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Einstieg ins IkonischeHyundai bringt mit Ioniq3 bisher kleinstes Modell seines Elektrolabels

21.04.2026, 06:54 Uhr
imageVon Markus Hauf, Dreieich
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Mit dem Ioniq 3 präsentiert Hyundai den Einstieg in seine Ioniq-Baureihe. Auf 4,15 Metern gelang ein gefälliger kompakter Viertürer mit einem kraftvollen Schrägheck. (Foto: Hyundai)

Mit dem Namen Ioniq versieht Hyundai vollelektrische und avantgardistisch angehauchte Modelle mit 800 Volt. Bisher. Funktioniert das auch im Kompaktsegment? ntv.de konnte sich den neuen Ioniq 3 ansehen – mit 400-Volt-Bordnetz.

Hyundai gelang mit dem Concept Three auf der Münchener IAA vor sieben Monaten ein Hingucker im Kompaktsegment. Vermutungen, aus dem aufregend gestylten Konzeptauto mit dem dynamisch-markanten Schrägheck könnte der Einsteiger in die Ioniq-Modellreihe schlüpfen, haben sich nun bestätigt. Hyundai bat zur ersten Besichtigung des neuen Ioniq 3 nach - aufgepasst - Dreieich (bei Frankfurt). Wort- und Zahlenspiele können sie.

Wie meistens präsentiert sich das Serienmodell im Vergleich zum Konzept mindestens eine Nummer ziviler, was Produktionskosten und Alltagstauglichkeit zugutekommt. So ist zum Beispiel die spektakuläre Fensterkante in den hinteren Türen zur dezenteren Lichtlinie reduziert. Mit den dicken Backen des Konzept-Designs wäre das hintere Türenpaar nun mal viel zu sperrig beim Öffnen. Doch das in der Serie immer noch außergewöhnliche, muskulöse Schrägheck, von Hyundai "Aero Hatch" genannt, macht den Ioniq 3 auch ohne Konzept-Lametta zum sportlich aussehenden Vertreter des Kompaktsegments.

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Adjektive wie dynamisch, kompakt und muskulös beschreiben die Seitenlinie des Hyundai Ioniq 3 treffend. Besonders markant ist das Design der Fondtüren und das farblich bis über die oberen Türrahmen herumgezogene Dach. (Foto: Hyundai)

Einen weiteren Beitrag zur Kraftpaket-Attitüde leistet das farblich bis über die oberen Türrahmen heruntergezogene Dach, was dem Ioniq 3 irgendwie ein Basecap aufsetzt. Der sportliche Auftritt gelingt vor allem mit dem N-Line-Trimm, der den zum ersten Rendezvous bereitgestellten Ioniq 3 mit signifikantem schwarzen Aerodynamik-Outfit rundum sowie ebenfalls schwarzen (19 Zoll) großen Rädern ziemlich martialisch dastehen lässt. Vor allem das Heck mit seinem prominenten Diffusor und dem großen aufgesetzten Spoiler sagt allen Hinterherfahrenden: "weiße Bescheid!" - Gruß an Cupra.

Wie viel optische Dynamik ohne N Line noch bleibt, wird sich zeigen. Typisch Ioniq sind auch die Pixel-Leuchten vorn und hinten, ergänzt von vier Pixeln zwischen den Lampen, die auf den Buchstaben H im Morsealphabet verweisen. Berufsfunker und generell ältere Zeitgenossen werden sich erinnern.

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Besonders mit dem Aerodynamik-Kit der N-Line ist das kraftvolle Heck der Hingucker des neuen Hyundai Ioniq 3. Typisch Ioniq sind die Pixel-Leuchten. (Foto: Hyundai)

Platzangebot und Reichweite sind ordentlich

Hat man Platz genommen, saugt der Ioniq 3 einen vorn tief in den Sitz zwischen Tür, Lenkrad und der hohen Bodenkonsole. Das fühlt sich an wie ein gut sitzender Handschuh und vermittelt viel Kontakt zum Fahrzeug, ganz so, wie es sportlich inspirierte Fahrer mögen. Die Sicht ist gut, sowohl nach außen als auch auf die Cockpit-Instrumente, und das trotz des handlichen, abgeflachten Lenkrads. Die wichtigsten Anzeigen sind gleich an der unteren Scheibenkante untergebracht, und es ist fast unmöglich, den Lenkradkranz zwischen Augen und Anzeigen zu schieben. Der idealen Lenkradpositionierung steht nichts im Weg.

Da, wo der Armaturenträger normalerweise sitzt, tut sich eine Ablage auf. Viel Information gibt es trotzdem, denn je nach Ausstattung bietet der Ioniq 3 einen 32,8 oder 37,1 Zentimeter großen Zentralbildschirm. Ansonsten ist der Innenraum eher frei von optischer Ablenkung, dafür reich an Ablagemöglichkeiten.

