einen herkömmlichen Zündschlüssel gibt es bei den in den USA gefertigten Harley-Davidsons schon einige Zeit nicht mehr. Damit sind die 48er nach der neuen, chromlosen und insgesamt sparsamer wirkenden Iron 1200, die preisgünstigste Möglichkeit, eine Sportster mit 1200er V2 zu fahren; die Basismotorisierung mit dem 883 Kubikzentimetern V2 wird nur noch in zwei der mittlerweile acht Sportster-Modelle angeboten.

Unruhiges Triebwerk

Die Schräglage ist mit 27 Grad arg limitiert.
Die Schräglage ist mit 27 Grad arg limitiert.

Spontan nimmt der auf einer Konstruktion von 1952 beruhende V2 seine Arbeit auf, geringer Druck mit dem linken Fuß genügt für das, wie gewünscht, gut hörbare Einrasten des ersten Ganges. Zwar waren Harley-Triebwerke nie für besonders sanften Motorlauf bekannt, doch erscheint die aktuelle Version des 1200er Motors ungewohnt unruhig. Kenner der Szene berichten, dass man erst kürzlich die Schwungmasse im Motor-Inneren verringert habe, um die Drehfreudigkeit des Aggregats zu steigern. Die Auswirkungen dieser Maßnahme stoßen auf unterschiedliches Echo. Besser also, man versucht, den Bereich um 3000 Touren für längere Zeit zu meiden, denn da sind die Vibrationen in Lenker, Fußrasten und Sitz beträchtlich. Die Komfortzone liegt ein Stückchen tiefer bei etwa 2500 Kurbelwellen-Umdrehungen, im fünften Gang entspricht das knapp 100 km/h und damit einem höchst angenehmen Landstraßentempo.

Der sogenannte Tallboy-Lenker, glänzend schwarz lackiert, ist 18,4 Zentimeter hoch und führt, zusammen mit den bei der Forty-Eight choppertypisch vorne montierten Fußrasten, zu einer lässigen, unangestrengten Sitzposition. Trotz des 130 Millimeter breiten, nur 16 Zoll großen Vorderreifens erfolgt das Einlenken in Kurven ohne nennenswerten Kraftaufwand, dafür ist in Schräglage viel Konzentration erforderlich, will man nicht ständig kratzend unterwegs sein, weil die Schräglagenfreiheit mit 27 Grad doch recht begrenzt ist. Die Federung ist gut abgestimmt und tut das Möglichste, was angesichts von lediglich vier Zentimetern am Heck drin ist. Keinerlei Mühe mit der immerhin 256 Kilo schweren Maschine hat die Bremsanlage mit je einer Scheibe vorne und hinten; auch das ABS arbeitet auf zufriedenstellendem Niveau.

Nicht länger als 45 Minuten

Zwischen 30 und 45 Minuten liegen die durchschnittlichen Fahrzeiten eines Sportster-Besitzers, hat die Marktforschung der Amerikaner herausgefunden. Wer die Forty-Eight Special einen Tag zur Verfügung hat, stellt fest, dass dieser Wert sich fast automatisch ergibt: Für große Touren ist diese Sportster mit ihrem mini-kleinen 7,9-Liter-Tank nun mal nicht konzipiert, sondern eher fürs Hop-on und Hop-off, für das Erreichen von Zielen in einem überschaubaren Umkreis. Das Durchschlängeln im dichten Verkehr ist dank nur 87 Zentimetern Fahrzeugbreite recht leicht möglich, ist der Tallboy-Lenker doch lediglich 3,5 Zentimeter breiter als derjenige der normalen Forty-Eight. Die Reservewarnleuchte blinkt nach knapp 100 Kilometern auf.

Gut, dass Harley-Davidson seiner, Forty-Eight die Hochlenker-Version Special zur Seite stellt: Nicht wenigen wird sie kommoder und vor allem lässiger erscheinen. Wer dieses spezielle Fahrgefühl nicht alleine genießen will, muss allerdings zuzahlen: Den zweiten Sitz und zusätzliche Fußrasten für einen Sozius gibt es nur beim Händler. "Das betrifft aber nur eine kleine Minderheit", wissen die Amis. Denn wer gerne zu zweit auf einer Harley unterwegs ist, greift klugerweise meist zu einem Modell mit Big Twin. Da ist die Auswahl dann auch entsprechend größer.

Quelle: n-tv.de