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Reduziertes Design, viele Ablagen und ein auf Wunsch bis zu 37 Zentimeter großer Bildschirm kennzeichnen den Ioniq-3-Innenraum sowie mechanische Tasten für die wichtigsten Klimatisierungs-Funktionen. (Foto: Hyundai)

Ein Detail fiel besonders angenehm auf - klein, aber woanders fast immer vermisst: In einer Ablageschale zwischen Bildschirm und Getränkehalter lässt sich das Handy aufrecht unterbringen. Das allein wäre nicht bemerkenswert, aber die kleine Öffnung unten in der Schale lässt das Ladekabel durch, und so kann das Handy auch beim Laden aufrecht stehen bleiben - eine praktische zweite Lademöglichkeit neben dem Induktivfeld. Manchmal sind es die ganz kleinen Dinge im Alltag …

Die Rücksitzbank mit neigungsverstellbarer Lehne lässt zwei Erwachsene auch längere Fahrten kommod hinter sich bringen, was angesichts des coupéartigen Dachverlaufs angenehm überrascht. Die Füße passen gerade so unter die Vordersitze wie der Kopf in eine Aussparung im Dachhimmel, wenn das Panoramaglasdach an Bord ist. Sitzriese sollte man im Fond allerdings nicht sein. Seine Hinterbänkler verwöhnt der Ioniq 3 mit einer opulenten herausklappbaren Mittel-Armlehne, USB-Anschlüssen und auf Wunsch sogar einem Magnethalter fürs Smartphone.

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Im Fond ist mehr Platz, als der coupéhafte Dachverlauf befürchten lässt. So kann man es selbst ein paar Stunden lang gut aushalten. (Foto: Hyundai)

Auch noch weiter hinten im Ioniq 3 haben sich die Ingenieure Mühe gegeben. Der Kofferraum verfügt über zwei Stockwerke, wobei das Erdgeschoss mit variablem Boden bis zu 322 Liter fasst, der von Hyundai "Megabox" genannte Keller darunter noch einmal üppige 119 Liter. Wer Rücken hat, sollte dort nichts Schweres unterbringen, aber es passt ein Flugzeug-Trolleykoffer hinein. Das Ladekabel muss dort auch hin, denn unter der vorderen Haube ist kein Platz dafür.

Bei den Batteriegrößen stellt Hyundai 42,2 und 61 kWh zur Auswahl. Der kleinere Akku eignet sich mit geschätzter WLTP-Reichweite von 335 Kilometern eher für das Fahrprofil City. Wer monatlich mindestens einmal weiter wegfahren muss, ist mit den 490 Kilometern Reichweite der großen Batterie entschieden besser bedient. Dass der Junior im Ioniq-Programm nicht primär als Langstreckenauto gedacht ist, zeigt auch seine 400-Volt-Architektur statt des bei allen anderen Ioniq-Modellen üblichen Bordnetzes mit 800 Volt. Hyundai nennt für das DC-Schnellladen knapp 30 Minuten, um die Batterie von 10 auf 80 Prozent Ladezustand zu bringen. Ein ordentlicher Wert. AC-Laden geht mit 11, auf Wunsch auch mit 22 kW. Vehicle-to-load ist sowohl außen als auch im Innenraum möglich.

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Kofferraum mit Keller: Das obere Abteil mit höhenverstellbarem Boden fasst bis zu 322 Liter, in der Versenkung darunter verschwinden bis zu 119 Liter. (Foto: Hyundai)

Solider Antrieb und viel Assistenz-Technologie

Elektroautos im unteren und mittleren Preissegment sind eher Reisende als Rasende. Da macht der Ioniq 3 keine Ausnahme. Je nach Batteriegröße leistet der Motor 135 oder 147 PS, und es stehen jeweils 250 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung. Damit soll der 1580 Kilogramm schwere Kompakte in 9,6 respektive 9 Sekunden aus dem Stand auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 165 Kilometern pro Stunde erreichen. Der sehr gelungene Luftwiderstandsbeiwert von cw 0,263 ermutigt Hyundai zu WLTP-Verbrauchsangaben von 13,8 beziehungsweise 14,2 kWh/100 Kilometer.

Der Ioniq 3 ist, anders als die übrigen Ioniq-Modelle, ein Fronttriebler. Etwas ziehen wird er auch können, es steht allerdings noch nicht fest, wie schwer das sein darf. Wer Spaß an - und Geld für - Technik hat, ist beim Ioniq 3 gut aufgehoben. Lieferbar sind Technologien wie der digitale Fahrzeugschlüssel für Smartphones oder Wearables, Projektions-LED-Matrix-Scheinwerfer, eine 360-Grad-Kamera, Totwinkelassistent mit Monitordarstellung im Display und sogar der Parkassistent mit Fernbedienung, der den Ioniq 3 in engen Parksituationen manövriert, ohne dass der Fahrer im Auto sitzt.

Wenn der Ioniq 3 im Herbst dieses Jahres in Deutschland zu haben sein wird, ist der Markt um einen markanten Kompakten reicher. Ordentliches Platzangebot trotz sportiver Coupéoptik sowie ein vernünftiger Antrieb sind einen zweiten Blick wert. Wenn auch noch die Preise stimmen, ist der Einstieg ins Ikonische bei Hyundai gelungen. Zwar steht der Basis-Preis noch nicht fest, Hyundai will den Ioniq 3 aber zwischen Inster und Kona positionieren, was auf Tarife ab rund 30.000 Euro schließen lässt.

Quelle: ntv.de

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